Globale Entwicklung So schlecht war 2018 gar nicht

Wer Jahresrückblicke ansieht, kann schnell glauben, dass 2018 wirklich schlimm war: Krisen, Kriege, Klimawandel, außerdem Trump, Brexit, Populismus. Doch der finstere Gesamteindruck trügt.

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"Es hat keinen Sinn, mit dem Wort ‚unmöglich etwas zu beschreiben, das offensichtlich bereits geschehen ist."
Douglas Adams, "Dirk Gently's Holistic Detective Agency"

Es gibt nichts herumzureden - in vieler Hinsicht war 2018 ein furchtbares Jahr. Donald Trump bewohnt das Weiße Haus, wenn er nicht gerade golfen ist, im Bundestag sitzt eine rechtsradikale Partei. Die Europäische Union leidet unter Populisten und dem drohenden Austritt Großbritanniens. In Syrien und im Jemen herrscht Krieg. Die CO2-Emissionen nehmen weltweit zu statt ab.

Aber.

Viele Kennzahlen, die abstrakt wirken, aber für millionenfach ausbleibendes Leid stehen, entwickeln sich extrem positiv. In den erfreulichsten Fällen heißt das: nach unten. Und gegen Ende des Jahres konnte man plötzlich das Gefühl bekommen, dass, Trump, Brexit, Populismus und AfD-Gezeter hin oder her, doch noch etwas sehr Gutes möglich ist: Die Menschheit schafft es endlich, sich als Menschheit zu fühlen, und manchmal sogar als Menschheit zu handeln.

Die erfreulichsten Kurven zeigen nach unten

Zum Beispiel nimmt die Kindersterblichkeit weltweit weiterhin ab, und zwar in fast allen Ländern der Erde, relativ unabhängig von ihrem jeweiligen Reichtum. Das Gleiche gilt für die Zahl von Menschen, die in extremer Armut leben müssen.

Und nein, liebe zynische Überbevölkerungsapokalyptiker: Das ist nicht gefährlich, sondern gut, denn wenn Kindersterblichkeit und Armut abnehmen, sinken in aller Regel auch die Geburtenraten. Aus irgendwelchen Gründen fällt es gerade uns wohlhabenden Bewohnern der Industrienationen aber extrem schwer, zu akzeptieren, dass sich viele Dinge zum Positiven entwickeln.

Nach unten zeigen etwa auch die Kurven für lebensgefährliche Infektionskrankheiten wie Tuberkulose und Malaria.

Aufwärts führen dagegen viele Kurven, die mittelfristig dafür sorgen werden, dass Menschen überall auf dem Globus bessere, informiertere Entscheidungen treffen können: Die Zahl der Menschen, die lesen können, wächst jedes Jahr weiter. Außerdem besuchen mittlerweile weltweit fast ebenso viele Mädchen wie Jungen zumindest eine Grundschule.

Viele der oben verlinkten Statistiken betreffen übrigens nicht das Jahr 2018, sondern 2017 oder sogar 2016 - das liegt daran, dass solche Zahlen oft erst mit einer gewissen Verzögerung verfügbar werden. Es spricht aber nichts dafür, dass diese extrem erfreulichen Trends 2018 aufgehört haben sollten.

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Hashtags: Diese Debatten prägten das Jahr auf Twitter

Für viele der Ärmsten auf dem Planeten wird die Welt also tatsächlich besser, auch wenn Zyniker und Pessimisten beharrlich das Gegenteil glauben möchten. Ein sehr schlechtes Jahr war 2018 dagegen für all jene, die weiterhin leugnen, dass die globale Klimakrise ein menschengemachtes Problem ist.

Der peinliche Onkel in Washington

Die Beschlüsse von Katowice gehen zwar immer noch nicht weit genug, um katastrophale Auswirkungen der Erderwärmung auszuschließen, aber eine sehr gute Nachricht sind sie trotzdem: Nahezu alle Länder der Erde haben sich bei der Konferenz nicht nur zu dem Ziel bekannt, den globalen CO2-Ausstoß zu reduzieren. Sie haben sich auch auf Verfahren festgelegt, mit denen diese Bemühungen in Zukunft überprüft werden können.

