CO2-Reduzierung unter Soll Deutschland im Klima-Ranking nur auf Platz acht

Von wegen Vorreiter: In einem aktuellen Ranking von Klimaschützern kommt Deutschland unter den EU-Staaten nur noch auf Platz 8 - weil Klimaziele verfehlt und ehrgeizigere Vorhaben verhindert wurden.

Deutsches Braunkohlekraftwerk (Archivfoto)
DPA

Deutsches Braunkohlekraftwerk (Archivfoto)


Beim Klimaschutz ist Deutschland in einem Ranking von Umweltschützern längst nicht mehr Vorreiter. Vor dem Petersberger Klimadialog, der an diesem Montag beginnt, platzierte das Climate Action Network (CAN) die Bundesrepublik nur auf Platz 8 der 28 EU-Länder. Grund ist unter anderem, dass das deutsche Klimaziel für 2020 absehbar verfehlt wird. Zudem wirft der Verband Deutschland vor, ehrgeizigere Ziele auf EU-Ebene zu bremsen. Die ambitioniertesten Klimaschützer in Europa kommen der Rangliste zufolge aus Schweden - vor Portugal und Frankreich.

Umweltschützer argumentieren, Europa müsse sich beim Klimaschutz viel mehr anstrengen, damit die Ziele des Pariser Weltklimapakts von 2015 realistisch bleiben. Vor diesem Hintergrund prüfte CAN fünf Kriterien und vergab Punkte: die Gesamtleistung bei Klima- und Energiepolitik; die Umsetzung der eigenen Ziele für 2020; die Frage, ob sich ein Land zusätzlich zum EU-Ziel nationale Ziele vorgenommen hat; die Unterstützung für ambitioniertere Ziele in den Verhandlungen für die Zeit bis 2030; und die Unterstützung für höhere Ziele danach.

Deutschland kommt auf 45 Prozent der möglichen Punkte - im Vergleich etwa zu 77 Prozent für Schweden oder 66 Prozent für Portugal. Ganz unten in der Rangliste stehen Estland (24 Prozent), Irland (21 Prozent) und Polen (16 Prozent). "Die Länder müssen dringend ihr Ranking verbessern, indem sie sich für ambitioniertere Klima- und Energiepolitik und -Ziele zu Wort melden und handeln, zu Hause und auf EU-Ebene", forderte CAN-Europe-Direktor Wendel Trio.

"Vorreiter waren wir mal"

Erst am vergangenen Mittwoch hatte die Bundesregierung in ihrem Klimaschutzbericht 2017 eingeräumt, dass Deutschland voraussichtlich sein Ziel verfehlen wird, bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent zu senken. Derzeit scheinen nur 32 Prozent Ersparnis möglich.

Svenja Schulze
DPA

Svenja Schulze

Es könne "sogar noch schlimmer kommen", sagte Umweltministerin Svenja Schulze jetzt der "Süddeutschen Zeitung". Mittlerweile hätten viele andere Länder beim Klimaschutz aufgeholt. "Vorreiter waren wir mal, über viele Jahre", sagte Schulze. "Aber wir sind zu lange stehengeblieben." Vor allem sei überschätzt worden, was die bisherigen Maßnahmen bewirkten. "Sie reichen schlicht nicht", sagte die SPD-Politikerin.

Als Gründe für die Verschlechterung der Klimabilanz gilt die "unerwartet dynamische Konjunkturentwicklung sowie das unerwartet deutliche Bevölkerungswachstum". Allerdings räumt die Bundesregierung ein, dass ihr "Aktionsprogramm Klimaschutz 2020" nicht die erwartete Wirkung erzielt habe.

Der Petersberger Klimadialog ist ein jährlich stattfindendes internationales Gesprächsforum, das an diesem Montag und Dienstag in Berlin tagt.

oka/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 88 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lies.das 18.06.2018
1. Wenn alles "nicht reicht"...
Das globale Klima wandelt sich weiter - trotz aller globalen menschlichen Beeinflussungsversuche. Es lässt sich offenbar nicht entscheidend beeinflussen. Wir können den Wandel ja nicht mal merklich verlangsamen, wenn ich die vorliegenden Daten richtig bewerte. Also bleibt uns nur die Anpassung.
sarido 18.06.2018
2. Die Randbedingungen haben sich halt verändert!
Bei dem Versprechen des Einhaltens der Klimaziele konnte noch großzügig auf der Bereitstellung von Strom über Kernenergie ausgegangen werden. Zusätzlich gab es noch nicht Energietreiber wie Tablet und Smartphone und der demographische Wandel sah keinen Bevölkerungswachstum voraus. Wenn also an zwei von drei maßgeblichen Randbedingungen herumgedoktert wird (Ein Doktor in Physik scheint ja eher kontraproduktiv zu sein), wird das nichts. Zusätzlich ist ja seit kurzem wirklich ersichtlich, dass China nicht mehr nur Werkbank sein möchte und nur die gesundheits- und umweltgefährdenden Tätigkeiten ausführen will. Die Industrie verschleudert nicht mehr ihr Kapital das Wissen weltweit. Werkleistungen werden zurück nach Europa geholt. Deutschland ist bei alledem ein großer Treiber.
Mehrleser 18.06.2018
3.
Soso, Atomstromland Frankreich auf Platz 3. Mehr muss man zu diesem Ranking nicht sagen.
erikeckhardt69 18.06.2018
4. KAnn man auch an andere Sachen feststellen
Zum Beispiel werden ja immer mehr SUV gebaut und gekauft.
Benjowi 18.06.2018
5. Unsinnige Energiepolitik
Wäre ja auch das erste, was unter dieser Regierung funktioniert. Der Grund für dieses Desaster, das ja mit den höchsten Strompreisen der EU daher kommt, ist ganz klar der politisch bedingte und sachlich vollkommen ungerechtfertigte überhastete Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie. Ihre Nutzung als Brückentechnologie bis eine genügende und vor allem dauerhaft verfügbare Stromversorgung aus Erneuerbaren möglich wäre, wäre der Königsweg gewesen. Die so erhöhten Gefahren aus dem Klimawandel haben möglicherweise einen ganz anderen Stellenwert, als das Restrisiko des vorübergehenden Weiterbetriebs der Kernkraftwerke.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.