Kampf für Klimaschutz in Indonesien Fluch des Wohlstands

Kaum ein Staat vernichtet seine Wälder so schnell wie Indonesien, das Land gehört deshalb zu den weltgrößten CO2-Sündern. Der wachsende Wohlstand verschärft das Umweltschutzproblem, immer mehr Menschen fahren Auto. Klimaschützer versuchen gegenzusteuern - doch ohne westliche Hilfe sind sie machtlos.

Von Christian Schwägerl

Christian Schwägerl

Das Schlachtfeld erstreckt sich bis zum Horizont. Die Erde ist aufgerissen, tote Bäume ragen aus einer entleerten Landschaft, alle paar Kilometer schicken Feuer Rauchsäulen in den Himmel. So sieht sie aus, die Schattenseite des Wohlstands.

Früher standen hier, östlich von Palangkaraya auf der Insel Borneo, unendlich wirkende Regenwälder. Nun ist das verkäufliche Holz abtransportiert und der Rest eingeäschert, um Palmölplantagen anzulegen. Das billige Palmöl landet in deutschen und chinesischen Lebensmitteln und Kosmetika.

Die Rechnung dafür gleicht einer Zeitbombe: Rund zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid werden jährlich frei, wenn indonesische Regenwälder abgeholzt werden. Das ist doppelt so viel wie der gesamte Ausstoß von Deutschland, der größten Volkswirtschaft der EU. Eine Waldfläche von etwa 115 mal 115 Kilometer Größe verschwindet jedes Jahr in Indonesien.

Das Inselreich zerstört seine Wälder so schnell wie kaum ein anderes Land - und wird dadurch laut Weltbank zusammen mit Brasilien zum wichtigsten Verursacher von Treibhausgasen nach China und den USA, zum Hauptantreiber einer gefährlichen Erderwärmung. Um unter anderem darüber zu diskutieren, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono am Dienstag zu einem Gespräch im Bundeskanzleramt empfangen.

Austrocknender Torf gibt die meisten Treibhausgase ab

"Viele unserer Wälder stehen auf meterdickem Torfboden, der sich zu Treibhausgasen zersetzt, wenn die Pflanzendecke weg ist", warnt Rosenda Chandra Kasih vom WWF Indonesien. Methan und CO2 aus trocknendem Torf könnten Schätzungen zufolge für zehn Prozent der weltweiten Treibhausemissionen verantwortlich sein.

Kasih ist in Palangkaraya groß geworden und erinnert sich an eine Zeit, in der es Wälder voll von Orang-Utans, Hornvögeln und Orchideen gab. Später zog sie auf die Ferieninsel Bali. Jedes Mal, wenn sie nach Hause flog, sah sie aus der Luft, wie ihre Heimat immer mehr einem Schlachtfeld glich. "Irgendwann habe ich den Anblick nicht mehr ausgehalten", sagt sie. Sie bewarb sich um die Leitung des regionalen WWF-Büros und zog zurück in ihre alte Gegend. Seither stemmt sie sich gegen die wichtigste Quelle von Treibhausgasen in Indonesien.

