Klima-Konferenz in Cancún: Gipfel des Gigantismus

Von Christian Schwägerl

Klimagipfel sind irre: Tausende Delegierte werden wochenlang in seelenlose Messehallen gesperrt, sollen unter höchstem Druck komplizierte Materie verhandeln. Kein Wunder, dass sie so schwer vorankommen. Dabei gäbe es Alternativen zum Gigantismus.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon: Appell an die Unterhändler, dass Ergebnisse nötig sind Zur Großansicht
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Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon: Appell an die Unterhändler, dass Ergebnisse nötig sind

Wer einmal den mexikanischen Maschendrahtzaun bezwungen und Polizisten und Soldaten mit Maschinenpistolen passiert hat, ist mitten drin im Weltklimagipfel von Cancún und nimmt an einem gigantischen zivilisatorischen Experiment teil.

Bei Umweltgipfeln der Vereinten Nationen werden Tausende Menschen für zwei Wochen in raumschiffartige Kongresszentren gesperrt, mit schlabbrigen Sandwiches gefüttert, in lichtlose, überfüllte Säle gequetscht. Sie werden mit endlosen, inhaltsfreien Dankesreden ermüdet, mit einer Unzahl von Arbeitsgruppen und Abkürzungen verwirrt, und unter stetig wachsenden Zeitdruck gesetzt.

Kann es wirklich mit dieser Versuchsanordnung gelingen, dass 194 Staaten sich auf Grenzen dafür einigen, wie viel Öl, Kohle und Gas sie verbrennen, wie viel Billigfleisch sie erzeugen und wie viel Wald sie für schnelles Geld abholzen? Lässt sich in dieser verworrenen Kunstwelt eine Lösung dafür finden, um wie viel Grad sich die Erde für die nächsten Jahrhunderte aufwärmen darf?

Es ist ein riesiger Fortschritt, dass es seit 1994 überhaupt solche Konferenzen gibt. Klimagipfel demonstrieren, dass Menschen eben doch in der Lage sind, über den Tag hinaus zu denken - schließlich geht es nicht um eine akute Notreaktion, sondern um kluge Vorbeugung. Dass hier Amerikaner mit Afrikanern, Deutsche mit Indern und Chinesen mit Brasilianern verhandeln, ist ein Zeichen dafür, dass sie über vielerlei Unterschiede hinweg kollektiv zusammenarbeiten können. Allein das ist eine so großartige wie zerbrechliche Errungenschaft.

Die Unterhändler sehen von Tag zu Tag grauer aus

Doch im "Moon Palace" von Cancún, wo die politischen Verhandlungen stattfinden, fällt es leicht, all das zu vergessen. Allein der Veranstaltungsort kann einem als Travestie erscheinen. Der "Moon Palace" ist ein Luxushotel, das sich mit Pools, Bars und sterilem Rasen dort erstreckt, wo vorher artenreiche Mangrovenwälder waren. Ausgerechnet an einem Ort, der für westliche Verschwendungssucht steht, wird über Überlebensfragen für Millionen Menschen verhandelt. Kein Wunder, dass in dieser künstlichen Fünf-Sterne-Umgebung nicht so sehr direkt über brennende Regenwälder, stinkende Kraftwerke und hungernde Mensche gesprochen wird. Man verkleidet die Probleme mit hübschen Akronymen wie LULUCF, AWG-LCA und REDD.

Der Verhandlungsprozess ist so kompliziert geworden, dass selbst Todd Stern, der Chef-Unterhändler der USA, Anfang der Woche zugeben musste, er habe gerade keinen Überblick, wo genau man eigentlich stehe.

Die Klimaverhandlungen haben sich auf groteske Weise verästelt und verkompliziert, woran vor allem jene ein Interesse haben, die keine Fortschritte sehen möchten. Arme Länder mit kleinen Delegationen sind schon deshalb im Nachteil, weil sie gar nicht in den vielen Dutzend parallelen Foren gleichzeitig präsent sein können.

Zudem ist der Verhandlungsprozess auf das genaue Gegenteil jener Nachhaltigkeit angelegt, die hier jeden Tag Hunderte Male beschworen wird. Die Unterhändler, die die eigentliche Arbeit machen, sehen von Tag zu Tag grauer aus. Am Ende sind alle so erschöpft, übermüdet, ausgebrannt, dass Entscheidungen auch von der reinen Physis abhängen. Als wäre der Klimagipfel eine Olympiade in der Disziplin Burn-out.

