Wassernotstand in Kapstadt "Wir verstehen, dass viele Panik überkommt"

Alarm in Kapstadt: Senken die vier Millionen Bewohner nicht ihren Wasserverbrauch, dreht die südafrikanische Stadt ihnen die Versorgung ab. An 200 Entnahmestellen soll dann die Armee Tumulte verhindern.

Theewaterskloof Damm, eigentlich Kapstadts wichtigstes Reservoir, ist fast ganz leer
AFP

Theewaterskloof Damm, eigentlich Kapstadts wichtigstes Reservoir, ist fast ganz leer

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Die südafrikanische Metropole Kapstadt stellt sich auf das Schlimmste ein: Seit Wochen drängt sie ihre Einwohner, sie mögen doch bitte Wasser sparen. Jeder Bürger soll höchstens 50 Liter am Tag verbrauchen, lautete die jüngste Ansage.

Damit soll vermieden werden, dass es in der ersten Aprilhälfte zum Ernstfall kommt: Am "Day Zero", so wird prognostiziert, wären die Reserven so weit verbraucht, dass die Stadt das Wasser zwangsrationieren muss. Aktuell gilt der 12. April als der Tag, an dem die Pegel in den Reservoirs so tief stehen, dass ein Notfallplan in Kraft tritt. Und der heißt: Wasser aus.

200 Wasserentnahmestellen soll es dann über Kapstadt verteilt geben, mit je einer Auto- und einer Fußgängerschlange. Dort werden dann pro Person 25 Liter am Tag ausgegeben, also zweieinhalb Putzeimer voll. Zuständig für den Wassernotstandsplan wird das Desaster Operation Centre (DOC), das am Montag seine Arbeit aufnimmt.

Wasserentnahmestelle in Kapstadt: Ab "Day Zero" heißt es jeder nur 25 Liter
AFP

Wasserentnahmestelle in Kapstadt: Ab "Day Zero" heißt es jeder nur 25 Liter

Vier Millionen Menschen leben in Kapstadt, und die sollen alle Schlange stehen, jeden Tag, für 25 Liter? "Wir verstehen, dass viele Leute bei dieser Vorstellung Panik überkommt", schreibt das DOC. Die Krise verlange aber einen "gesamtgesellschaftlichen Ansatz", in der "alle an einem Strang ziehen".

Doch auch wenn es hart auf hart kommt, ist die Stadt vorbereitet: Bewaffnete Kräfte werden die 200 Verteilstationen sichern. "Polizei und Militär haben uns bestätigt, dass sie die die Verteilpunkte schützen werden." Altenheime und ähnliche Einrichtungen werden mit Tankwagen beliefert, Krankenhäuser sind von der Wassersperre ausgenommen.

Drohen mit dem Militär, der "Day Zero"-Zähler auf der Webseite der Stadt - all das dient auch der Abschreckung, damit die Kapstädter den Ernst ihrer Lage begreifen. Am Ende der Erklärung zu den Zwangsmaßnahmen am "Day Zero" schließt die Stadt mit dem Hinweis, dass es so ja nicht kommen muss: "Es kann nicht oft genug betont werden: Wenn wir alle gemeinsam unseren Konsum auf 50 Liter am Tag senken, geht uns das Wasser nicht aus. Gemeinsam können wir Day Zero verhindern."

