Klimakonferenz-Präsidentin: Espinosa wird als Göttin des Gipfels gefeiert

Aus Cancún berichtet Christoph Seidler

Aufmerksame Zuhörerin: Mexikos Außenministerin Patricia EspinosaZur Großansicht
AFP

Aufmerksame Zuhörerin: Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa

Auf dem Klimagipfel von Cancún zeichnet sich ein Erfolg ab - und das ist zu großen Teilen Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa zu verdanken. Als Gipfel-Präsidentin hat sie die Verhandlungen mit großem Geschick aus der Krise geführt.

Der indische Umweltminister Jairam Ramesh ist normalerweise kein Mann der warmen Worte. Wenn er die Interessen seines Landes in den internationalen Klimaverhandlungen vertritt, agiert er oft mit großer Direktheit. Doch in der Nachtsitzung des Uno-Gipfels von Cancún wurde Ramesh auf einmal poetisch - und machte der Gipfelpräsidentin Patricia Espinosa ein ganz besonderes Kompliment.

Der mexikanische Freiheitsheld Porfirio Díaz habe einst geklagt, sein Land sei nahe an den Vereinigten Staaten und weit entfernt von Gott. Indien, so Ramesh, habe mehr Göttinnen als Götter. "Und heute ist eine Göttin unter uns." Gemeint war Espinosa, im Hauptberuf Mexikos Außenministerin. Die resolute Diplomatin hatte den entscheidenden Stunden des Gipfels ihren Stempel aufgedrückt und die sich abzeichnende Einigung erst möglich gemacht.

Rund zwei Dutzend Diplomaten sprachen ihr dafür nacheinander in einem informellen Plenum des Gipfels ihren Dank aus. Unterbrochen wurden die Lobeshymnen nur von wenigen kritischen Stimmen, allen voran von Boliviens Delegiertem Pablo Solón. Sein Land stemmt sich vehement gegen den in Cancún angepeilten Kompromiss.

Zuvor war Espinosa von den Delegierten des Gipfels mit stehenden Ovationen gefeiert worden. Das Verdienst der 52-Jährigen: Sie hatte den Diplomaten nach tagelangem Gezerre zwei Texte zur Abstimmung vorgelegt. Diese waren zuvor mit der Hilfe von Ministern aus Industrie- und Entwicklungsländern in mühevollen Sitzungen ausgearbeitet worden. Die Papiere stellen zwar kaum mehr als einen Minimalkompromiss dar, sie halten aber zumindest die internationale Klimadiplomatie am Leben. Wichtige Entscheidungen wären auf den Weg gebracht. Im kommenden Jahr sollen sie auf einem Gipfel im südafrikanischen Durban endgültig unter Dach und Fach gebracht werden.

Espinosas entscheidender Anteil an diesem Erfolg wurde von den Delegierten immer wieder gelobt. Auch EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard pries Espionsa im Gipfelplenum in höchsten Tönen. Leicht dürfte ihr das kaum gefallen sein, hatte sie selbst doch entscheidenden Anteil am Scheitern des Klimagipfels von Kopenhagen im vergangenen Dezember. Nun musste sich Hedegaard von der Mexikanerin zeigen lassen, wie man es weit besser macht: Immer wieder hatte Espinosa während des Gipfels von Cancún betont, dass die Entscheidungen nicht in Geheimgesprächen fallen dürften. Allen interessierten Staaten müssten die Türen zu den Gesprächsrunden offenstehen. Und genau das passierte auch tatsächlich.

"Wir haben alle Stimmen gehört. Wir haben auch Stimmen gehört, die bisher ungehört geblieben sind", sagte Espinosa vor den entscheidenden Abstimmungen. Dann warb sie für den Abschluss der Gespräche von Cancún: "Wir haben eine Verantwortung gegenüber uns und den kommenden Generationen." Die vorliegenden Gipfeldokumente seien das Beste, was "an dieser Stelle eines sehr langen Prozesses möglich sei".

Geholfen hat Espinosa neben ihrer ruhigen, unprätentiösen Art auch ihre umfangreiche Erfahrung: Das diplomatische Handwerk hat die zweifache Mutter in Mexiko-Stadt und Genf gelernt. Als Botschafterin arbeitete sie unter anderem in Deutschland und Österreich, davor diente sie an den Uno-Vertretungen ihres Landes in Genf und New York.

