Klimakonferenz Absurde Vorschläge am Pranger

Auf der Welt-Klimakonferenz in Kenia sind nicht bloß grüne Seelen vertreten. Die Delegationen einiger Staaten glänzen mit absurden, unsinnigen oder gar irreführenden Vorschlägen. Umweltschützer prangern sie an. Besonders negativ aufgefallen sind Australien, Saudi-Arabien und Kanada.


Nairobi - Fossil, das ist unter Klimaschützern gleich im doppelten Sinne ein Schimpfwort. Es steht nicht nur für eine alte und hinterwäldlerische Weltsicht. Auch fossile Brennstoffe sind auf der Uno-Klimakonferenz im kenianischen Nairobi nicht gut gelitten. Durch ihre Verbrennung werden jene Gase freigesetzt, welche die Atmosphäre aufheizen. "Fossil des Tages" ist dementsprechend kein Ehrenabzeichen.

Raffinerie in Saudi-Arabien: Delegation wollte Zugang zu Drittwelt-Hilfsfonds - und Flugzeuge aus der Klimadebatte ausklammern
DPA

Raffinerie in Saudi-Arabien: Delegation wollte Zugang zu Drittwelt-Hilfsfonds - und Flugzeuge aus der Klimadebatte ausklammern

Nichtregierungsorganisationen, die im Netzwerk Aktion Klima organisiert sind, haben zum ersten Mal jene Staaten angeprangert, die ihrer Ansicht nach den zweifelhaften Titel verdienen.

Nach der Auswertung der Konferenzeröffnung in der kenianischen Hauptstadt Nairobi am Montag dieser Woche lagen Australien und Saudi-Arabien vorne: Das Industrieland Australien hatte behauptet, es leide ebenso wie die ärmsten Staaten unter dem Klimawandel und müsse daher Hilfsgelder erhalten. Das ölreiche Saudi-Arabien kam auf Platz zwei, weil es für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels Zugang zu einem für die ärmsten Länder gedachten Anpassungshilfsfonds forderte.

Kanada schummelt, Saudi-Arabien will Flieger ausklammern

Für Beiträge vom vergangenen Dienstag stellen die Umweltschützer Kanada an den Pranger: Die Delegation aus Ottawa hatte bei der Ankündigung, die Treibhausgase bis 2050 um 45 bis 65 Prozent zu reduzieren, die höheren Emissionszahlen von 2003 als Ausgangspunkt genannt anstatt die niedrigeren Zahlen von 1990, dem vom Kyoto-Protokoll als Ausgangspunkt genannten Jahr. Saudi-Arabien tauchte abermals auf, weil es forderte, die Diskussionen über den Treibhausgasausstoß von Flugzeugen und Schiffen einzustellen. Dabei ist der Verkehr eine der Hauptquellen von Kohlendioxid.

Ziel der Negativ-Hitliste sei es, das schlechte Verhalten von Teilnehmerstaaten aufzuzeigen, sagte die Australierin Julie-Anne Richards vom Netzwerk Aktion Klima. Dadurch sollten sie motiviert werden, die Verhandlungen voranzubringen anstatt sie zu blockieren.

An der bis zum 17. November dauernden Klimakonferenz nehmen Experten und Regierungsvertreter aus den 189 Mitgliedstaaten der Klimarahmenkonvention teil. Sie wollen über ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll beraten, das nur von einem Teil der Mitgliedstaaten ratifiziert wurde.

stx/AFP



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