Klimadiplomatie: Deutschland will neues Bündnis ausbauen

Die Allianz ist neu - und politisch noch ausbaufähig. Beim Klimaschutz wollen die Europäer in Zukunft gemeinsam mit Entwicklungsländern und Inselstaaten Druck auf die großen Verschmutzer machen. Deutsche Politiker sehen nach SPIEGEL-Informationen in dem Bündnis große Chancen.

Aktivisten in Durban (am 2. Dezember): "Nicht Kolonialisten, sondern faire Partner" Zur Großansicht
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Aktivisten in Durban (am 2. Dezember): "Nicht Kolonialisten, sondern faire Partner"

Berlin - Der Klimagipfel von Durban hat wenig konkrete Ergebnisse gebracht. Vor 2020 wird es wohl kein neues internationales Klimaschutzabkommen geben - aber immerhin redet man weiter miteinander. Bemerkenswert war in Südafrika jedoch der Schulterschluss zwischen Europäern und Entwicklungsländern sowie Inselstaaten, der die Verhandlungen auch in Zukunft nachhaltig beeinflussen könnte.

Beide Seiten eint der Wunsch, dass mächtige Schwellenländer wie Indien, China und Brasilien mehr für die Kontrolle der Treibhausgasemissionen tun. Nach SPIEGEL-Informationen will Deutschland das neue Bündnis nun entscheidend voranbringen. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sieht das frühere Lager, das China mit den ärmsten Ländern gebildet hat, als gespalten an: "Die Verhandlungen in Durban zeigen, dass Entwicklungs- und Schwellenländer eine heterogene Gruppe mit sehr unterschiedlichem Entwicklungsstand und deshalb auch unterschiedlichen Interessen sind", sagte Niebel dem SPIEGEL.

Auch das Auswärtige Amt sieht eine Chance für die deutsche und europäische Außenpolitik. "Wir sind der Meinung, dass wir die Zusammenarbeit in dieser Konstellation auch nach Durban weiter stärken müssen", heißt es im Ministerium mit Bezug auf Afrika, Asien und Lateinamerika.

"Deutschland sollte den Vorteil nutzen, dass man uns in der Welt nicht als Kolonialisten ansieht, sondern als fairen Partner", bestätigt auch der für Umwelt und Entwicklung zuständige Vizechef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Ruck. Es stärke die deutsche Position in der Welt, wenn Deutschland an der Seite der Länder stehe, die vom Klimawandel hauptsächlich betroffen sein würden.

Bisher hatten sich die Entwicklungsländer und Inselstaaten politisch mit den Schwellenländern solidarisiert. Doch mittlerweile ist klar, dass diese Länder die bisherigen Industriestaaten in Sachen Treibhausgas-Ausstoß schon in wenigen Jahren hinter sich lassen werden. China ist schon jetzt der weltweit größte CO2-Emittent - und das nicht mehr nur wegen seiner gewaltigen Bevölkerungszahl. Der Pro-Kopf-Ausstoß ist mit 6,8 Tonnen CO2 pro Jahr mittlerweile höher als in Frankreich.

Röttgen nennt Ergebnis "wegweisend und substanziell"

Die Schwellenländer haben es bisher abgelehnt, konkrete Klimaschutzziele zu akzeptieren - und dabei stets auf ihre wirtschaftliche Entwicklung verwiesen. Die Entwicklungsländer und Inselstaaten sehen sich durch den Klimawandel besonders bedroht. Sie sollen deswegen mit Geld aus dem Grünen Klimafonds (GCF) unterstützt werden. Doch woher das Geld dafür kommen soll, ist nach dem Gipfel weiterhin unklar.

In einer Regierungserklärung lobte Bundesumweltminister Norbert Röttgen den Ausgang der Klimaverhandlungen am Freitag trotzdem als "wegweisend und substanziell". Er räumte aber zugleich ein, dass die Ergebnisse noch nicht ausreichend seien. Der eigentliche Erfolg der Konferenz von Durban sei, dass künftig alle Staaten an einem Klimaabkommen teilnehmen sollten, so Röttgen.

Zugleich mahnte der Minister weitere Schritte im Kampf gegen den Klimawandel an: "Wir tun immer noch zu wenig. Es gibt immer noch eine erschreckende Lücke." Der Klimawandel sei eine "fundamentale Bedrohung" für immer mehr Menschen. Es sei daher eine Frage "Frage von humanitärer Solidarität", sich für die besonders betroffenen Länder einzusetzen. Röttgen versicherte, dass Deutschland mit dem Klimaschutz nicht warten werde, bis ein neues Abkommen in Kraft sei: "Verhandeln und handeln zugleich, das war immer die deutsche und die europäische Position".

