Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Karibischer Klimaschutz: Costa Rica will als erster Staat CO2-neutral sein

Klimaschutz-Enttäuschung in Heiligendamm - das kleine Costa Rica hingegen will den großen G-8-Staaten vormachen, wie es wirklich geht: Das mittelamerikanische Land soll schon 2021 klimaneutral sein. Mit Wasserkraft will der Karibik-Anrainer auch dem reichen Norwegen die Show stehlen.

San Jose - Die G-8-Staaten konnten sich nur darauf verständigen, eine Halbierung des CO2-Ausstoßes bis zur Jahrhundertmitte "ernsthaft in Erwägung zu ziehen": Nach Ansicht von Klimaexperten und Umweltschützern ein lauer, enttäuschender Kompromiss. Derweil eröffnen die kleinen Staaten das Wettrennen um die erste klimaneutrale Volkswirtschaft.

Zuckerrohrfeld (nahe San José, Costa Rica): Über die Hälfte der Landfläche sind nach Aufforstung mit Wald bedeckt
REUTERS

Zuckerrohrfeld (nahe San José, Costa Rica): Über die Hälfte der Landfläche sind nach Aufforstung mit Wald bedeckt

Nachdem Norwegen bereits im April ankündigte, bis zum Jahr 2050 ein Land mit ausgeglichener Treibhausgas-Bilanz zu werden, prescht jetzt das mittelamerikanische Costa Rica vor.

Selbstbewusst präsentierte Präsident Oscar Arias Sánchez seine ehrgeizigen Ziele: "Bis zum Jahr 2021, Costa Ricas 200. Geburtstag, werden wir ein CO2-neutrales Land sein." Das wäre 29 Jahre früher als Norwegen, das bis dahin gerade einmal 30 Prozent seines Treibhausgasausstoßes einsparen will - und zwar hauptsächlich durch den Kauf von Verschmutzungsrechten.

Costa Rica indes formuliert seine Schritte etwas konkreter: Laut Regierung soll die Null-Linie beim CO2-Ausstoß unter anderem durch die Stilllegung von Kohlekraftwerken erreicht werden. Zudem sollen Autos mit Hybrid-Antrieb gefördert und die Emission von Landwirtschaft und Industrie gesenkt werden. Auch die Anpflanzung von Bäumen ist vorgesehen. Angesichts der Tatsache, dass Costa Rica hauptsächlich von der Landwirtschaft lebt, scheinen diese Schritte allerdings sehr ehrgeizig.

Wasserkraft und Energiesparen: Wer wird Erster?

Schlechte Karten hat Costa Rica aber trotzdem nicht, denn das Land erzeugt bereits rund vier Fünftel seiner Energie aus Wasserkraft. Nach erfolgreichen Aufforstungsprogrammen sei nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press zudem gegenwärtig 51 Prozent der Landesfläche von Wald bedeckt. Aufforstung ist eine Möglichkeit, Kohlenstoff aus der Luft zu binden.

Norwegen gehört zu den wichtigsten Ölproduzenten der Welt und verbraucht besonders in den kalten nordischen Wintern viel Energie. Auch wenn die Skandinavier ebenfalls über große Wasserkraftreserven verfügen, scheint ein völliger Verzicht auf fossile Brennstoffe auch hier schwer vorstellbar - entsprechend wichtig ist der Erwerb von Verschmutzungsrechten für die norwegischen Pläne zur Klimaneutralität.

Bessere Karten könnte der nordwestliche Nachbar Island haben. Dort wird schon heute den überwiegenden Teil der Heizenergie durch Geothermie gewonnen. Die Wärme aus dem Untergrund soll außerdem künftig verstärkt bei der Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff eingesetzt werden - einem nichtfossilen Energieträger.

Umweltschutzorganisationen wie der World Wildlife Fund for Nature (WWF) kritisierten indes westliche Länder, die ihre ehrgeizigen CO2-Bilanzen durch den Handel mit Verschmutzungsrechten einlösen wollen. Es sei naiv, dass Länder wie Indien oder China dabei zusehen würden, wie Norwegen sich mit Verschmutzungsrechten seinen Weg aus den Problemen herauskauft. Damit sprechen diese Umweltschützer eine generelles Dilemma an: Würde sich jede Nation mit dem Kauf von Emissionsgutscheinen eine gute CO2-Bilanz verschaffen, würden nur Verschmutzungsrechte verschoben - nicht aber der Treibhausgas-Ausstoß verringert.

at/AP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: