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Müde Delegierte beim Klimagipfel: Noch fünf Minuten, bitte...

Durchhalten in Paris: Adrenalin und Kaffee Fotos
REUTERS

Kaffee ist der Zaubertrank der Pariser Klimakonferenz. Viele der Delegierten in Le Bourget kommen seit zwei Wochen kaum ins Bett. Sie schlafen in jeder freien Minute - inzwischen sind die letzten Hemmungen gefallen.

Ihre Aufgabe ist es, die Menschheit zu retten. Doch viele der inzwischen erschöpften Delegierten bei der Klimakonferenz kämpfen jetzt vor allem mit dem Schlaf. Tausende Unterhändler haben fast zwei Wochen in Le Bourget vor den Toren von Paris um die richtigen Formulierungen gerungen. Viele von ihnen sind nun am Ende ihrer Kraft.

Das Hauptproblem dabei ist die Schlaflosigkeit, denn in den vergangenen drei Tagen gingen die Verhandlungen quasi nonstop, rund um die Uhr. Neben die inhaltliche Herausforderung trat der Belastungstest für das körperliche Durchhaltevermögen. Nur noch Koffein, Adrenalin und die Hoffnung auf ein gutes Ergebnis hielten die Diplomatie am Laufen.

"Kaffee hilft immer, nur während solcher Konferenzen trinke ich Kaffee", sagt der südafrikanische Unterhändler Maesela Kekana. "Ohne kann man hier nicht überleben. Wir helfen uns alle gegenseitig, indem wir uns Kaffee bringen."

Schlafende Menschen in Sesseln, auf Sofas, auf dem Boden

Guayanas Umweltminister Raphael Trotman sagte am Freitagnachmittag, er habe in zwei Nächten nur sechs Stunden Schlaf bekommen. "Mit etwas Adrenalin und viel Koffein" sei das aber noch okay. "Hoffnung und Erwartung treiben dich weiter", auch gehe es allen anderen ja genauso. Allerdings nickt auch manch ein Kollegen in einer Sitzung ein.

In den vergangenen Tagen sind die letzten Hemmungen gefallen. Überall auf dem Konferenzgelände sind schlafende Menschen zu sehen: in Sesseln, auf Sofas, auf dem Boden, ohne Schuhe, mit Schlafmasken. Hochrangige Diplomaten schlafen in den Delegationsbüros auf dem Fußboden. Manchmal geht es nur um ein paar Minuten.

Allmählich wirke sich die Müdigkeit auch auf die Fähigkeit der Menschen aus, klar zu denken, sagt Espen Ronneberg aus der Delegation der Pazifikinsel Samoa. Auch der Umgangston habe sich geändert: "Wir sind alle müde und reden nicht mehr so diplomatisch. Stattdessen kommen wir direkt auf den Punkt." Die Begrüßung werde häufig gestrichen, ein leichtes Kopfnicken müsse reichen.

Große Delegationen sind in Le Bourget eindeutig im Vorteil, weil sie sich die Verhandlungszeiten aufteilen können. Am besten ist die EU dran, die auch ihre komplette Ministerriege gezielt auf unterschiedliche Beratungsrunden und -zeiten verteilen kann. "Kleine Länder haben dagegen kleine Delegationen und schlafen entsprechend weniger", sagt die kanadische Konferenzbeobachterin Naomi Klein.

Auch die Vertreter kleiner Staaten wie die Delegation Samoas versuchen, so gut es geht, mit den Kräften hauszuhalten. "Wir haben versucht, Leute zwischendurch ins Hotel zu schicken", sagt Ronneberg. Das habe jedoch nicht geklappt, weil die Fahrzeit von rund einer Stunde zu lang sei. Daher sei auch für sie das Schlafen im engen Delegationsbüro der einzige Ausweg gewesen.

