Kinderernährung in den USA: Studie entlarvt steigenden Fast-Food-Konsum

Die Zahl der Übergewichtigen in den USA steigt und steigt, schon Kinder und Jugendliche sind betroffen. Eine Studie mit Daten aus 30 Jahren verdeutlicht einen der Gründe: Kinder essen häufiger auswärts - und greifen dann zu Fast Food. Dadurch ist die tägliche Kalorienaufnahme deutlich gestiegen.

Burger: Fast-Food-Konsum deutlich gestiegen Zur Großansicht
REUTERS

Burger: Fast-Food-Konsum deutlich gestiegen

Hamburg - US-amerikanische Kinder und Jugendliche essen heute deutlich mehr als vor rund 30 Jahren. Und sie nehmen deutlich mehr Nahrung zu sich, die nicht zu Hause zubereitet wurde.

Laut der im "Journal of the American Dietetic Association" veröffentlichen Studie konsumieren Schüler zudem durch Fast Food mehr Kalorien als bei den Mahlzeiten, welche die Schule ausgibt.

Die ältesten Daten stammen aus den Jahren 1977 und 1978, zwischen 1989 und 1991 sowie 1994 und 1996 wurden weitere Studienteilnehmer befragt. Die neuesten Antworten stammen aus dem Zeitraum von 2003 bis 2006, insgesamt flossen die Daten aus vier Untersuchungen mit rund 29.200 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren in die Auswertung ein.

Amerikanische Kinder haben demnach im Jahr 2006 im Durchschnitt 179 Kilokalorien am Tag mehr zu sich genommen als in den Jahren 1977/1978, berichtet das Team um Barry Popkin von der University of North Carolina in Chapel Hill.

Statt rund 1840 tägliche Kilokalorien in den siebziger Jahren seien es jetzt etwa 2020 am Tag. Und immer häufiger wurden die Lebensmittel nicht im Elternhaus zubereitet: 1977 nahmen Kinder und Jugendliche mit 77 Prozent noch mehr als drei Viertel der Kalorien durch zu Hause zubereitetes Essen auf. Knapp 30 Jahre ist dieser Anteil auf 66 Prozent gesunken. Bei den Jugendlichen fanden die Forscher mit 63 Prozent den geringsten Wert. Aber auch bei den Kleinkindern im Alter von zwei bis sechs Jahren kam nur ein Anteil von 71 Prozent der Kalorienmenge aus der heimischen Küche. 1977 waren es bei ihnen noch 85 Prozent.

In dem Jahrzehnt bis zum Jahr 2006 sank in den USA der Anteil der Schulspeisung an der Kalorienaufnahme über alle Altersgruppen hinweg von neun auf acht Prozent. Der Wert der Restaurants kommt dem mit mittlerweile fünf Prozent schon nahe. Und da sind Fast-Food-Ketten noch nicht eingerechnet. Der Fast-Food-Anteil stieg von 10 auf 13 Prozent. Mit insgesamt 18 Prozent holen sich Kinder und Jugendliche ihr Essen inzwischen also mehr als doppelt so oft aus Restaurant und Burger-Bude als aus der Schulspeisung.

Dass immer mehr Kinder übergewichtig sind, ist ein gravierendes Problem in den USA. Einige Forscher nehmen an, dass der Anteil Übergewichtiger und Fettleibiger in der erwachsenen Bevölkerung in den kommenden Jahren noch weiter steigen wird - bis mindestens 42 Prozent der US-Bürger extrem übergewichtig sind. Schon heute sind die USA die Industrienation mit dem größten Prozentsatz übergewichtiger Erwachsener.

