Kindermumie Experten diagnostizieren Herzfehler - nach 6500 Jahren

Der Leichnam in einem Museum in Detmold gilt als eine der ältesten Mumien weltweit - er ist fast doppelt so alt wie Tutanchamun. Experten glauben jetzt zu wissen, warum das Baby vor 6500 Jahren starb.

Kindermumie von Detmold: Schwerwiegender und komplexer Herzdefekt
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Kindermumie von Detmold: Schwerwiegender und komplexer Herzdefekt


Das Rätsel um eine uralte Baby-Mumie ist gelöst. Der aus Südamerika stammende Säugling, der im Lippischen Landesmuseum in Detmold ausgestellt ist, starb vor rund 6500 Jahren an einem schweren Herzfehler. Das haben jetzt Wissenschaftler des Herz- und Diabeteszentrums NRW in Bad Oeynhausen festgestellt. Todesursache sei ein sogenanntes Hypoplastisches Linksherzsyndrom (HLHS) gewesen, teilte das nordrhein-westfälische Museum mit. Das kauernde Kind mit geschlossenen Augen ist eine der ältesten Mumien der Welt.

Bei HLHS ist die linke Herzkammer zu klein, die rechte dagegen vergrößert. Dies sei ein sehr seltener, besonders schwerwiegender und komplexer Herzdefekt, der heute in nur wenigen Spezialzentren behandelt werden könne, hieß es. Mit der Untersuchung der Mumie sei bewiesen, dass es diese angeborene Herzerkrankung bereits vor Tausenden Jahren gegeben habe.

Fehlgebildetes Herz aus dem 3D-Drucker

Erst vor wenigen Jahren hatten Forscher die herausragende Bedeutung der Mumie aus den Anden entdeckt. Sie konnten belegen, dass sie fast doppelt so alt ist wie die Mumie des Pharaos Tutanchamun. Drei Jahre lang war das Kind in der Ausstellung "Mummies of the World" in verschiedenen Städten der USA gezeigt worden und begeisterte Besucher. Nun ist es wieder in Detmold.

Das etwa zehn Monate alte Baby war 1987 als private Schenkung in das Völkerkundliche Museum Witzenhausen bei Kassel gekommen. Aus einem Bündel alter Stofffetzen schauten nur die Füßchen hervor. Als Schimmel die Mumie befiel, brachte man sie nach Detmold, wo sie konserviert und vor dem Zerfall gerettet wurde.

Die Mumie war jetzt mit einem hochauflösenden Computertomografen untersucht worden. Die Forscher werteten die Bilder aus und erstellten ein dreidimensionales Modell des fehlgebildeten Herzens per 3D-Drucker. Unbehandelt führe die Fehlbildung im frühen Säuglingsalter zum Tod, sagte der Kinderkardiologe Nikolaus Haas. Für die Therapie sind heute drei Operationen notwendig. Die Überlebensrate betrage über 70 Prozent.

chs/dpa



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
derkrusch 04.07.2014
1. Herzfehler hin oder her aber wie...
Kommt man auf 6500 Jahre? Wo doch die bekannten Völker in Südamerika max. 1500 Jahre alt sind? Hab ich was verpasst?
thewizardofohz 05.07.2014
2. Die Frage
ist hoffentlich nicht ernst gemeint!
mcvitus 05.07.2014
3. Ich diagnostiziere Respektlosigkeit
und Leichenfledderei! Jeder entdeckte Kadaver wird verhackstückt, untersucht und die meist sinn- und wertlosen Ergebnisse als wissenschaftliche Sensation untere Volk gebracht. Das ist dem kranken Zeitgeist und der mediengeilheit drittklassigen "Wissenschaftler" geschuldet. Die Medien tragen im Rahmen ihrer "Informationspflicht" ihren Teil dazu bei.
freddykruger, 05.07.2014
4. @derkrusch
du hast was verpasst. Die älteste Kultur Südamerikas ist die Clovis Kultur. Vor ca. 13000 Jahren. Also ein kleines bischen mehr als 1500 Jahre.
Koda 07.07.2014
5. Öhm, Amerika wurde nachweislich vor 15000 Jahren besiedelt
Zitat von derkruschKommt man auf 6500 Jahre? Wo doch die bekannten Völker in Südamerika max. 1500 Jahre alt sind? Hab ich was verpasst?
Über die Routen ist man noch uneins. Selbst wenn man die Völker vor 1500 Jahren nicht kennt, heisst edas nicht, das dort keine MEnschen lebten. Man kennt auch nicht die europäischen Völker vor 6500 Jahren. Man hat aber ausreichend Funde über sie, um zu beweisen, dass es sie gab und sie eine Kultur hatten. Und Amerika wurde vermutlich vor 15000 JAhren über die Bering-Straße besiedelt. Weiter Man hat sogar Schädelfunde (mit entsprechenden Gensequenzen), die auch auf eine Besiedlungswelle auch über Südamerika hinweisen könnten: während der Eiszeit lag der Meeresspiegel tiefer, und die Distanzen von Südseeinsel zu Südseeinsel waren geringer; ob bei den damaligen Fähigkeiten beim Bootsbau dies ausreichte ist fraglich.
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