Klimakonferenz-Präsidentin: Espinosa wird als Göttin des Gipfels gefeiert

Aus Cancún berichtet

Aufmerksame Zuhörerin: Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa Zur Großansicht
AFP

Aufmerksame Zuhörerin: Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa

Auf dem Klimagipfel von Cancún zeichnet sich ein Erfolg ab - und das ist zu großen Teilen Mexikos Außenministerin Patricia Espinosa zu verdanken. Als Gipfel-Präsidentin hat sie die Verhandlungen mit großem Geschick aus der Krise geführt.

Der indische Umweltminister Jairam Ramesh ist normalerweise kein Mann der warmen Worte. Wenn er die Interessen seines Landes in den internationalen Klimaverhandlungen vertritt, agiert er oft mit großer Direktheit. Doch in der Nachtsitzung des Uno-Gipfels von Cancún wurde Ramesh auf einmal poetisch - und machte der Gipfelpräsidentin Patricia Espinosa ein ganz besonderes Kompliment.

Der mexikanische Freiheitsheld Porfirio Díaz habe einst geklagt, sein Land sei nahe an den Vereinigten Staaten und weit entfernt von Gott. Indien, so Ramesh, habe mehr Göttinnen als Götter. "Und heute ist eine Göttin unter uns." Gemeint war Espinosa, im Hauptberuf Mexikos Außenministerin. Die resolute Diplomatin hatte den entscheidenden Stunden des Gipfels ihren Stempel aufgedrückt und die sich abzeichnende Einigung erst möglich gemacht.

Rund zwei Dutzend Diplomaten sprachen ihr dafür nacheinander in einem informellen Plenum des Gipfels ihren Dank aus. Unterbrochen wurden die Lobeshymnen nur von wenigen kritischen Stimmen, allen voran von Boliviens Delegiertem Pablo Solón. Sein Land stemmt sich vehement gegen den in Cancún angepeilten Kompromiss.

Zuvor war Espinosa von den Delegierten des Gipfels mit stehenden Ovationen gefeiert worden. Das Verdienst der 52-Jährigen: Sie hatte den Diplomaten nach tagelangem Gezerre zwei Texte zur Abstimmung vorgelegt. Diese waren zuvor mit der Hilfe von Ministern aus Industrie- und Entwicklungsländern in mühevollen Sitzungen ausgearbeitet worden. Die Papiere stellen zwar kaum mehr als einen Minimalkompromiss dar, sie halten aber zumindest die internationale Klimadiplomatie am Leben. Wichtige Entscheidungen wären auf den Weg gebracht. Im kommenden Jahr sollen sie auf einem Gipfel im südafrikanischen Durban endgültig unter Dach und Fach gebracht werden.

Espinosas entscheidender Anteil an diesem Erfolg wurde von den Delegierten immer wieder gelobt. Auch EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard pries Espionsa im Gipfelplenum in höchsten Tönen. Leicht dürfte ihr das kaum gefallen sein, hatte sie selbst doch entscheidenden Anteil am Scheitern des Klimagipfels von Kopenhagen im vergangenen Dezember. Nun musste sich Hedegaard von der Mexikanerin zeigen lassen, wie man es weit besser macht: Immer wieder hatte Espinosa während des Gipfels von Cancún betont, dass die Entscheidungen nicht in Geheimgesprächen fallen dürften. Allen interessierten Staaten müssten die Türen zu den Gesprächsrunden offenstehen. Und genau das passierte auch tatsächlich.

"Wir haben alle Stimmen gehört. Wir haben auch Stimmen gehört, die bisher ungehört geblieben sind", sagte Espinosa vor den entscheidenden Abstimmungen. Dann warb sie für den Abschluss der Gespräche von Cancún: "Wir haben eine Verantwortung gegenüber uns und den kommenden Generationen." Die vorliegenden Gipfeldokumente seien das Beste, was "an dieser Stelle eines sehr langen Prozesses möglich sei".