Mit jedem Misserfolg steigt der Zynismus

Auch an der Sprache sind die Fehlentwicklungen abzulesen. Die meisten Texte sind so formuliert, als stammten sie von einer Sekte übereifriger Juristen. Selbst Experten mühen sich an ihnen ab, als müssten sie die Hinterlassenschaften einer fremden, längst vergangenen Zivilisation entziffern. Auch das hilft denen, die am liebsten jeden Fortschritt blockieren wollen.

Abgehoben, verschleißend, überkompliziert - das alles wäre in Ordnung, wenn die Klimagipfel in ihrem 16. Jahr echten Lösungen näherkommen würden - Obergrenzen für CO2-Emissionen, neuen Wirtschaftsmodellen, um Regenwälder und Korallenriffe zu bewahren, Technologietransfer von reichen in arme Länder. Cancún wird womöglich der letzte Gipfel sein, der beweisen kann, dass dies möglich ist. Denn mit jeder erfolglosen Konferenz steigt die Ungeduld, die Frustration, der Zynismus. Und mit jedem Scheinkompromiss wird der Uno-Klimaschutz angreifbarer. Achim Steiner, Chef des Uno-Umweltprogramms, sagte am Donnerstag bereits, es gebe in Cancún zwei Gipfel, den der Unterhändler und den zweiten Gipfel, auf dem es in vielen Foren und Vorträgen abseits der eigentlichen Verhandlungen um konkretes Handeln vor Ort gehe, also um das, was Umweltorganisationen, Firmen und einzelne Regierungen machen. Das klang ziemlich übel für den Gipfel Nummer eins. Steiner fügte hinzu: "Ich hoffe auch, dass es bald einmal einen Gipfel ohne Abkürzungen gibt."

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) sieht bereits "die Vereinten Nationen als Format für diese Verhandlungen in Frage gestellt", wenn es in Cancún zu keiner umfassenden Einigung kommt. Er ist ein großer Fan der Vereinten Nationen und ihres Gipfelprozesses, aber Röttgen erkennt, dass die Grenzen dessen, was auf die bisherige Weise möglich ist, vielleicht längst erreicht sind.

Wie aber könnten Alternativen aussehen?

Mancher will nun statt der 194 Staaten, unter denen immer Querulanten sind, einfach nur die wichtigsten CO2-Verursacher zusammenrufen, etwa im Format der G20. Das würde aber den Rest der Welt gegen diesen elitären Club aufbringen, denn der Klimawandel wird am stärksten die ärmsten Länder treffen.

Möglich wäre es auch, die politische Schiene ganz zu verlassen und stattdessen die Branchen an den Tisch zu bitten, die real die unerwünschten Emissionen verursachen - Landwirtschaft, Autoindustrie, Stahlwerke etwa. Doch dann würde es an völkerrechtlicher Verbindlichkeit fehlen. Noch radikaler sind Vorschläge, man möge wenige hundert Unterhändler in einer Art Klimapolitik-Gulag einsperren, mit schlechtem Essen und wenig Schlaf, etwa auf einer stillgelegten Ölbohrinsel, und erst dann wieder herauslassen, wenn sie eine dauerhafte Lösung gefunden haben. Doch man darf zweifeln, dass unter solchen Umständen ein konstruktives Arbeitsklima entsteht.

Wie also sähe der etwas bessere Gipfel aus? Zuerst sollten die Uno-Offiziellen und Umweltminister die Grenzen des Wachstums gerade auch bei ihren Umweltgipfeln akzeptieren. Diese Veranstaltungen werden nicht dadurch besser und wichtiger, dass immer mehr Menschen zusammenströmen und immer neue Verhandlungsstränge eröffnet werden. "Small is beautiful" könnte gerade für Klimagipfel gelten. Einfachheit, Übersichtlichkeit, Klarheit als Grundprinzipien, auf die streng geachtet wird. In Kopenhagen pries man sich für 40.000 Teilnehmer und Hunderte Verhandlungsstränge - und musste dann Konkurs anmelden.

Treffen im erdölverseuchten Niger-Delta

Künftige Klimagipfel sollten nicht mehr wie Raumschiffe landen, nicht mehr in sterilen Kunstwelten, ob Luxushotels oder Messhallen, stattfinden.

Sie könnten sich auch einmal an den Schauplätzen des Geschehens bewegen: Auf einer vom Untergang bedrohten Pazifikinsel, in einem Slum in Indien, bei den Indianern im Regenwald oder mitten im erdölverseuchten Niger-Delta - das würde die Delegierten auf den Boden der Tatsachen bringen und das, was sie tun, dem normalen Erdenbürger viel näher bringen. So würde der Verdacht verschwinden, hier zwinge eine kleine, elitäre Gruppe der Welt etwas auf.