SPIEGEL TV Doku: Der Kampf ums Wasser

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polltroll 28.01.2018
1. Das wird nix!
Nett gemeint, auf Eigenverantwortung zu setzen, aber das wird nicht funktionieren. Es gibt einen nicht unerheblichen Teil von Menschen, die grundsätzlich der Meinung sind, dass sie mit solchen Aufrufen nicht gemeint sind oder, dass es ja auf Sie nicht ankommen würde. So ist der Mensch. Beispiele gibts unendlich viele für diese Art der Doppelmoral. Siehe Massentierhaltung, Umweltverschmutzung, Produktionsbedingungen in Schwellenländern etc. Kapstadt täte besser daran, den Verbrauch schon jetzt schrittweise zu rationieren. Man könnte ja die Stadtteile stundenweise auf- und abschalten. Spart gewiss ordentlich Wasser ...
lilienrose 28.01.2018
2.
Es muss wohl erst ganz hart kommen und die Menschen müssen am eigenen Leib spüren, dass sie hier gemeinsam gefragt sind. Nach meiner Erfahrung , allein durch Campingurlaub. kann man durchaus eine gewisse Zeit mit recht wenig Wasser auskommen und muss nichts missen. Wenn es jedoch zum Äußersten kommt, wird es schwer. Hier gilt: spare in der Zeit, so hast Du in der Not
Flari 28.01.2018
3. Ganz schlechte Idee!
Zitat von polltrollNett gemeint, auf Eigenverantwortung zu setzen, aber das wird nicht funktionieren. Es gibt einen nicht unerheblichen Teil von Menschen, die grundsätzlich der Meinung sind, dass sie mit solchen Aufrufen nicht gemeint sind oder, dass es ja auf Sie nicht ankommen würde. So ist der Mensch. Beispiele gibts unendlich viele für diese Art der Doppelmoral. Siehe Massentierhaltung, Umweltverschmutzung, Produktionsbedingungen in Schwellenländern etc. Kapstadt täte besser daran, den Verbrauch schon jetzt schrittweise zu rationieren. Man könnte ja die Stadtteile stundenweise auf- und abschalten. Spart gewiss ordentlich Wasser ...
Wenn das Wasser nur stundenweise zur Verfügung stehen, werden die aller meisten Menschen Wasser bunkern. Und zwar MEHR, als sie direkt aus der Leitung verbrauchen würden.
skr72 28.01.2018
4. Schuld sind immer die anderen
Zitat von polltrollNett gemeint, auf Eigenverantwortung zu setzen, aber das wird nicht funktionieren. Es gibt einen nicht unerheblichen Teil von Menschen, die grundsätzlich der Meinung sind, dass sie mit solchen Aufrufen nicht gemeint sind oder, dass es ja auf Sie nicht ankommen würde. So ist der Mensch. Beispiele gibts unendlich viele für diese Art der Doppelmoral. Siehe Massentierhaltung, Umweltverschmutzung, Produktionsbedingungen in Schwellenländern etc. Kapstadt täte besser daran, den Verbrauch schon jetzt schrittweise zu rationieren. Man könnte ja die Stadtteile stundenweise auf- und abschalten. Spart gewiss ordentlich Wasser ...
Eine ähnliche Situation war doch letzten Winter in Stuttgart: Da wurde auch der freiwillige Appell ausgeben bei der enorm hohen Feinstaub- und Stickoxidbelastung doch bitte den dicken Mercedes in der Garage zu lassen. Der Erfolg dieses freiwilligen Appells war gleich Null. Man fodert immer gerne andere zum Verzicht auf, aber selber daran halten, Pustekuchen. Genauso bei den Ursachen: CO2 sparen sollen doch die anderen und nicht wir. Auf keinen Fall sollte die Automobilindustrie ihre Vorgaben einhalten müssen und Braunkohle-Kraftwerke können wir doch nicht abschalten wg. der Arbeitsplätze. Ein Veggietag geht schon gar nicht. Wir lassen uns doch nicht vorschreiben was wir essen dürfen. Da ist es doch viel leichter, wenn wir alle nur auf Trump schimpfen und viel besser als Verbote zu erteilen. Verbote schaffen ja noch nicht mal die Grünen, weil sie dann eine Verbotspartei sind und die anderen Parteien doch viel bessere und wirksame Methoden kennen, wie z.B. die FDP oder die AfD. Oder irre ich da? Wir Deutschen sind die Guten: Da wir schon über 150 Jahre C02 in produzieren wie verrückt, unterstützen wir jetzt die armen Bürger Südafrikas und sparen jetzt noch mehr CO2 und fordern nicht nur von anderen dies zu tun (LOL). Zumindest denken wir das alle von uns! Wir Mülltrennungsweltmeister-Super-Wind-to-Gas-Bio-Deutsche. Schuld sind die anderen, wir müssen nix tun. Gar nichts, evtl. der Nachbar schon, oder der Chinese..
schorsch2017 28.01.2018
5. Die Folgen könnten sein..
wie in Brasilien, wo es vor zwei Jahren in weiten Teilen des Landes eine Wasserkrise gab: Leute horten (Regen-)Wasser und schließen die Behälter nicht gut. Diese bieten dann Moskitos eine ideale Brutstätte, was schließlich zur Dengue- Epidemie führte. Wir hatten über ein Jahr lang an zwei Tagen der Woche kein Wasser (Wasserwerke stellten das Wasser ab). Es ließ sich ganz gut damit leben. Nebeneffekt: noch heute steht ein Eimer in der Dusche, und das Wasser wird für die Toilette benutzt...
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