Klimabeweise Dürre brachte Maya zu Fall

Spanier, Hunger, Streit - der Untergang der Maya scheint viele Ursachen zu haben. Den Rest gaben der Hochkultur jedoch, so eine neue Studie, ein ungewöhnlich trockenes Klima und drei Dürreperioden.


Maya-Ruinen von Tikal: Veränderter Wasserkreislauf
GMS

Maya-Ruinen von Tikal: Veränderter Wasserkreislauf

Vor nicht allzu langer Zeit war die Zunft der Paläoklimatologen in einer unangenehmen Situation: Zwar konnten die Forscher, die mit Hilfe von Ablagerungen und Versteinerungen das Klima vergangener Epochen ergründen wollen, viele Millionen Jahre in die Geschichte zurückblicken. Die letzten, für die Entwicklung der menschlichen Kultur ausgesprochen wichtigen Jahrtausende ließen sich klimatechnisch aber nur schwer ergründen.

Doch Messgeräte mit immer besseren Auflösungen sowie neue Funde enthüllen nun langsam auch die Klimageschichte der vergangenen 6000 Jahre. So hat ein Team aus schweizerischen und US-amerikanischen Wissenschaftlern nun im Fachmagazin "Science" neue Beweise vorgelegt, die den Niedergang der Maya-Kultur in Zentralamerika aus der Sicht von Klimatologen erklären können.

Demnach fiel der kulturelle Kollaps im neunten Jahrhundert nach Christus mit einer ausgedehnten regionalen Dürre zusammen, die mehrere Trockenperioden in den Jahren 810, 860 und 910 mit sich brachte. Darauf deuten Sedimente im Golf von Cariaco vor der Küste Venezuelas hin, die von den Forschern um Gerald Haug von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich untersucht wurden. Das natürliche, bis auf zwei Monate genaue Klimaarchiv berichtet von stark schwankenden Wassermengen in den Zuflüssen des Golfes. Zudem scheint sich zu jener Zeit der gesamte Wasserkreislauf des tropischen Südamerikas verändert zu haben.

Der sich über gut ein Jahrhundert erstreckende Rückgang der Regenmengen ließ, so Haug, zunächst die Ressourcen der Region knapp werden - obwohl die Maya früh damit angefangen hatten, Rückhaltebecken und Kanalsysteme zu bauen. Doch die Dürreperioden verschlimmerten die Situation noch. Überdies fallen sie zeitlich genau mit den Phasen des Maya-Kollaps zusammen, den Archäologen zuvor beschrieben haben.

Haug und seine Kollegen glauben daher, einen handfesten Zusammenhang zwischen dem Untergang der einstigen Hochkultur und der lokalen Trockenheit entdeckt zu haben. Offenbar waren es tatsächlich die drei Dürreperioden, so schreiben die Wissenschaftler in "Science", "die der Maya-Gesellschaft den Rest gegeben haben".

Alexander Stirn



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