Das ist eine Entwicklung von enormer, Hoffnung machender Tragweite: Die Behauptung, wir Menschen hätten mit der Erderwärmung nichts zu tun, an der auch US-Präsident Donald Trump immer noch festzuhalten scheint, ist mit den Beschlüssen von Katowice endgültig zu einer bizarren Minderheitenposition geworden. Wer weiterhin so tut, als gäbe es den menschengemachten Klimawandel nicht, der macht sich in den Augen der Welt schlicht lächerlich.

Der auf Twitter herumgeifernde Präsident ("WIR WERDEN WIEDER RESPEKTIERT!") wirkt von Tag zu Tag noch alberner, angesichts der Tatsache, dass die Weltgemeinschaft ihn in dieser entscheidenden Frage schlicht ignoriert und um ihn und seine Regierung herum operiert. Wie eine Familie, die den peinlichen Onkel am Weihnachtsabend höflich aber befremdet ignoriert.

Das kann 2019 so weitergehen

Donald Trump schert das vielleicht nicht, aber der Mann wird nicht ewig Präsident sein. Und in der Ära nach Trump werden auch viele seiner Republikaner einsehen müssen, dass die Erdölbranche zwar nach wie vor viel Geld zum Spenden übrig hat, man damit alleine aber keine Wahlen mehr gewinnen kann. Nicht, wenn die eigenen Küsten von Stürmen und Fluten verwüstet werden, mancherorts das Wasser knapp wird und riesige Waldgebiete in Flammen aufgehen.

Dass die Weltgemeinschaft all das erreicht hat - Abermillionen Kinder vor dem Tod bewahrt, zumindest basale Schulbildung in die entlegendsten Regionen gebracht, durchaus erfolgreich extreme Armut, Hunger und Krankheiten bekämpft und sogar ihre eigene Schuld an der noch immer drohenden Klimakatastrophe endlich kollektiv akzeptiert und Besserung gelobt hat -, das lässt doch hoffen.



insgesamt 196 Beiträge
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Seite 1
pippipankau 30.12.2018
1.
werden sie für so einen hanebüchenen kram bezahlt? tierrechte? kaum mehr vorhanden. umweltschutz? wo? frauenrechte? mit füßen getreten. stop der überbevölkerung? fehlanzeige. ich lach mich kaputt, es war nicht so schlimm....
richey_edwards 30.12.2018
2. Ab und zu, aber sehr selten
dämmert es sogar den notorischen Bedenkenträgern dass es eigentlich ganz gut läuft im Kapitalismus und dass die ganzen konstruierten Gefahren wie Überbevölkerung, Ressourcenknappheit, Klimawandel usw. nur Scheinprobleme sind.
querulant_99 30.12.2018
3.
Ich empfand das Jahr 2018 optimal! Mein Wunsch für 2010: Weiter so!
muellerthomas 30.12.2018
4.
Fast das gleiche habe ich gestern im Forum hier geschrieben. Aber Fakten interessieren die Apokalyptiker, Trump- und AfD-Fans ohnehin nicht.
muellerthomas 30.12.2018
5.
Zitat von pippipankauwerden sie für so einen hanebüchenen kram bezahlt? tierrechte? kaum mehr vorhanden. umweltschutz? wo? frauenrechte? mit füßen getreten. stop der überbevölkerung? fehlanzeige. ich lach mich kaputt, es war nicht so schlimm....
Auch die Tierechte nehmen zu, Umweltschutz wird weltweit wichtiger, Frauenrechte nehmen ebenfalls weltweit zu und was die Überbevölkerung angeht, so sinkt die weltweite Geburtenziffer seit Jahrzehnten und liegt nur noch knapp über der stabilitätsbringenden 2,1. Ist damit alles gut? Nein, natürlich nicht und behauptet auch keiner. Aber es gibt große Fortschritte und wir sollten daran arbeiten, dass diese weitergehen.
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