James Watson: Nobelpreisträger nennt Schwarze minder intelligent

Biologie-Legende James Watson hat mit rassistischen Äußerungen für große Empörung in England gesorgt: Schwarze seien weniger intelligent als Weiße. Ein Museum, in dem der Mitentdecker der DNA-Struktur und Nobelpreisträger auftreten sollte, lud ihn kurzerhand aus.

Das Londoner Wissenschaftsmuseum teilte am Donnerstag mit, es habe eine für Freitag geplante Lesung mit Watson abgesagt. Grund ist ein Interview Watsons in der "Sunday Times", in dem er Afrikaner als minder intelligente Menschen bezeichnete. Er sehe die Zukunft Afrikas äußerst pessimistisch, denn "all unsere Sozialpolitik basiert auf der Annahme, dass ihre Intelligenz dieselbe ist wie unsere - obwohl alle Tests sagen, dass dies nicht wirklich so ist".

Nobelpreisträger Watson: Als "rassistisch, sexistisch, homophob" bezeichnet
AP

Nobelpreisträger Watson: Als "rassistisch, sexistisch, homophob" bezeichnet

Schon bei einer Buchpräsentation Anfang Oktober an der US-amerikanischen Harvard University hatte der Nobelpreisträger mit äußerst merkwürdigen Äußerungen verstört. Unter anderem sagte Watson, dass ältere Männer kranke Spermien besitzen, und beharrte auf Rassenunterschieden beim Menschen. So gebe es seiner Meinung nach erhebliche Unterschiede in der Intelligenz weißer Australier und dunkelhäutiger Aborigines. Nicht nur Watson, auch andere Wissenschaftler versuchen immer wieder, derartige Ansichten als wissenschaftlich belegbar darzustellen.

Die Aussagen lösten in Großbritannien einen Sturm der Entrüstung bis in die Regierungsebene aus. Kultur- und Bildungsminister David Lammy, der selbst schwarz ist, nannte Watsons Äußerungen "zutiefst beleidigend". "Es ist eine Schande, dass ein Mann mit einer Reihe wissenschaftlicher Auszeichnungen sein Werk durch seine eigenen irrationalen Vorurteile überschattet", sagte er. Der britische Neurobiologe Steven Rose nannte Watsons Äußerungen "altmodisch und ohne wissenschaftliche Gültigkeit". Im BBC-Radio sagte Rose, Watson sei immer wieder mit "rassistischen, sexistischen, homophoben und zutiefst beleidigenden" Äußerungen aufgefallen.

Der 79-jährige Watson präsentiert derzeit in Großbritannien sein neues Buch "Avoid Boring People: Lessons From A Life in Science" (etwa: "Meide langweilige Menschen: Lehren aus einem Leben mit der Wissenschaft"). Der Biochemiker war 1962 zusammen mit Francis Crick mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden. Beide hatten die Struktur des Erbgutträgers Desoxyribonukleinsäure (DNA) entschlüsselt.

lub/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Mensch
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite