Kaiser Caracalla Ein Tyrannen-Leben als Bildungs-App

Burkhard Pfeifroth

Kaiser Caracalla hatte viele Gesichter: Er galt als Tyrann und ließ seinen Bruder ermorden, bei seinen Soldaten machte er auf Kumpel und war als Feldherr erfolgreich. Eine Ausstellung zeigt nun das Leben des Despoten und verpackt den heiklen Stoff in eine App - durchaus unterhaltsam.

Im Jahr 213 bekam das römische Kastell Aalen hohen Besuch: Kaiser Caracalla soll hier Station gemacht haben, um seinen Germanenfeldzug zu starten. In dem größten Hilfstruppenlager des Obergermanisch-Raetischen Limes machte der Feldherr gern auf Kumpel: Er mischte sich unter seine Soldaten und versprach ihnen in flammenden Reden Ruhm, Ehre - und fetten Sold.

Dementsprechend freudig zogen sie für ihn in den Kampf - obwohl Caracalla sich sonst als Brudermörder und wahnsinniger Tyrann bei der übrigen Bevölkerung des römischen Reiches einen eher schlechten Ruf einhandelte. "Die Soldaten hatten ihr Vergnügen an ihm, weil er alles wie ein Soldat mitmachte", berichtet der Geschichtsschreiber Herodian über den Herrscher. "Wenn zum Beispiel ein Schanzgraben ausgehoben werden musste, so war er der Erste, der grub. (...) Er wollte lieber Kamerad als Kaiser von ihnen genannt werden."

Die Anbiederung des Kaisers an seine Soldaten, den Mord an seinem Bruder Geta oder die katastrophale Ehe mit seiner gehassten Ehefrau Plautilla sind auch nach 1800 Jahren noch spannende Geschichten. Aus diesem dynamischen Stoff haben der Grafiker Burkhard Pfeifroth aus Reutlingen und der Archäologe Martin Kemkes vom Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg eine App gemacht. In neun Stationen wird das Leben Caracallas in Bildern, Karten, Grafiken, Zitaten und kurzen Texten erzählt.

Blutige Episoden für zartbesaitete Gemüter

Die App begleitet die Sonderausstellung "Caracalla - Kaiser-Tyrann-Feldherr" im Limesmuseum Aalen und am Limestor Dalkingen. "Es soll eine unterhaltsame Info-App zur Ausstellung sein - keine weitere archäologische Informations-App, die im Wesentlichen nur das wiedergibt, was schon in der Ausstellung zu sehen oder im Begleitband zu lesen ist", erklärt Pfeifroth.

Für den Zeichner bestand die große Herausforderungen vor allem in der Verpackung der oft heiklen Themen: "Wie kann ich die Lebensgeschichte eines Tyrannen und Brudermörders für eine wichtige Zielgruppe - Schulkinder - illustrieren, ohne allzu sehr im Blut zu waten", sagt er. Eine schwierige Frage, schließlich sollte sich die App auch für zartbesaitete Gemüter eignen und richtet sich ausdrücklich auch an Kinder.

"Viel besser als trockene Katalogtexte oder Wikipedia-Artikel"

Doch ganz offenbar funktioniert die Mischung - das jedenfalls legt ein erster Test an zufällig Ausgewählten aus den angesprochenen Zielgruppen nahe.

Caracallas Aufenthalt in Aalen hat sich zumindest für Germanien gelohnt. Obwohl er den Sieg mit Zahlungen an einige germanische Stämme eher erkauft hat, als ihn militärisch zu erringen, herrscht danach erst einmal Frieden am Obergermanisch-Raetischen Limes. Die Ausstellung im Limesmuseum Aachen hat sowohl historische als auch archäologische Quellen zum Wirken des umstrittenen Machthabers zusammengetragen. Wer sie besuchen möchte, hat dazu noch bis zum 3. November Zeit.

Die App ist kostenlos für iPhone und Android erhältlich - und lohnt sich durchaus auch für Bewohner der Regionen weit nördlich des Limes.

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7 Leserkommentare
wonder2009 12.08.2013
dimetrodon190 12.08.2013
opakuss 12.08.2013
detleferl 13.08.2013
prüderiegegner 13.08.2013
bewarzer-fan 13.08.2013
karl-heinz-heinzelmann 27.08.2013

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