"Jugend forscht"-Preisverleihung Wenn das Moos mampft

Ob Symmetrie-Brechungen im Fließverhalten von Flüssigkeiten oder Fleisch fressende Moose: Deutschlands Jungforscher haben vielfältige Interessen und sind äußerst kreativ. Heute wurden die besten Nachwuchswissenschaftler beim Finale von "Jugend forscht" geehrt.


"Jugend forscht" -Sieger Hesse mit Bulmahn und Köhler: Einblicke in die Pflanzenwelt
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"Jugend forscht" -Sieger Hesse mit Bulmahn und Köhler: Einblicke in die Pflanzenwelt

Dortmund - Ausgezeichnet: Beim 40. Bundesfinale des Wettbewerbs "Jugend forscht" ehrten Bundespräsident Horst Köhler und Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn heute die besten der 218 Landessieger in Dortmund. Köhler würdigte die Teilnehmer "als Vorbilder und Botschafter für das Land der Ideen, wie ich Deutschland gerne sehen möchte". Wer sich die Projekte der Jugendlichen zeigen lasse, staune über ihre Originalität und Qualität.

Den Teilnehmern rief er zu: "Wir zählen auf Sie, und ich hab da ein ganz gutes Gefühl." Mit dem Preis des Bundespräsidenten für eine außergewöhnliche Arbeit zeichnete er Jörg Metzner, 19, und Marcel Schmittfull, 17, aus Bad Homburg und Schweinfurt für ihre physikalischen Untersuchungen zur Kunst des Bauchredens aus.

Den Preis des Bundeskanzlers für die originellste Arbeit überreichte Bulmahn an Igor Gotlibovych, 17, und Renate Landig, 19, aus München und Bad Saulgau. In ihrem Projekt "Vielecke im Waschbecken" analysierten die beiden unerwartete Symmetrie-Brechungen im Fließverhalten von Flüssigkeiten.

Den Sonderpreis der deutschen Forschungsgesellschaft errang der 17-jährige Yanxiang Zhou aus Mannheim, der ein Computerprogramm zur Vorhersage von Proteinstrukturen entwickelte. Mit der Entwicklung einer eigenen PC-Tastatur siegten die Hamburger Nils Stoye, 19, Torsten Rieger, 19, und Justus Menzel, 17, im Fachgebiet Arbeitswelt. Sie überarbeiteten die 130 Jahre alte Buchstabenanordnung für Schreibmaschinen und Computer und wiesen der Jury zufolge nach, dass ihre Neuentwicklung Mühe, Zeit und Geld spart.

Die Entwicklung eines "Westentaschen-Labors", das Notärzten die Blutwerte-Bestimmung am Unfallort ermöglicht, brachte dem 19-jährigen Gelsenkirchener Stephen Schulz den Sieg im Fachbereich Chemie. Matthias Dübgen, 19, Peter Jaschke, 18, und Andreas Raba, 19, aus Gersthofen in Bayern setzten sich im Fachbereich Physik an die Spitze. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit minus 195 Grad kalten Supraleitern, die Strom ohne elektrischen Widerstand transportieren können.

Für die Entdeckung, dass auch niedere Pflanzen wie Moose Kleinsttiere fangen können, wurde der 19-jährige Sebastian Hess aus dem nordrhein-westfälischen Wiehl mit dem 1. Preis im Fachgebiet Biologie ausgezeichnet. Mit einer "bewundernswerten Akribie und Ausdauer", so die Jury, habe der junge Botaniker sein Moos im Freilandversuch in Schottland mit winzigen Einzellern gefüttert, die der Fleisch fressenden Pflanze nicht mehr entkommen konnten.

Der 17-jährige Markus Giftthaler aus Vilsbiburg in Bayern entwickelte einen Spektrographen, mit dem er in der Schulsternwarte die Geschwindigkeit von Sternen messen konnte, die Lichtjahre von der Erde entfernt sind. Damit siegte er in der Disziplin Geo- und Raumwissenschaften. Jewgeni Strekalowski aus Weimar errang den Bundessieg für seine mathematische Arbeit zu verschachtelten Dreiecken.

Ein Lichtmanagement-System brachte dem 19-jährigen Christoph Budelmann aus Syke in Niedersachsen den Sieg in der Disziplin Technik. Der Jury zufolge entwickelte er ein "innovatives und marktreifes Produkt", das durch den Einsatz intelligenter Technik beim Energiesparen hilft.



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