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Umbriel 15.12.2009
1. Vulkan
Jetzt bricht zumindest auf den Philippinen mal wieder ein Vulkan aus, der dürfte in den nächsten Wochen soviel CO2 in die Stratosphäre blasen wie 1000 Jahre BRD unter Vollgas.
Hercules Rockefeller, 15.12.2009
2. Auto völlig egal
Wieso hackt man eigentlich auf den Autos rum, oder darauf, dass man in ärmeren Ländern im Jahr 2010 nicht immer noch nur zu Fuss oder per Eselskarre unterwegs sein will? Der CO²-Ausstoß von Autos, selbst von dicken Brummern wie einem Q7 ist geradezu lächerlich mit dem von bspw. Strom. Ein Blick auf die Jahresabrechnung reicht, dort liest man: Für eine popelige Kilowattstunde Strom (halbe Stunde Staubsaugen oder 2 Stunden Killerspiel daddeln) werden 490g CO² in die Welt geblasen. Damit kann man je nach Auto 300km weit fahren, sogar mit dem Q7, wenn man nicht über 130 fährt (schneller muss man auch nicht, kommt eh keiner an einem vorbei, wenn man ein bischen schlängelt). Und da blasen sich nun alle auf, wenn ein paar Tausend Indonesier in Jakarta im Stau stehen wollen? Da kommt kaum was zusammen, da wird eigentlich nur die Klimaanlage des Wagens befeuert. Würden die nun alle die dollen Elektrobrummerkarren fahren (die ohne Sicherheitsmerkmale, ohne Platz, ohne Komfort-durch und durch Grün!), dann bläsen sie weit mehr CO² in die Luft, um im Stau die Luft zu kühlen! Wir müssen Strom sparen, nicht Benzin! Es geht den "Mahnern" doch nur darum, dass es nicht angehen kann, wenn die dritte Welt nun Auto fährt. Sowas gehört sich nicht! Die sollen doof in die Kameras von UNICEF und Brot für die Welt glotzen, aber doch nicht im VW Fox ins Büro pendeln! Ja, da wird einem ja ganz anders, da fällt einem vor Schreck das Monokel in den Frühstücksschampus...
chinchoro 15.12.2009
3. Reality Check notwendig
Zitat von UmbrielJetzt bricht zumindest auf den Philippinen mal wieder ein Vulkan aus, der dürfte in den nächsten Wochen soviel CO2 in die Stratosphäre blasen wie 1000 Jahre BRD unter Vollgas.
Es ist erstaunlich, dass man in der virtualen Welt solch einen Unsinn ungestraft von sich geben kann. Trollen als Erwerbsquelle?
Makogonov 15.12.2009
4. Rechenfehler?
Zitat von Hercules RockefellerWieso hackt man eigentlich auf den Autos rum, oder darauf, dass man in ärmeren Ländern im Jahr 2010 nicht immer noch nur zu Fuss oder per Eselskarre unterwegs sein will? Der CO²-Ausstoß von Autos, selbst von dicken Brummern wie einem Q7 ist geradezu lächerlich mit dem von bspw. Strom. Ein Blick auf die Jahresabrechnung reicht, dort liest man: Für eine popelige Kilowattstunde Strom (halbe Stunde Staubsaugen oder 2 Stunden Killerspiel daddeln) werden 490g CO² in die Welt geblasen. Damit kann man je nach Auto 300km weit fahren, sogar mit dem Q7, wenn man nicht über 130 fährt (schneller muss man auch nicht, kommt eh keiner an einem vorbei, wenn man ein bischen schlängelt). Und da blasen sich nun alle auf, wenn ein paar Tausend Indonesier in Jakarta im Stau stehen wollen? Da kommt kaum was zusammen, da wird eigentlich nur die Klimaanlage des Wagens befeuert. Würden die nun alle die dollen Elektrobrummerkarren fahren (die ohne Sicherheitsmerkmale, ohne Platz, ohne Komfort-durch und durch Grün!), dann bläsen sie weit mehr CO² in die Luft, um im Stau die Luft zu kühlen! Wir müssen Strom sparen, nicht Benzin! Es geht den "Mahnern" doch nur darum, dass es nicht angehen kann, wenn die dritte Welt nun Auto fährt. Sowas gehört sich nicht! Die sollen doof in die Kameras von UNICEF und Brot für die Welt glotzen, aber doch nicht im VW Fox ins Büro pendeln! Ja, da wird einem ja ganz anders, da fällt einem vor Schreck das Monokel in den Frühstücksschampus...
[QUOTE=Hercules Rockefeller;4712590] Der CO²-Ausstoß von Autos, selbst von dicken Brummern wie einem Q7 ist geradezu lächerlich mit dem von bspw. Strom. Ein Blick auf die Jahresabrechnung reicht, dort liest man: Für eine popelige Kilowattstunde Strom (halbe Stunde Staubsaugen oder 2 Stunden Killerspiel daddeln) werden 490g CO² in die Welt geblasen. Damit kann man je nach Auto 300km weit fahren, sogar mit dem Q7, wenn man nicht über 130 fährt (schneller muss man auch nicht, kommt eh keiner an einem vorbei, wenn man ein bischen schlängelt).
alexander ernst 15.12.2009
5. Rechenfehler
Zitat von Makogonov[QUOTE=Hercules Rockefeller;4712590] Der CO²-Ausstoß von Autos, selbst von dicken Brummern wie einem Q7 ist geradezu lächerlich mit dem von bspw. Strom. Ein Blick auf die Jahresabrechnung reicht, dort liest man: Für eine popelige Kilowattstunde Strom (halbe Stunde Staubsaugen oder 2 Stunden Killerspiel daddeln) werden 490g CO² in die Welt geblasen. Damit kann man je nach Auto 300km weit fahren, sogar mit dem Q7, wenn man nicht über 130 fährt (schneller muss man auch nicht, kommt eh keiner an einem vorbei, wenn man ein bischen schlängelt).
[QUOTE=Makogonov;4713182] Hier liegt ein Rechenfehler Faktor 100 vor. Der CO2-Ausstoß von Autos ist nicht lächerlich. Der CO2-Ausstoß eines Autos beträgt zwischen 99 Gramm/Kilometer (sehr sparsam) und 250-300 Gramm/Kilometer (große Limousinen). Mit besagter Kilowattstunde kommt man also nicht 300 Kilometer weit, sondern 1-4 Kilometer. Das setzt einen Strommix von ca 50 Prozent Kohleanteil voraus. Die Emissionen aus dem Straßenverkehr tragen erheblich zu den CO2-Emissionen bei.
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