Djordjije Vulikic aus der auch recht kleinen Delegation Montenegros sagt, er sei zwar müde, noch reiche aber die Anspannung, um hinreichend bei der Sache zu bleiben. Allerdings ertappe er sich dabei, davon zu träumen, was er tun werde, wenn das Klimaabkommen beschlossen ist: "Ich werde dann zwei komplette Tage schlafen."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
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1. Jeder Mensch, hat das Anrecht auf Glück.
vor.morgen 12.12.2015
Auf Wohlstand, auf ein gutes Leben. Deshalb wird jeder Mensch mehr - zu einer zusätzlichen Erwärmung der Atmosphäre führen. Noch vor einigen Jahren, war die USA der schlimmste Umweltverschmutzer der Welt. Heute ist es China, mit große Vorsprung. Und Indien und Afrika holen rasant auf. Weil deren Bevölkerung auch gut leben will. Gutes Leben aber - ist Klimaschädlich! Deshalb muss die Weltbevölkerung wieder schrumpfen. 1. In den Entwicklungsländern mit Milliardenhilfen von uns. Zur Not (zur Rettung unseres Planeten, auf dem wir stehen) auch mit Zwang. 2. Die Industrienationen schaffen schon jetzt einen Geburtenrückgang. Der nur durch deren Einwanderungspolitik karikiert wird. Löst euch von der Formel: steigende Einwohner für gesicherte Pensionen. Was nützen die, wenn es dafür, auf einer abgebrannten Erde, nichts mehr zu kaufen gibt?
2. Wir brauchen. ..
joG 12.12.2015
...aktuell keine Beschränkungen des Ausstoß so sehr wie mehr Forschung und Entwicklung. Zwar ist es viel besser als zur Zeit des Kyoto Vertrags in dem heute viele Technologien bereits effizient sind und so unsere Art zu leben nicht völlig zerstören würden bei Einführung. So sind wir weitgehend an der Stelle, die Bush definierte als sinnvoller Punkt auf alternative Energie anzufangen umzusteigen. Das wird automatisch geschehen, wo die neuen Techniken zunehmend effizienter werden als herkömmliche. Da braucht es keine politische Einmischung. Brauchen tun wir Forschungsgeld. Wenn man wollte, würde ein Cap and Trade von co2 und Methan Ausstoß die Prozesse beschleunigen. Aber wie Europa bewiesen hat, ist das zu schmerzhaft und die Politiker können dieses wirklich effektive Instrument nicht einsetzen bzw sind zu feige. Es würde der Bevölkerung nämlich aufdecken, wie weh der Umstieg tut.
3. Respekt
Morrison 12.12.2015
Diesen uneigennützigen Menschen, die alles geben um unser Weltklima zu retten und die erderwärmung auf 2 grad zu beschränken, gehört unser allerhöchster Respekt! In der ard war diese woche eine dame im Interview, die im achten monat schwanger den weg nach Paris auf sich genommen hat und tag und Nacht durcharbeitet! Da kann man nur hoffen, dass der kaffe wenigstens fair trade gehandelt ist
4. Nur fünf Minuten?
JKStiller 12.12.2015
Wer nach zwölf noch schläft und nie so richtig aufwacht, der braucht auch nicht mehr an der Uhr zu drehen. Und wer sich auf eine passende Formulierung der Wahrheit einigen will, der hat schon gelogen.
5. Dummheit stirbt zuletzt!!!
unglaublich2014 12.12.2015
Das ist bei jeder Verhandlung so! Erst werden alle müde gemacht und dann am Ende ein schon seit Monaten vorbereitetes Papier aus der Schublade geholt und den übermüdeten Wesen zur Abstimmung vorgelegt. Am besten nachts. Dann sind sie so fertig, dass sie alles unterschreiben und verkaufen. Sogar die Natur!!! Die Politiker aus dem Westen bzw von CDU und Friends klopfen sich auf die fetten Schenkel ;)
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Wer will was beim Klimagipfel?
China
