Kampf gegen Fettsucht San Francisco bestätigt Verbot von "Happy Meals"

Es ist eher eine symbolische Geste - und doch sorgt sie für Streit: Der Stadtrat von San Francisco bleibt bei seinem umstrittenen Verbot von "Happy Meals" mit Kinderspielzeug als Beilage. Die Fast-Food-Riesen protestieren dagegen.

"Happy Meal" bei McDonald's (in San Francisco): "Eltern, nicht Politiker, sollen entscheiden"
AP

"Happy Meal" bei McDonald's (in San Francisco): "Eltern, nicht Politiker, sollen entscheiden"


San Francisco - Geht es nach dem Stadtrat, sollen Werbegeschenke in den Kindergerichten der Fast-Food-Ketten von Dezember 2011 an endgültig tabu sein. Der Stadtrat von San Francisco hat in einer zweiten Abstimmung seine Ablehnung von kalorienreichen "Happy Meals" mit Spielzeug-Beilage bekräftigt. Das berichtet der "San Francisco Chronicle". Die Stadt wäre damit die erste US-Metropole mit derartigen Auflagen.

Nur gesündere Menüs, die eine Reihe von strikten Ernährungsvorschriften erfüllen, können nach Inkrafttreten des Verbots noch zusammen mit Spielzeugen verkauft werden. Diese Gerichte müssten weniger Fett, Salz und Zucker enthalten und zudem Obst und Gemüse mitliefern.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der Stadtrat in erster Abstimmung mit großer Mehrheit für die Initiative ausgesprochen. Bürgermeister Gavin Newsom protestierte jedoch gegen die Entscheidung. "Eltern, nicht Politiker, sollen entscheiden dürfen, was ihre Kinder essen", sagte Newsom. Er drohte ein Veto an, über das sich der Stadtrat aber hinwegsetzte. McDonald's erklärte, das Unternehmen sei von der Entscheidung "extrem enttäuscht". Die Kunden würden sich so etwas nicht wünschen, sagte Firmensprecherin Danya Proud.

Übergewicht und Fettsucht
Die Fettsuchtepidemie
Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, gehört in den Industrienationen zu den führenden Auslösern von Todesfällen und Invalidität. Studien zufolge ist die Krankheit weltweit für jährlich rund 2,6 Millionen Todesfälle und mindestens 2,3 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich.
Folgeerkrankungen
Die Adipositas kann Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz- und Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und psychische Beschwerden hervorrufen. Die Weltgesundheitsorganisation und auch die US-Gesundheitsbehörden sprechen inzwischen von einer Fettsuchtepidemie, die ebenso bekämpft werden müsse wie tödliche Infektionskrankheiten.
Body-Mass-Index (BMI)
Ob jemand übergewichtig oder fettsüchtig ist, ermitteln Mediziner anhand des Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert entspricht dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Ein Beispiel: Ein 1,80 Meter großer Mann wiegt 75 Kilogramm. Sein BMI beträgt 75 : 1,80² = 23,15. Als Idealwert gilt bei Frauen ein BMI von 22, bei Männern ein BMI von 24.
BMI-Tabellen
Der "wünschenswerte" BMI hängt vom Alter ab. Die linke Tabelle zeigt die entsprechenden Werte für verschiedene Altersgruppen. Die rechte Tabelle zeigt die BMI-Klassifikation (nach DGE, Ernährungsbericht 1992):

Alter BMI
19-24 Jahre 19-24
25-34 Jahre 20-25
35-44 Jahre 21-26
45-54 Jahre 22-27
55-64 Jahre 23-28
>64 Jahre 24-29

Klassifikation männl. weibl.
Untergewicht unter 20 unter 19
Normalgewicht 20-25 19-24
Übergewicht 25-30 24-30
Adipositas 30-40 30-40
massive Adipositas über 40 über 40
"Dies ist ein riesengroßer Sieg für die Gesundheit unserer Kinder", zitierte der "San Francisco Chronicle" nach der ersten Abstimmung den Initiator des Verbots, Stadtrat Eric Mar. Die Kommunalpolitiker wollen mit dem Verbot die grassierende Fettsuchtwelle abschwächen. Erst in der vergangenen Woche hatten Wissenschaftler neue Berechnungen vorgelegt, nach denen der problematische Trend das Land noch über Jahrzehnte im Griff haben wird.

Wissenschaftler um Alison Hill von der Harvard-University in Cambridge (US-Staat Massachusetts) hatten 40 Jahre zurückreichende Daten von Teilnehmern der sogenannten Framingham Heart Study ausgewertet. Im Jahr 1971 galten 14 Prozent der Probanden als "fettsüchtig" - das heißt, sie hatten einen Body-Mass-Index (BMI) von 30 oder darüber. Mittlerweile fallen nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC schon 34 Prozent der Bevölkerung in diese Kategorie.