Es sollte bei so einem neuen Format dann auch Zeit sein, dass die Unterhändler mit der Bevölkerung der Region zusammenkommen. Am besten beim Essen. Statt der üblichen industriellen Plastiksandwiches sollte es regionales Essen geben, frisch zubereitet aus den Reichtümern der örtlichen Natur. Sinnlichkeit, Anschaulichkeit, Verständlichkeit und Vertrauen wären weitere Ziele eines solchen neuen Formats.

Heilfroh, wieder abzureisen

Heute werden Bürokraten aus ihren Ministerien abkommandiert und einfach nur zusammen eingesperrt. Künftig könnten die Unterhändler, bevor sie zur Sache kommen, zusammen in Gletscherlandschaften, Regenwäldern oder eben an den Schauplätzen von Umweltkatastrophen gemeinsame Touren unternehmen. Das würde zusammenschweißen und helfen, genau jenes Vertrauen aufzubauen, das in Kopenhagen so bitter gefehlt hat.

Persönliches Vertrauen ist das wichtigste und zugleich knappste Gut auf Klimakonferenzen - die anonymen und monströsen Verhandlungsformate haben es bisher nicht geschafft, es zu erzeugen. Das liegt natürlich hauptsächlich an den realen Problemen in der realen Welt. Doch man könnte immerhin dafür sorgen, dass die Menschen, die über das Weltklima und den Wohlstand der nächsten Jahrzehnte entscheiden, sich gegenseitig kennen.

Damit die Texte verständlicher werden, könnte man Menschen aus der Bevölkerung hinzubitten, am besten Kinder und Jugendliche, über deren Zukunft ja entschieden wird. Die Unterhändler könnten ihnen vortragen und erklären, um was es geht. Erst wenn diese Zuhörer es verstanden haben, werden Texte zur Abstimmung gestellt. Und dann könnte man einen Tag einbauen, an dem die Unterhändler ihre Positionen tauschen müssen: Chinesen verhandeln für Amerika, Inder für Deutschland, Deutsche für Äthiopier. Das würde es jedem beibringen, die Welt aus der Sicht des anderen zu sehen.

Vielleicht würde ein Gipfel, der so organisiert ist, besser arbeiten. Die ausgebufften Gipfelprofis werden über solche Vorschläge laut lachen, sie als traumtänzerisch abtun. Doch wenn sie am kommenden Freitag oder Samstag wieder herauskommen aus dem mexikanischen Maschendrahtzaun und die Kunstwelt des "Moon Palace" hinter sich lassen, werden sie ein übles Gefühl haben, ob die Beschlüsse angesichts der Klimagefahren reichen und nur einen Teil davon überhaupt gelesen und verstanden haben. Sie werden heilfroh sein, wieder abzureisen. Das ist kein gutes Zeichen für das größte und wichtigste Familientreffen, das die Menschheit zu bieten hat.

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Forum - Klimagipfel - was bringt das Treffen in Cancún?
insgesamt 1663 Beiträge
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1. Er bringt mindestens...
ratxi 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
...den Teilnehmern das Gefühl, unbeschreiblich wichtig zu sein. Und egal, was hinterher passiert, hätte man nur auf ihn (wen auch immer) gehört, wäre alles gut geworden...
2. Heiße Luft.
Wolf_68 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
Nichts. Ebenfalls nichts.
3.
oink_oink_weee 09.12.2010
"Rien ne va plus" solange werden es die Industrie-Staaten bzw die Macher, Tycoons, Cashsäue... treiben bis sich alles von selbst erledigt, Klimagipfel ist da überflüssig.
4. Klimalüge
Calex 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
Und wenn die Klimalüge auch noch 10 Mio mal im Spiegel abgedruckt wird. Die Menschen glauben euch nicht mehr!!! Mit dem CO2 Wahn wird nur von der ECHTEN Umweltverschmutzung durch Großkonzerne (Anholzung des Tropenwaldes, Verunreinigung von ganzen Landstricken durch RAubbau an der NAtur etc.) abgelenkt und die Schuld dem Verbraucher in die Schuhe geschoben! Frei nach dem Motto: "Wer konsumiert trägt die Schuld". Nicht etwa die Konzerne, die nur Ihre Profite sehen und die Regierungen, die mit immer neuen Steuern die Zinsen der bereits auf 1000 Jahre verpfändeten Steuergelder abdecken wollen.
5. Der Gipfel bringt nix !
querulant_99 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
Da bei dieser Konferenz nichts Substantielles herauskommen wird, plädiere ich für einen pragmatischen Weg, der die Folgen mildert, wie man es auch bei Erdbeben macht: Gar nicht erst versuchen, ein Erdbeben zu verhindern, sondern erdbebensicher bauen!
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Themen des Klimagipfels in Cancún
Waldschutz
Die Vernichtung der Wälder trägt nach Angaben des Uno- Klimasekretariats zu 17 Prozent zum menschengemachten Treibhauseffekt bei. Ärmere Länder sollen Geld erhalten, wenn sie ihren Wald schützen. Dazu muss es jedoch klare Regeln geben, was ein Wald ist. Zudem müssen die Artenvielfalt und die örtliche Bevölkerung beachtet werden. Die Industrieländer sollen Faktoren, die zur Waldzerstörung in Entwicklungsländern führen, beseitigen.
Anpassung
Ärmere Länder benötigen Geld, um die Folgen des Klimawandels zu lindern. Ein solches Programm reicht vom Dammbau bis zu Versicherungen gegen Wetterextreme.
Treibhausgasausstoß
Bisher haben einzelne Staaten nur auf freiwilliger Basis nationale Klimaziele vorgelegt. Diese reichen jedoch nicht aus, um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Neue und verbindliche Zusagen sind nötig, wenn der Klimawandel auf ein für Mensch und Natur erträgliches Maß begrenzt werden soll. Neue Reduktionen könnten zum Beispiel aus dem Flug- und Schifffahrtsbereich kommen.
Finanzierung
In einer unverbindlichen Vereinbarung auf dem Klimagipfel von Kopenhagen hatten die reichen Staaten zugesagt, ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaziele in armen Ländern bereitzustellen. Vor einem umfassenden Klimavertrag müssten Finanzquellen aufgelistet und diese Zusage verbindlicher werden.

