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Klimagas: Forscher schlagen Mega-CO2-Speicher im Nahen Osten vor

Für immer versenkt: Eine Gesteinsformation im Golfstaat Oman eignet sich nach Ansicht zweier US-Forscher hervorragend zur Speicherung von CO2. Doch wie kommt das Treibhausgas in die Wüste?

Jahrelang waren die Geoforscher Peter Kelemen und Jürg Matter unterwegs in der Wüste des Golfstaats Oman. Akademisch war das Gebiet höchst interessant. Schließlich tritt hier, in der Hitze der arabischen Halbinsel, eine Gesteinsformation zu Tage, die sich sonst an der Erdoberfläche eher rar macht - obwohl es einige Kilometer unter uns sehr viel davon geben dürfte: der dunkel gefärbte Peridotit, aus dem große Teile des Erdmantels bestehen.

Peridotitvorkommen in Oman: Die weißen Bereiche an der Oberfläche sind Kalkspat, der aus CO2 entstanden ist
Lamont-Doherty Earth Observatory

Peridotitvorkommen in Oman: Die weißen Bereiche an der Oberfläche sind Kalkspat, der aus CO2 entstanden ist

Eigentlich beginnt das Gestein erst 20 Kilometer tief in der Erde. Doch an mehreren Stellen der Erde, wie etwa in Oman, haben es plattentektonische Prozesse an die Oberfläche befördert. Nun sind Kelemen und Matter, die beide an der Columbia University im US-Bundesstaat New York arbeiten, darauf gekommen, dass die Peridotitvorkommen von Oman nicht nur geologisch interessant sind, sondern auch eine große praktische Bedeutung haben könnten - und zwar als CO2-Speicher gigantischen Ausmaßes. Rund um die Welt suchen Forscher und Energiekonzerne derzeit nach Möglichkeiten CO2 bei der Verbrennung fossiler Treibstoffe abzutrennen und unterirdisch einzulagern (Carbon Dioxide Capture and Storage", kurz CCS). Im brandenburgischen Ketzin läuft zum Beispiel das Modellprojekt "CO2SINK". Dort werden über ein Bohrloch binnen zwei Jahren 60.000 Tonnen des Treibhausgases versenkt.

Das größte Projekt zur CO2-Speicherung betreibt der Ölkonzern StatoilHydro vor der Küste Norwegens: Auf dem Gasfeld "Sleipner" wird schon seit mehr als zehn Jahren CO2, das bei der Erdgasherstellung anfällt, in eine Sandsteinschicht 800 Meter unter dem Nordseeboden gepresst - etwa eine Million Tonnen im Jahr.

Die Forscher Kelemen und Matter schlagen nun vor, das Gas in Oman zu lagern - ausgerechnet in unmittelbarer Nähe von einem großen Teil der Ölvorkommen der Welt. Das liegt daran, dass das Gestein in Oman das Gas besonders effektiv binden kann: Wenn der Peridotit mit dem CO2 in Kontakt kommt, entsteht das Mineral Kalkspat. An der Erdoberfläche läuft der Prozess eher langsam ab. Die beiden Forscher konnten nun aber zeigen, dass die Kalkspatbildung unter der Erde durchaus schnell vonstatten gehen kann.

Um den in Grundsätzen bereits bekannten Prozess effektiver zu machen, schlagen die beiden Forscher vor, eine erwärmte Mischung aus Wasser und Kohlendioxid unter Druck in die Gesteinsformation zu pressen. Der Peridotit reicht in manchen Bereichen Omans bis zu fünf Kilometer tief in die Erde - ein riesiges Reservoir.

Die Wissenschaftler glauben außerdem, dass der Prozess der CO2-Bindung sich, einmal angestoßen, selbst befeuern müsste: Bei der Bildung des Kalkspats entsteht Energie, die den Fortgang der Reaktion sichern könnte. Im Fachmagazin "Proceedings of the Natural Academy of Sciences" beschreiben Kelemen und Matter ihre Vision: Jedes Jahr könnten zwei der weltweit rund 30 Milliarden vom Menschen produzierten Tonnen CO2 dauerhaft weggesperrt werden - allein durch Einleitung in die Peridotitvorkommen in Oman.

Weitere Vorkommen des Gesteins gibt es auf Pazifikinseln, zum Beispiel Papua Neu Guinea. Auch an den Küsten Griechenlands und der Nachfolgestaaten Jugoslawiens gibt es Peridotitformationen. Kleinere Vorkommen liegen auch in Kalifornien.

Bleibt noch das Problem: Wie kommen Peridotit und CO2 zusammen? Ursprünglich hatten die Forscher erwogen, das Gestein abzubauen und als Pulver an all die Orte zu bringen, an denen CO2 entsteht. Doch das wäre zu teuer, fanden sie schnell heraus. Deswegen muss das Treibhausgas ihrer Ansicht nach zu den Lagerstätten gebracht werden - wie auch immer. Das könnte das größte Problem des vorgeschlagenen Speichers sein.

chs

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Version dieses Artikels wurde das Gestein Peridotit durchgängig falsch geschrieben. Dies haben wir inzwischen korrigiert. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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