Kampf gegen Mikroplastik So soll Kleidung umweltfreundlich werden

Ein großer Teil des Mikroplastiks in der Umwelt stammt aus Kleidung. Beim Waschen fließt es mit dem Abwasser in Flüsse und ins Meer. Forscher wollen das Problem jetzt mit Alternativen lösen.

Wäschefasern aus einem Trockner
eurekalert.org/ Patrick Mansell

Wäschefasern aus einem Trockner

Aus Washington berichtet


Im Ozean schwimmt so viel Müll, dass manche ihn nur noch als Plastiksuppe bezeichnen. Neben den großen Müllteppichen sind im Ozean aber auch große Mengen Mikroplastik zu finden.

"Wir finden es im Arktiseis, in der Tiefsee, in Böden, Seen und Flüssen und in den Tieren, die darin leben", sagt Chelsea Rochman von der University of Toronto auf der Wissenschaftskonferenz AAAS in Washington. Forscher haben dort diskutiert, wie sich verhindern lässt, dass Mikroplastik aus der Kleidung - etwa Polyester - beim Waschen ins Abwasser gelangt.

Ungefähr 1,5 Millionen Tonnen Mikroplastik geraten laut Schätzungen der Weltnaturschutzunion (IUCN) jedes Jahr ins Meer. Zwei Drittel davon sind Fasern aus Kleidung (siehe Grafik unten). Kleine Plastikpartikel, die erst in der Umwelt auf unter fünf Millimeter schrumpfen, werden dabei nicht berücksichtigt.

"Wer einen Trockner hat, kennt die Mikrofasern aus der Wäsche", sagt Melik Demirel von der Pennsylvania State University. "Er holt sie regelmäßig aus dessen Filter." Forscherin Rochman sieht die Fasern besonders kritisch, weil sie zusätzlich zum Plastik oft auch Farbstoffe, Feuerschutz- und Imprägniermittel enthalten, die dann ebenfalls in die Umwelt gelangen.

Alternative: Biokunststoffe

Eine zufriedenstellende Lösung für das Problem gibt es bislang nicht. "Wir könnten zu Wolle, Baumwolle, Seide und Leinen als wichtigsten Materialien für Kleidung zurückkehren", sagt Demirel. Die Stoffe seien im Gegensatz zu den Kunstfasern biologisch abbaubar, dafür aber teurer. Um sie zu produzieren und zu verarbeiten, brauche es zudem viel Wasser und landwirtschaftliche Fläche. "Damit wäre nicht viel gewonnen."

Filter an einem Trockner
eurekalert.org/ Patrick Mansell

Filter an einem Trockner

Forscher arbeiten daher an biologisch abbaubaren Kunstfasern. Demirel hat beispielsweise in Tintenfischen ein Protein entdeckt, das Seide ähnelt. Es verleiht kleinen Zähnen an den Saugnäpfen der Tiere Stabilität und Elastizität zugleich.

Angelehnt an die Struktur dieser Proteine hat Demirel mithilfe von synthetischer DNA eine künstliche Biofaser entwickelt. Ihre Eigenschaften kann er anpassen, indem er die Proteinstruktur verändert. So wird das Material beispielsweise luftdurchlässiger - eine wichtige Eigenschaft von Sport- und Outdoorkleidung.

"Im Gegensatz zu Kunststoff braucht man für die Produktion keine fossilen Brennstoffe", sagt Demirel. Er sieht die Technik als beste Option, weil sie die Ursache des Plastikfaserproblems bekämpft. Noch ist sie allerdings nicht marktreif.

Plastikfasern gelangen auch in die Luft

Produziert werden müsste im großen Stil: 6,1 Kilogramm Kunststofftextilien verbraucht derzeit jeder Mensch durchschnittlich im Jahr - Nordamerika ist mit 17,8 Kilogramm Spitzenreiter. Zudem bräuchte es Zeit, bis alle Menschen ihre Kunstfaserkleidung gegen neue ausgetauscht hätten.

