Karies-Studie Weniger Löcher in deutschen Kinderzähnen

Gesundheitserziehung und Aufklärung scheinen zu wirken - oder einfach die Drohung mit höherer Zuzahlung: Zahnärzte stellten bei deutschen Kindern weniger Karies fest als bei einer acht Jahre zurückliegenden Untersuchung. Zahnfleisch-Erkrankungen hingegen nehmen zu.


Bei Pisa hapert es noch, aber wenigstens Zähneputzen können unsere Kinder. "Deutschland hat sich damit eine internationale Spitzenposition bei der Mundgesundheit von Kindern erobert", melden die Verbände der Zahnärzte. Anlass für die gute Nachricht ist eine Studie, die am heutigen Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach haben Zwölfjährige im Schnitt nur noch 0,7 durch Karies beschädigte oder fehlende Zähne, 1997 seien es noch 1,7 gewesen.

Kinderzähne: Weniger Karies als noch 1997
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Kinderzähne: Weniger Karies als noch 1997

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und die Bundeszahnärztekammer hatten zwischen Februar und September 2005 in 90 Städten und Gemeinden rund 4600 Personen aus vier Altersgruppen untersucht. Es handelt sich um die vierte Studie dieser Art. Allerdings wurden nur deutsche Staatsangehörige erfasst.

1989 wurde für die Versicherten bei gesetzlichen Krankenkassen ein Bonusheft eingeführt, das dazu dient, regelmäßige Zahnarztbesuche zu dokumentieren. Gleichzeitig droht bei Lücken in der Vorsorge ein höherer Selbstkostenbeitrag, wenn später Zahnersatz nötig wird.

Weniger Karies, mehr Parodontitis

Getrübt wird das gute Resultat bei den Kinderzähnen durch eine drastische soziale Verzerrung: 10 Prozent der Kinder, zumeist aus sozial schwachen Familien, haben 60 Prozent aller Kariesfälle, meldet die KZBV. "Neben der gesundheitspolitischen stellt sich hier auch eine sozial- und bildungspolitische Aufgabe", so der Verband der Kassenzahnärzte.

Arbeitslos werden dessen Mitglieder aller Voraussicht nach aber auch angesichts seltener werdender Karies-Befunde nicht, denn die Parodontitis nimmt zu. "Das ist, so paradox das klingt, auch eine direkte Konsequenz unserer Erfolge in der Kariesbekämpfung", erläuterte KZBV-Chef Jürgen Fedderwitz. "Da die Menschen heute ihre Zähne länger behalten, steigt ihr Parodontitisrisiko." Bei Erwachsenen hätten Zahnfleischentzündungen inzwischen Karies als Zahnerkrankung Nummer eins verdrängt. Vom 40. Lebensjahr an sei inzwischen Parodontitis häufiger als Karies.

Parodontalerkrankungen würden derzeit nur bei etwa jedem zehnten betroffenen Patienten behandelt, sagte der Zahnmediziner Thomas Hoffmann aus Dresden. Die bakteriell verursachte Parodontitis macht sich durch Zahnfleischbluten bemerkbar. Bei Nichtbehandlung lockern sich die Zähne, es droht Zahnverlust. Die Krankheit kann gefährliche Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben.

stx/dpa



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