Kindersterblichkeit Jeden Tag 29.000 tote Kinder

Gesundheitsexperten wollen die Kindersterblichkeit bekämpfen. Sie fordern eine neue globale Strategie, um den vermeidbaren Tod vieler Jungen und Mädchen künftig zu verhindern. Weltweit sterben die meisten Kinder an Lungenentzündung.


Besonders auf die Gefahr von Atemwegserkrankungen wollen Gesundheitsexperten heute in New York aufmerksam machen. Sie treffen sich am Sitz des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, um über das globale Problem der Kindersterblichkeit zu beraten. Rund zwei Millionen Jungen und Mädchen, so die Fachleute, sterben jährlich alleine an Lungenentzündung. Damit fordert die schwere Atemwegserkrankung mehr Opfer als Aids, Masern und Malaria zusammengenommen.

Entkräftetes Kleinkind in Kenia: Mehr Einsatz von der Weltgemeinschaft nötig
DPA

Entkräftetes Kleinkind in Kenia: Mehr Einsatz von der Weltgemeinschaft nötig

Richard Horton vom britischen Medizin-Fachmagazin "Lancet", das die Tagung zusammen mit Unicef und dem Staat Norwegen organisiert hat, sagte, in den Zahlen liege sowohl ein erschreckendes Versagen als auch eine unglaubliche Chance für künftigen Erfolg. Derzeit bekomme nicht einmal jedes fünfte Kind mit Lungenentzündung die nötigen Antibiotika.

Gesundheitsexperten testen momentan neue Mittel gegen Atemwegsinfektionen. So könnte es dank einer Schutzimpfung künftig deutlich weniger Fälle von Lungenentzündung geben. Effektive Mittel, um schwerstkranken Kindern zu helfen, seien aber eigentlich bereits heute vorhanden: Damit gebe es keine wissenschaftliche Rechtfertigung für das passive Verhalten der Weltgemeinschaft, so Horton. Wichtiger als neue Methoden seien Geld und politischer Einsatz, um mit der bereits existierenden Medizin zu helfen.

Ein stärkeres Engagement der Weltgemeinschaft, besseren Zugang zu medizinischer Versorgung und neue Schwerpunkte in den Gesundheitsprogrammen mahnen die Experten an. Zur Zeit sterben laut Unicef insgesamt 10,5 Millionen Kinder pro Jahr noch vor ihrem fünften Geburtstag: Das sind jeden Tag 29.000. Bis 2015 will die Weltgemeinschaft die Kindersterblichkeit um zwei Drittel senken.

Kaum Erfolge im Kampf gegen Sterblichkeit

Laut der Zeitschrift "Lancet" haben die 60 am stärksten betroffenen Länder bisher nur wenige Erfolge vorzuweisen. Lediglich sieben Staaten - Bangladesch, Brasilien, Ägypten, Indonesien, Mexiko, Nepal und die Philippinen - seien auf gutem Kurs, dieses selbstgesteckte Ziel der Uno zu erreichen. In anderen Ländern dagegen sei die Kindersterblichkeit sogar noch gestiegen.

Neue Hoffnung zumindest im Kampf gegen die Malaria könnte aus einem Forschungsprojekt des Imperial College in London und von Gesundheitsexperten in Kenia kommen. Etwa eine Million Kinder sterben ihren Angaben zufolge in Afrika jährlich an der Tropenkrankheit. Eines der Hauptprobleme bei einem schweren Verlauf der Malaria sei die Austrocknung der Patienten.

Bei einem Versuch führten die Ärzte nun einer Reihe malariakranker Kinder zusätzliche Flüssigkeit zu, die mit der Substanz Albumin versetzt war. Ohne diese Substanz kann die Flüssigkeit nach Ansicht der Experten zu Gehirnschwellungen führen - eine Gefahr, die sich nun vermeiden lasse. Fast alle Kinder konnten bei dem Versuch gerettet werden. Noch steckt das Verfahren in der Testphase und ist nicht praxistauglich. Die an der Studie beteiligten Mediziner schätzen aber, dass es irgendwann 80 Prozent der Kinder, die jährlich an Malaria sterben, retten könnte.

akh/ap



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