Der weltweit größte CO2-Emittent hat seinen Kurs geändert. Auf dem Klimagipfel 2009 in Kopenhagen galt China noch als großer Verweigerer. Nun erwarten Beobachter, dass sich das Land für einen erfolgreichen Klimagipfel einsetzen wird. Staatspräsident Xi Jinping und Frankreichs Präsident François Hollande haben Anfang November zugesagt, sich für regelmäßige Kontrollen der in Paris vereinbarten Ziele starkzumachen. Alle fünf Jahre soll eine komplette Überprüfung der erreichten Fortschritte stattfinden. Peking hatte im Juni angekündigt, seine bisherigen Klimaziele für den Gipfel zu erhöhen. Der Ausstoß von Kohlendioxid soll demnach möglichst vor 2030 den Höhepunkt im Land erreichen. 20 Prozent des Energiebedarfs sollen bis dahin aus nicht fossilen Quellen gedeckt werden. Zudem sollen die Emissionen gemessen an der Wirtschaftsleistung bis 2030 um 60 bis 65 Prozent gegenüber 2005 reduziert werden. Durch drastisches Einsparen von Kohle hofft China, auch die Smogprobleme in den Großstädten zu lösen. Das Problem: China stößt in der Realität laut neuen Auswertungen offenbar ein Sechstel mehr Treibhausgase aus als bisher bekannt.
USA
US-Präsident Barack Obama hat sich früh zum Klimagipfel in Paris bekannt und zeigt sich zuversichtlich. Die größte Volkswirtschaft der Welt hat angekündigt, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 17 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. Bis 2025 sollen sie um 26 bis 28 Prozent sinken und bis 2050 um 80 Prozent. Gegen teils erbitterten Widerstand der konservativen Republikaner hat Obama zuletzt Zeichen gesetzt. So verbot er den Weiterbau der umstrittenen Keystone-Pipeline, die Ölsand-Abbaugebiete in Kanada mit dem Golf von Mexiko verbinden sollte. Allerdings hatte Außenminister John Kerry in Europa Verärgerung ausgelöst, als er erklärte, eine Vereinbarung auf dem Klimagipfel werde definitiv nicht den Status eines Vertrages haben. Dies wird in den USA als innenpolitische Taktik gewertet - einen rechtlich verbindlichen Vertrag müsste Obama durch den von den Republikanern dominierten Senat boxen.
Europäische Union
Die EU hat sich im internationalen Vergleich vergleichsweise ehrgeizige Ziele gesetzt. So soll sich etwa der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 vermindern. Zudem macht sich der Staatenverbund dafür stark, dass der CO2-Ausstoß bis zum Ende des Jahrhunderts auf null sinkt. In Paris, so die Forderung, muss ein verbindliches Klimaschutzabkommen vereinbart werden. Zudem soll ein Mechanismus vereinbart werden, bei dem die weltweiten Anstrengungen alle fünf Jahre geprüft und falls nötig nachjustiert werden.
Entwicklungsländer (G77)
Diese heterogene Gruppe reicht von Bangladesch und anderen stark durch den Klimawandel gefährdeten Staaten bis Saudi Arabien. Viele der Länder haben zwar auch nationale Klimaschutzpläne vorgelegt, die Erfüllung der Ziele jedoch oftmals von finanzieller oder technischer Unterstützung durch die Industrienationen abhängig gemacht. Diese hatten unter bestimmten Bedingungen Klimahilfen zugesagt, die bis 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar erreichen sollen. Nun pochen die Entwicklungsländer auf konkrete Vereinbarungen dazu.
Indien
Das aufstrebende Schwellenland will bis 2030 etwa ein Drittel weniger Treibhausgase im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt ausstoßen als 2005. Das soll vor allem durch den massiven Ausbau der Solarenergie sowie weniger Subventionen für fossile Brennstoffe und eine Kohlesteuer gelingen. Indiens Formel lautet: 175 Gigawatt aus erneuerbaren Energien schon bis 2022, das ist viermal so viel wie heute. Doch Neu Delhi macht auch klar: Dafür braucht es richtig viel Geld und Technologietransfer. Weil die Industrieländer historisch gesehen den Klimawandel fast allein verantworten, sollten sie nun auch zahlen.


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