Jerusalem Archäologen stoßen auf römischen Rundbau

Sie wollten einen Abschnitt der Klagemauer freilegen. Darunter vermuteten israelische Archäologen eine römische Straße. Stattdessen fanden sie die Überreste eines uralten Gebäudes.

Joe Uziel zeigt die Überreste des Rundbaus
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Joe Uziel zeigt die Überreste des Rundbaus


In der Altstadt von Jerusalem sind israelische Archäologen auf die Überreste eines öffentlichen Gebäudes aus der Römerzeit gestoßen. Den Forschern zufolge handelt es sich um den ersten derartigen Fund in der Stadt. Das Gebäude schließt sich an einen kürzlich freigelegten Abschnitt der Klagemauer an.

Der Archäologe Joe Uziel sagte an der Ausgrabungsstelle, er und seine Kollegen hätten von dem Mauerabschnitt gewusst und angenommen, unterhalb der Mauer auf eine römische Straße zu stoßen.

Die Ausgrabungsarbeiten hätten aber keine Straße, sondern einen Rundbau aus der Römerzeit zum Vorschein gebracht, sagte Uziel. Ob es sich dabei um ein Theater oder um ein Verwaltungsgebäude handelte, sei bisher noch nicht geklärt.

Gebäude stammt aus dem zweiten oder dritten Jahrhundert

Mithilfe der Radiokarbon-Datierung habe bestimmt werden können, dass das nicht fertiggestellte Gebäude aus dem zweiten oder dritten nachchristlichen Jahrhundert stammt.

Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, erlaubt das Rückschlüsse auf das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag. Allerdings liefert dieses Verfahren keine absolute Altersangabe wie die C14-Methode. Die Archäologen können so nur feststellen, dass ein Artefakt etwa zur gleichen Zeit in die Erde gelangt ist.

Der freigelegte Abschnitt der 2000 Jahre alten Klagemauer mit sehr gut erhaltenen Steinquadern ist etwa 15 Meter breit und acht Meter hoch. Angaben der israelischen Altertumsbehörde zufolge war der Abschnitt 1700 Jahre lang von einer acht Meter dicken Schicht Erde bedeckt.

Nach der Zerstörung des Zweiten Jüdischen Tempels durch die Römer im Jahr 70 nach Christus ist die westliche Stützmauer des Tempelbergs heute der einzige architektonische Überrest dieser Epoche. Die Mauer wurde zu einem Nationalsymbol Israels und ist eine der meistbesuchten touristischen Attraktionen in Jerusalem.

Darüber erhebt sich der Tempelberg, arabisch Al-Haram Al-Scharif ("Edles Heiligtum"). Er ist mit der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom mit seiner goldenen Kuppel das dritthöchste islamische Heiligtum nach Mekka und Medina. Das Hochplateau, das im von Israel annektierten Ostteil Jerusalems liegt, ist wegen der dort befindlichen Klagemauer auch gläubigen Juden heilig. Zwischen Israelis und Palästinensern kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen um den Zugang zu den heiligen Städten.

brt/AFP

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