wbr/dpa

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insgesamt 98 Beiträge
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1. Halbe Wahrheit
movfaltin 25.07.2011
Zitat von sysopDie Zahl der Übergewichtigen in den USA steigt und steigt, schon Kinder und Jugendliche sind betroffen. Eine Studie mit Daten aus 30 Jahren verdeutlicht einen der Gründe: Kinder essen häufiger auswärts - und greifen dann zu Fast Food. Dadurch ist die tägliche Kalorienaufnahme deutlich gestiegen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,776440,00.html
Das glaube ich sofort, es ist allerdings noch keine hinreichende Erklärung für die Adipositierung der westlichen Gesellschaften. Hinzu kommt nämlich die Verbrauchsseite. Und durch die Kommoditäten des Internet, des TV und PC, von Aufzügen und Malls, von Autoverrücktheit und Segways steht anzunehmen, dass der Kalorienverbrauch drastisch reduziert ist. Somit sollten gleich zwei Faktoren ausschlaggebend sein: erhöhte Energieaufnahme und geminderter (kinetischer) Energieumsatz. Erst wo diese beiden zusammenkommen, schwabbelt es so gewaltig wie bei den meisten "People of Wal-Mart" (Link) (http://www.peopleofwalmart.com).
2. 179 pro Tag
spoonium 25.07.2011
179 Kalorien (Kilo-Kalorien) hört sich ja erstmal nicht viel an. Umgerechnet sind das in etwa 2 Gläser Cola/Capri Sonne/Fruchtsaft pro Tag, 7 Stück Milka-Schokolade oder ein 3/4 Hamburger. Auf das Jahr gerechnet allerdings würden da 65335 kcal zusammenkommen. Wenn man das mit der Umrechnung von 7000 kcal = 1kg gleichsetzt, kommen dann so ungefähr 9 kg pro Jahr mehr auf die Hüften (natürlich nicht genau, die 7000 sind nur ein ungefährer Richtwert). Btw, wenn man seine Trinkgewohnheiten z.B. von Apfelschorle auf Wasser umstellt, macht das bei einem Tagesverbrauch von 1,5L (was nicht allzu viel ist) bereits so um die 360 kcal aus.
3. War gestern mal in einer MCDonald....
zauberer1 25.07.2011
.....Freßbude zur Toilette. Die anstehenden Schlangen an der Essensausgabe war regelrecht von "Dicken Menschen" belagert. Für viele ist es normal sich dort zu verpflegen, die Folgen jedoch werden nicht bedacht. Manche sind so fett, das man die Maßeinheiten hiesiger Bürgersteige ändern müsste.
4. ...
team_frusciante 25.07.2011
Wie kann man nur zur Mittagszeit Bilder von Burgern auf die Startseite stellen? Und dann soll der Bericht auch noch abschreckend sein.
5. Was mich im Alter von 17 Jahren aber wirklich suechtig auf Fast Food machte
IsaDellaBaviera 25.07.2011
waren die starken Wuerzsaucen in den verschiedenen Hamburgern! Als mir irgendwann auffiel, dass ich jeden Monat mehr und mehr Fast Food vertilgte und dadurch innerhalb von 6 Monaten ganze 16 Kilogramm zugenommen hatte, begann ich mir endlich Gedanken zu machen. Dass ich dicker wurde lag natuerlich lag es an der extrem hohen Kalorienzahl, die in diesen Nahrungsmittel stecken --- aber dass ich richtiggehen suechtig auf das Zeug wurde und mir fast nichts anderes mehr schmeckte, lag an den Wuerzsaucen in den Burgern. Ganz zum Schluss meiner Fast Food Zeit musste ich mir jedesmal sogar noch 1-2 Portionen dieser Saucen zusaetzlich kaufen, sonst haette ich das Essen nicht mehr in diesen Mengen gegessen. Ende der 80er Jahre gab es mal einen Artikel in einer amerikanischen Zeitung, der das Phaenomen als 'Hooked on Condiments", also 'Suechtig auf Wuerzsaucen' bezeichnete. Darin wurde behauptet, dass Wuerzsaucen wie Ketchup, Majonnaise, Tartarsauce und Steak- bzw. Burgersaucen vor Konservierungsmitteln und Geschmacksverstaerkern nur so strotzen und dass diese richtige Fressattacken ausloesen. Sollte man in Zukunft diese Zusatzstoffe in Wuerzsaucen von Fast Foodnicht besser verbieten?
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Übergewicht und Fettsucht
Die Fettsuchtepidemie
Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, gehört in den Industrienationen zu den führenden Auslösern von Todesfällen und Invalidität. Studien zufolge ist die Krankheit weltweit für jährlich rund 2,6 Millionen Todesfälle und mindestens 2,3 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich.
Folgeerkrankungen
Die Adipositas kann Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz- und Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und psychische Beschwerden hervorrufen. Die Weltgesundheitsorganisation und auch die US-Gesundheitsbehörden sprechen inzwischen von einer Fettsuchtepidemie, die ebenso bekämpft werden müsse wie tödliche Infektionskrankheiten.
Body-Mass-Index (BMI)
Ob jemand übergewichtig oder fettsüchtig ist, ermitteln Mediziner anhand des Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert entspricht dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Ein Beispiel: Ein 1,80 Meter großer Mann wiegt 75 Kilogramm. Sein BMI beträgt 75 : 1,80² = 23,15. Als Idealwert gilt bei Frauen ein BMI von 22, bei Männern ein BMI von 24.
BMI-Tabellen
Der "wünschenswerte" BMI hängt vom Alter ab. Die linke Tabelle zeigt die entsprechenden Werte für verschiedene Altersgruppen. Die rechte Tabelle zeigt die BMI-Klassifikation (nach DGE, Ernährungsbericht 1992):

Alter BMI
19-24 Jahre 19-24
25-34 Jahre 20-25
35-44 Jahre 21-26
45-54 Jahre 22-27
55-64 Jahre 23-28
>64 Jahre 24-29

Klassifikation männl. weibl.
Untergewicht unter 20 unter 19
Normalgewicht 20-25 19-24
Übergewicht 25-30 24-30
Adipositas 30-40 30-40
massive Adipositas über 40 über 40