Zugleich erklärte Röttgen, dass Deutschland auch seine Zusagen zur Klimafinanzierung einhalten werde. 2010 habe die Bundesrepublik insgesamt 1,2 Milliarden Euro für Klimaschutzprojekte ausgegeben, 2011 würden es voraussichtlich 1,8 Milliarden Euro sein. An "neuen und zusätzlichen Mitteln", wie es die Industriestaaten in Kopenhagen versprochen hatten, seien bislang knapp 800 Millionen Euro geflossen. "Wir erfüllen unsere Versprechungen, das gehört zum Selbstverständnis der Bundesregierung und Deutschlands", sagte Röttgen.

chs/dapd

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insgesamt 30 Beiträge
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1. "Bündnis"?
paml1983 16.12.2011
Zitat von sysopDie Allianz ist neu - und politisch noch ausbaufähig. Beim Klimaschutz wollen die Europäer in Zukunft gemeinsam mit Entwicklungsländern und Inselstaaten Druck auf die großen Verschmutzer machen. Deutsche Politiker sehen nach SPIEGEL-Informationen in dem Bündnis große Chancen. Klimadiplomatie: Deutschland will neues Bündnis ausbauen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,804022,00.html)
------------------------------------- Die genauere Betrachtung der "Teilnehmer" an der Klimakonferenz in Durben führt -ach wie erstaunlich?- exakt zu dem Ergebnis, daß die sog. "Aktivisten" von Greepeace und der "neuen Gruppierung" namens OXFAM eindeutig in der Mehrzahl waren. Dazu ist klar, daß die "Entwicklungsländer" sofort demjenigen folgen, welcher mit "Geld winkt" und auf die Inselstaaten trifft das ebenfalls zu! Eine "schöne Allianz von Betrügern" ist das - Gratulation Deutschland! ------------------------ Es gibt keine Inselstaaten, welche auf Grund des "globalen Meeresspiegelanstiegs" untergehen, denn es gibt ihn einfach nicht den "globalen Meeresspiegelanstieg", weil es keinen "globalen Meeresspiegel" gibt. Das sagt Ihnen jeder "seriöse Meeresforscher" auch Mojib Latif! Entwicklungsländer leiden nicht unter dem "Klimawandel" - diese leiden unter dem "Entwicklungsstand", das ist alles! Was für eine "tolle Ausrede" der "Klimawandel" doch ist, nicht wahr? Röttgen, hau doch endlich ab aus der Politik....!!!!!
2. Röttgen
günter1934 16.12.2011
"Zugleich mahnte der Minister weitere Schritte im Kampf gegen den Klimawandel an: "Wir tun immer noch zu wenig. Es gibt immer noch eine erschreckende Lücke." Zitat aus dem Artikel. Ich möchte mal wissen, wie ein gelernter Jurist so etwas beurteilen kann. Er muss sich da auf das Urteil seiner Berater verlassen. Und das ist das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung mit den Oberberatern Schelmhuber und Edenhofer. Wen man sich überlegt, was diese beiden Typen zusammen mit dem Rahmstorf den deutschen Steuerzahler für einen Wolkenbruch Geld kosten, versteht man die Welt nicht mehr. Aber wir haben es ja. Was lacostet die Welt, Geld spielt keine rolex.
3. Wolkenbruch
Mustermann 16.12.2011
Zitat von günter1934. Wen man sich überlegt, was diese beiden Typen zusammen mit dem Rahmstorf den deutschen Steuerzahler für einen Wolkenbruch Geld kosten, versteht man die Welt nicht mehr..
Und, sind bei Ihren Überlegungen konkrete Zahlen in € aufgetaucht, oder ist es bei einem generellen Weltnichtverständnis geblieben?
4. Potsdam Institut für Klimafolgenforschung...
günter1934 16.12.2011
Zitat von MustermannUnd, sind bei Ihren Überlegungen konkrete Zahlen in € aufgetaucht, oder ist es bei einem generellen Weltnichtverständnis geblieben?
Wolkenbruch bedeutet so etwas wie eins, zwei, drei, viel. Auf jeden Fall lässt sich der Herr Röttgen vom Pik beraten. Und wenn ich mich nicht irre, waren Sie es, der mir antwortete: Sie kennen das PIK erst seit jetzt und wollen dazu etwas sagen. So ungefähr. Vor 3 Jahren. Und meine damalige Meinung nach 3 Stunden über das PIK (damals konnte man auf der homepage die Finanzierung noch erkunden) und heute ist immer noch dieselbe: Wes Brot ich ess. des Lied ich sing!
5. Röttgen
reuanmuc 16.12.2011
Zitat von günter1934Er muss sich da auf das Urteil seiner Berater verlassen. Und das ist das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung mit den Oberberatern Schelmhuber und Edenhofer.
Ist Ihnen bekannt, dass in seinem Ministerium 980 Mitarbeiter beschäftigt sind? Was glauben Sie, was die 1500 Leute im Umweltbundesamt den ganzen Tag tun? Das PIK ist nur einer von vielen Beratern. Sie haben etwas kindische Vorstellungen.
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