Bereits vor dem Klimagipfel in ihrem Land hatte sie immer wieder klargemacht, dass sie den Prozess gestalten möchte und sich nicht nur als reine Moderatorin des Prozesses versteht. Unterstützt wurde sie dabei von Mexikos Präsident Felipe Calderón. Wieviel Vertrauen der Staatschef in seine Außenministerin setzte, zeigte sich auch darin, dass er Espinosa die entscheidenden Stunden des Gipfels leiten ließ - und sich nicht selbst ins Rampenlicht drängte wie es im vergangenen Jahr der dänische Staatschef Lars Løkke Rasmussen getan hatte.

"Ich glaube, dass wir in Cancún die Architektur für den internationalen Klimaschutz der kommenden Jahre vereinbaren können", hatte Espinosa im SPIEGEL-ONLINE-Interviewerklärt. Das scheint ihr nun im Großen und Ganzen gelungen zu sein.

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insgesamt 1663 Beiträge
ratxi 09.12.2010
...den Teilnehmern das Gefühl, unbeschreiblich wichtig zu sein. Und egal, was hinterher passiert, hätte man nur auf ihn (wen auch immer) gehört, wäre alles gut geworden...
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
...den Teilnehmern das Gefühl, unbeschreiblich wichtig zu sein. Und egal, was hinterher passiert, hätte man nur auf ihn (wen auch immer) gehört, wäre alles gut geworden...
Wolf_68 09.12.2010
Nichts. Ebenfalls nichts.
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert?
Nichts. Ebenfalls nichts.
oink_oink_weee 09.12.2010
"Rien ne va plus" solange werden es die Industrie-Staaten bzw die Macher, Tycoons, Cashsäue... treiben bis sich alles von selbst erledigt, Klimagipfel ist da überflüssig.
"Rien ne va plus" solange werden es die Industrie-Staaten bzw die Macher, Tycoons, Cashsäue... treiben bis sich alles von selbst erledigt, Klimagipfel ist da überflüssig.
Calex 09.12.2010
Und wenn die Klimalüge auch noch 10 Mio mal im Spiegel abgedruckt wird. Die Menschen glauben euch nicht mehr!!! Mit dem CO2 Wahn wird nur von der ECHTEN Umweltverschmutzung durch Großkonzerne (Anholzung des Tropenwaldes, [...]
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
Und wenn die Klimalüge auch noch 10 Mio mal im Spiegel abgedruckt wird. Die Menschen glauben euch nicht mehr!!! Mit dem CO2 Wahn wird nur von der ECHTEN Umweltverschmutzung durch Großkonzerne (Anholzung des Tropenwaldes, Verunreinigung von ganzen Landstricken durch RAubbau an der NAtur etc.) abgelenkt und die Schuld dem Verbraucher in die Schuhe geschoben! Frei nach dem Motto: "Wer konsumiert trägt die Schuld". Nicht etwa die Konzerne, die nur Ihre Profite sehen und die Regierungen, die mit immer neuen Steuern die Zinsen der bereits auf 1000 Jahre verpfändeten Steuergelder abdecken wollen.
querulant_99 09.12.2010
Da bei dieser Konferenz nichts Substantielles herauskommen wird, plädiere ich für einen pragmatischen Weg, der die Folgen mildert, wie man es auch bei Erdbeben macht: Gar nicht erst versuchen, ein Erdbeben zu verhindern, [...]
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
Da bei dieser Konferenz nichts Substantielles herauskommen wird, plädiere ich für einen pragmatischen Weg, der die Folgen mildert, wie man es auch bei Erdbeben macht: Gar nicht erst versuchen, ein Erdbeben zu verhindern, sondern erdbebensicher bauen!
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  • Samstag, 11.12.2010 – 08:13 Uhr
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Themen des Klimagipfels in Cancún
Die Vernichtung der Wälder trägt nach Angaben des Uno- Klimasekretariats zu 17 Prozent zum menschengemachten Treibhauseffekt bei. Ärmere Länder sollen Geld erhalten, wenn sie ihren Wald schützen. Dazu muss es jedoch klare Regeln geben, was ein Wald ist. Zudem müssen die Artenvielfalt und die örtliche Bevölkerung beachtet werden. Die Industrieländer sollen Faktoren, die zur Waldzerstörung in Entwicklungsländern führen, beseitigen.

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Der lange Weg zum Klimaschutz
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.





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