Die Forscher gehen davon aus, dass erst wenn mindestens 42 Prozent der US-Bürger extrem übergewichtig sind, der Höhepunkt der "Fettsucht-Epidemie" erreicht sein wird. Das könnte im Jahr 2050 der Fall sein.

chs/dpa

insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
heinz.mann 10.11.2010
1. Unsinnig...
Zitat von sysopEs ist eher eine symbolische Geste - und doch sorgt sie für Streit: Der Stadtrat von San Francisco bleibt bei seinem umstrittenen Verbot von Fast-Food-Gerichten mit Kinderspielzeug. Fast-Food-Riesen protestieren dagegen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,728261,00.html
McDonalds kann ja nichts für die Essgewohnheiten seiner Kunden. Und von einem Happymeal wird man ja auch nicht krank, solange man es nicht zur Haupternährungsquelle macht und zudem keinen Sport betreibt. Statt Verboten wäre z.B. eine Ernährungsaufklärung wichtiger. Aber Verbote kosten halt nichts.
cekay 10.11.2010
2. .
Klar hat der Bürgermeister Gavin Newsom recht, dass Eltern, nicht Politiker, entscheiden sollen, was ihre Kinder essen. Das Problem ist, dass er nicht sagt, dass die Politik die Pflicht hat vor dem extrem gesundheitschädlichen Frass zu warnen.
forist 10.11.2010
3. Gute Entscheidung
Zitat von heinz.mannMcDonalds kann ja nichts für die Essgewohnheiten seiner Kunden. Und von einem Happymeal wird man ja auch nicht krank, solange man es nicht zur Haupternährungsquelle macht und zudem keinen Sport betreibt. Statt Verboten wäre z.B. eine Ernährungsaufklärung wichtiger. Aber Verbote kosten halt nichts.
Ach, Ernährungsaufklärung gibt es doch genug: http://de.wikipedia.org/wiki/Super_Size_Me. Das ist doch aber den Menschen, die täglich zu McD rennen, egal. Wenn es sie überhaupt erreicht. Aufklärung und - sinnvolle - Verbote sollten Hand in Hand gehen. Wie weise ;-)
karmamarga 10.11.2010
4. Man kann Süchtigen viel komplett Einleuchtendes
Zitat von heinz.mannMcDonalds kann ja nichts für die Essgewohnheiten seiner Kunden. Und von einem Happymeal wird man ja auch nicht krank, solange man es nicht zur Haupternährungsquelle macht und zudem keinen Sport betreibt. Statt Verboten wäre z.B. eine Ernährungsaufklärung wichtiger. Aber Verbote kosten halt nichts.
erklären. Das ist ohne Nutzen. Wir haben zum Beispiel eine unglaubliche Zuwachsrate beim Diabetes Typ 2 bei Kindern in D. Das hängt ganz klar mit eben solchen Ernährungsgewohnheiten zusammen gepaart mit Bewegungsmangel. Natürlich ist das ganz dolle, wenn man als Arzt das medizinisch "beherrschen" kann, indem man den Zucker eintellt und weitere Folgeschäden sich al medizinische Leistung an die Brust heften kann. Die einzig richtige und wirksame Aufklärung für den Patienten aber wäre auch aufgrund der Folgekosten von Bewegungsmangel und falscher ernährung, die das Gesundheitssystem sprengen werden, wenn dieser Trend anhält, eine dräuende Sanktionierung solcher Verhaltensweisen durch den rechtlich mit Sanktionsmöglichkeiten ausgestatteten Arzt. Es geht nicht anders. Auch zum langfristigen Schutz des Solidarsystems. Wer sich oder seine Kinder ruinieren will sollte dies nur privat dürfen. Ich sage mal voraus: es muss so kommen. Vernunft ist eine späte Entwicklung der Evolution und noch lange nicht bei jedem Mitglied dieser Spezies angekommen. Ich höre nun von Frau trallale von der grossartigen Errungeschaft der Selbstverantwortung, Freiheit des Bürgers usw.. Alles das, was Aigner um die Ohren bekommen hat, als sie für ein Verbot der Süssigkeitsstände an den Kassen der Supermärkte plädierte.
Aztekin 10.11.2010
5. Ziemlich naiv
Zitat von heinz.mannMcDonalds kann ja nichts für die Essgewohnheiten seiner Kunden. Und von einem Happymeal wird man ja auch nicht krank, solange man es nicht zur Haupternährungsquelle macht und zudem keinen Sport betreibt. Statt Verboten wäre z.B. eine Ernährungsaufklärung wichtiger. Aber Verbote kosten halt nichts.
Wie bitte: McDonald kann nichts für die Essgewohnheiten seiner Kunden? Und weshalb werden dann ganz besonders Kinder umworben, z.B. ihren Geburtstag mit Ronald McDonald zu feiern, sind die Beigaben in den Happy Meal-Tüten speziell auf Kinderwünsche abgestimmt und wird immer wieder mit glücklichen Kindern geworben, die es geschafft haben, Mutti und Vati ins McDrive zu schleifen? Es geht hier nicht um die Werbeaktivitäten der Pommesbude an der Ecke, sondern um einen weltweit tätigen Food-Multi, der bereits die Essgewohnheiten ganzer Nationen beeinflußt hat: nachhaltig und negativ.
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