Jahresbilanz 2006 126 Pannen in deutschen Atommeilern

In den 17 deutschen Atomkraftwerken ist es im vergangenen Jahr zu 126 Pannen gekommen. Besonders viele Vorfälle gab es in den älteren Meilern, berichtete das Bundesumweltministerium.


An der Spitze der Zwischenfall-Statistik liegt nach Informationen des SPIEGEL das Kernkraftwerk Krümmel bei Hamburg. Hier wurden 15 "meldepflichtige Ereignisse" gezählt. Auf Platz zwei folgt der Meiler Biblis B in Hessen mit 14 Meldungen, Platz drei belegt das Kernkraftwerk Brunsbüttel in Schleswig-Holstein mit 11 Pannen. "Die meldepflichtigen Ereignisse hatten keine oder eine geringe sicherheitspolitische Bedeutung", sagte Ministeriumssprecher Michael Schroeren.

AKW Krümmel: 15 Zwischenfälle im Jahr 2006
AP

AKW Krümmel: 15 Zwischenfälle im Jahr 2006

Die Pannenstatistik für 2006 stammt aus einem für den Bundestag bestimmten Bericht des Bundesumweltministeriums. Mehr als die Hälfte aller Zwischenfälle (64) ereignete sich nach Angaben des Ministeriums in den sieben Altmeilern, die vor 1980 in Betrieb gingen. "Das gibt uns Gründe, sehr genau zu prüfen, ob es tragbar ist, die Laufzeiten zu übertragen von jüngeren auf ältere Kraftwerke", sagte Schroeren. Die Übertragung von Laufzeiten dürfe nicht zu Lasten der Sicherheit gehen.

Laut Gesetz müssen die Kraftwerksbetreiber alle sicherheitsrelevanten Vorkommnisse nach einem abgestuften Verfahren der Atomaufsichtsbehörde anzeigen. Meldepflichtig sind neben schweren Störfällen, bei denen Radioaktivität austritt, auch kleinere Pannen wie der zeitweilige Ausfall von Pumpen oder Stromsystemen.

Die deutschen Atomkraftwerke sollen bis spätestens 2022 vom Netz gehen. Dies ist umstritten. Unionspolitiker wie Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) machen sich dafür stark, die Kernkraft länger zu nutzen und argumentieren mit Klimaschutz. Die SPD warnt davor, den im Koalitionsvertrag bestätigten Atomausstieg anzutasten

Die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke war zuletzt im vergangenen Sommer kontrovers diskutiert worden. Vorausgegangen war ein schwerwiegender Störfall am 25. Juli im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark. Nach einem Blitzschlag in eine Hochspannungsleitung war es dort zu einem Kurzschluss gekommen, nur zwei der vier Notstromaggregate des Kraftwerks waren angesprungen. Die schwedische Atomaufsicht hatte den Vorfall als sehr ernst eingestuft.

Die deutschen AKW-Betreiber hatten daraufhin erklärt, ein Störfall wie in Forsmark sei hierzulande ausgeschlossen. Kernkraftgegner hatten dies jedoch in Frage gestellt. Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, erklärte, die Betreiber leisteten ihrem eigenen Anliegen einen Bärendienst, wenn sie nach dem gravierenden Störfall reflexartig Entwarnung gäben.

hda/dpa

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