Außerdem wollten die Industrieländer den ärmeren Staaten insgesamt 30 Milliarden Dollar für 2010 bis 2012 für die Anpassung an den Klimawandel und eine umweltfreundliche Entwicklung geben. Klimaschützer kritisieren jedoch mangelnde Transparenz und befürchten, dass es dann Abzüge von der bisher geplanten Entwicklungshilfe gibt.
Überprüfung
Vor Abschluss eines umfassenden Vertrags muss sich die Staatengemeinschaft auf ein differenziertes Mess- und Kontrollsystem der Klimaschutzaktivitäten einigen. Darauf legen nicht zuletzt die USA Wert - und haben speziell China im Blick.

Multimedia-Special
Der lange Weg zum Klimaschutz
1988
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.
1992
Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio vereinbaren die Staaten, den Ausstoß der Treibhausgase so zu begrenzen, dass "sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können" und "die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird". Nach Meinung vieler Forscher kann dieses Ziel erreicht werden, wenn die globale Temperatur nicht stärker als zwei Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert steigt. Eines der Ergebnisse des Gipfels von Rio sind die Unterschriften fast aller Staaten unter die Klimarahmenkonvention (UNFCCC), die zuvor in New York ausgehandelt worden war.
1994
Die Klimarahmenkonvention tritt in Kraft. Rund 190 Staaten haben sie mittlerweile ratifiziert, die USA ist auch dabei.
1997
Das Kyoto-Protokoll wird auf einem Gipfel in der japanischen Stadt verabschiedet. Es gilt als erster konkreter Schritt, um die Ziele der Klimarahmenkonvention umzusetzen. Die Industriestaaten verpflichten sich, den Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase bis 2012 im Schnitt um mindestens fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die Entwicklungsländer erhalten keine Auflagen. Inzwischen haben mehr als 180 Staaten Kyoto ratifiziert - nicht jedoch die USA.
2005
Das Kyoto-Protokoll tritt in Kraft, nachdem zuvor auch Russland den Vertrag gebilligt hat und so die Zahl der nötigen Ratifikationen erreicht ist. Das Abkommen läuft 2012 aus. Um seinen Nachfolger geht es beim Klimagipfel in Kopenhagen.
2007
Der Klimagipfel auf der indonesischen Insel Bali vereinbart einen Fahrplan für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll. Dieser Fahrplan sieht vor, die Verhandlungen innerhalb von zwei Jahren zu beenden - bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen. Gelungen ist das allerdings nicht, auch nach Kopenhagen werden die internationalen Gespräche weitergehen müssen.
2009
Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen wollen sich die Staaten auf ein bindendes politisches Abkommen einigen. Erstmals sind nicht nur die Umweltminister, sondern auch die Staats- und Regierungschefs direkt an den Verhandlungen beteiligt. Doch anstatt die ungeheuren Erwartungen zu erfüllen, endet der Gipfel in einem Desaster: Am Ende des zweiwöchigen Ringens steht ein Mini-Kompromiss, der kaum Konkretes enthält und für den globalen Klimaschutz einen herben Rückschlag bedeutet.