Offen bleibt auch, wie das Mikroplastik, das bis dahin in der Umwelt gelandet ist, wieder daraus entfernt werden könnte. "Es gibt Bakterien, die Plastik fressen", sagt Demirel. "Wie sich das in großem Maßstab nutzen ließe, wird derzeit erforscht. Das wird aber noch dauern."

Bis dahin plädieren die Forscher für einen pragmatischen Umgang mit dem Problem. Rochman testet gerade in hundert Haushalten in einem kleinen Ort in Kanada Filter an Waschmaschinen oder Hausanschlüssen. "Es war gar nicht so einfach, die Leute von den Filtern zu überzeugen", sagt sie. Will man die Technik breit anwenden, kostet das zudem viel Geld.

So oder so würde dieser Ansatz nur einen Teil des Problems lösen: Insgesamt 3,2 Millionen Tonnen Mikroplastik gelangen jedes Jahr in die Umwelt - knapp die Hälfe davon landet im Ozean, der Rest verteilt sich beispielsweise an Land. Forscher können die Fasern auch in der Luft nachweisen.



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
tobias1971 20.02.2019
1. Für den Privatverbraucher sollte es doch möglich sein, einen
Filter zu erwerben, der Mikroplastik aus dem Abwasser der Waschmaschine heraus filtert (warum übrigens nicht auch aus dem Abwasser der diversen Toiletten oder Waschbecken? Stichwort Zahncreme mit Putzpartikeln / Gesichtspeeling / Toilettenreiniger)? Ich wäre bereit, dafür zu bezahlen; auch dass ich das angesammelte Plastikgedöhns aus dem Filter in den Müll entsorgen müsste (z.B. einmal im Monat) würde mich nicht abschrecken. Kennt jemand solche Filter?
Kamillo 20.02.2019
2.
Die idee mit den Filtern an den Waschmachinen und Trocknern sollte schnellstens umgesetzt und vielleicht sogar gesetzlich vorgeschrieben werden, auch als Nachrüstlösung im Abwasserschlauch existierender Maschinen. Darüber hinaus sollten aber auch Textilien aus Kunstfasern verteuert werden, durch eine Plastiksteuer oder so, damit Naturfasern wieder kunkurrenzfähiger werden. Ich meide Kunstfasern wo es geht.
max-mustermann 20.02.2019
3.
Naturfasern wie zB. die im Artikel erwähnte Baumwolle sind die Lösung, habe nie versatanden warum sich Menschen freiwillig Plastikklamotten anziehen. Die sind unangenehm auf der Haut und man schwitzt wie ein Schw... darin.
Marvel Master 20.02.2019
4.
Man könnte ja wieder KLeidung ohne Mikroplastik produzieren. Als Laie würde ich jetzt sagen, wenn sie aus 100% Baumwolle kommt, düfte da kein Plastik drin sein. Ging ja vor 100 Jahren auch. Bei Sportkleidung ist das natürlich was anderes. Aber in der Regel trägt man ja nicht die ganze Zeit so etwas. Natürlich ist Kleidung aus 100% Baumwolle teurer. Aber wenn die Menschheit den Planeten retten will, muss sie halt Abstriche machen und kann dann halt pro Jahr nur noch 3 Pullover kaufen, anstatt jedes WE durch Kik, Primark etc. immer 20 neue Teile zu "schnappern".
nimby 20.02.2019
5. Verzicht
vor Konsum.Gerade mit einer App entdeckt,dass unsere Handseife Mikroplastik enthält.Aber irgendwie muss Herr Rossman ja auch Milliardär geworden sein (Stichwort Verantwortung für Produkte).Schöne bunte Drogeriewelt.Man kann scheinbar nur noch sehr überlegt konsumieren. Dasselbe gilt für Textilien.Die Anteile an Plaste werden immer höher.Selbst meine Lieblings-Labels erhöhen sukzessive die Kunstfaser-Anteile.Das bleibt jetzt einfach hängen!
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