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Gefälschte Werbung: "Tut uns leid, dass wir erwischt wurden"

Guerilla-Art in Paris: Klimaschutzaktion von Brandalism Fotos
brandalism.org.uk

600 fingierte Plakate in Paris: Umweltschützer haben Klimabotschaften auf ganz normale Werbeflächen geschmuggelt. Darauf entschuldigt sich VW, und Air France ist der Umweltschutz egal.

Beim Klimagipfel in Paris geht es um die Zukunft der Erde - erstmals scheint ein gemeinsamer, verpflichtender Vertrag für alle Nationen der Erde in Reichweite zu sein. Vor allem wirtschaftliche Belange dürften bisher eine Einigung verhindert haben - zahlreiche starke Lobbyverbände bremsten beim Umweltschutz: Welche Interessen sollte etwa eine Fluglinie auch haben, den CO2-Ausstoß durch weniger Fernreisen zu reduzieren?

Öffentlich zugeben würde das so ein Unternehmen sicher nicht. Die Werbeplakate zeigen gerne Bilder von blauen Stränden und grünen Palmen. Dass einige solcher Ferienparadiese ausgerechnet durch Aktivitäten von Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern bedroht sind - vor allem in der Südsee - ist bittere Ironie solcher Werbung.

Die Anti-Werbe-Aktivisten von Brandalism wollen solche Doppelmoral aufdecken. Im Stil des bekannten britischen Street-Art-Künstlers Banksy hat die Gruppe nun zum Klimagipfel nach eigenen Angaben knapp 600 fingierte Werbeplakate in Paris aufgehängt. Über 80 Künstler aus 19 verschiedenen Ländern sollen Plakate für die Kampagne gestaltet haben - darunter Neta Harari, Jimmy Cauty, Kennard Phillips, Escif und Paul Insect, der bereits mit Banksy zusammengearbeitet hat.

Die Werbebanner hingen an Bushaltestellen im gesamten Stadtgebiet von Paris. Darin wurden etwa Unternehmen wie Air France, der Energieversorgungskonzern GDF Suez und Dow Chemical parodiert - alles Sponsoren der Klimagipfels. Auch VW wird abgewatscht: Ein Plakat zeigt ein Auto des Konzerns, darüber steht: "We're sorry that we got caught" - "Es tut uns leid, dass wir erwischt wurden", eine direkte Anspielung auf den Abgasskandal des Autobauers.

"Durch ihr Sponsoring werben große Umweltverschmutzer wie Air France und GDF Suez für ihr Engagement und erwecken den Anschein, als würden sie Teil der Lösung der Klimathematik sein. Wir glauben aber, dass sie Teil des Problems sind", sagt Joe Elan, einer der Initiatoren.

Brandalism ist eine Guerilla-Art-Gruppe, die sich 2012 in London gegründet hat. Damals hatten knapp 25 Künstler Werbeplakate mit markenkritischen Botschaften überklebt. Die Arbeit von Brandalism richtet sich gegen Massenkonsum und die Macht von globalen Marken und Konzernen.

joe

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