Geholfen hat Espinosa neben ihrer ruhigen, unprätentiösen Art auch ihre umfangreiche Erfahrung: Das diplomatische Handwerk hat die zweifache Mutter in Mexiko-Stadt und Genf gelernt. Als Botschafterin arbeitete sie unter anderem in Deutschland und Österreich, davor diente sie an den Uno-Vertretungen ihres Landes in Genf und New York.

Bereits vor dem Klimagipfel in ihrem Land hatte sie immer wieder klargemacht, dass sie den Prozess gestalten möchte und sich nicht nur als reine Moderatorin des Prozesses versteht. Unterstützt wurde sie dabei von Mexikos Präsident Felipe Calderón. Wieviel Vertrauen der Staatschef in seine Außenministerin setzte, zeigte sich auch darin, dass er Espinosa die entscheidenden Stunden des Gipfels leiten ließ - und sich nicht selbst ins Rampenlicht drängte wie es im vergangenen Jahr der dänische Staatschef Lars Løkke Rasmussen getan hatte.

"Ich glaube, dass wir in Cancún die Architektur für den internationalen Klimaschutz der kommenden Jahre vereinbaren können", hatte Espinosa im SPIEGEL-ONLINE-Interviewerklärt. Das scheint ihr nun im Großen und Ganzen gelungen zu sein.

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Forum - Klimagipfel - was bringt das Treffen in Cancún?
insgesamt 1663 Beiträge
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1. Er bringt mindestens...
ratxi 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
...den Teilnehmern das Gefühl, unbeschreiblich wichtig zu sein. Und egal, was hinterher passiert, hätte man nur auf ihn (wen auch immer) gehört, wäre alles gut geworden...
2. Heiße Luft.
Wolf_68 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert?
Nichts. Ebenfalls nichts.
3.
oink_oink_weee 09.12.2010
"Rien ne va plus" solange werden es die Industrie-Staaten bzw die Macher, Tycoons, Cashsäue... treiben bis sich alles von selbst erledigt, Klimagipfel ist da überflüssig.
4. Klimalüge
Calex 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
Und wenn die Klimalüge auch noch 10 Mio mal im Spiegel abgedruckt wird. Die Menschen glauben euch nicht mehr!!! Mit dem CO2 Wahn wird nur von der ECHTEN Umweltverschmutzung durch Großkonzerne (Anholzung des Tropenwaldes, Verunreinigung von ganzen Landstricken durch RAubbau an der NAtur etc.) abgelenkt und die Schuld dem Verbraucher in die Schuhe geschoben! Frei nach dem Motto: "Wer konsumiert trägt die Schuld". Nicht etwa die Konzerne, die nur Ihre Profite sehen und die Regierungen, die mit immer neuen Steuern die Zinsen der bereits auf 1000 Jahre verpfändeten Steuergelder abdecken wollen.
5. Der Gipfel bringt nix !
querulant_99 09.12.2010
Zitat von sysopWas passiert, wenn der Klimagipfel in Cancún scheitert? Weil bei der CO2-Senkung kaum Forschritte zu erzielen sind, hoffen Teilnehmer auf Einigungen bei anderen schädlichen Treibhausgasen wie Methan - doch auch der Alternativplan hat viele Gegner. Was bringt der Gipfel in Cancún?
Da bei dieser Konferenz nichts Substantielles herauskommen wird, plädiere ich für einen pragmatischen Weg, der die Folgen mildert, wie man es auch bei Erdbeben macht: Gar nicht erst versuchen, ein Erdbeben zu verhindern, sondern erdbebensicher bauen!
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Themen des Klimagipfels in Cancún
Waldschutz
Die Vernichtung der Wälder trägt nach Angaben des Uno- Klimasekretariats zu 17 Prozent zum menschengemachten Treibhauseffekt bei. Ärmere Länder sollen Geld erhalten, wenn sie ihren Wald schützen. Dazu muss es jedoch klare Regeln geben, was ein Wald ist. Zudem müssen die Artenvielfalt und die örtliche Bevölkerung beachtet werden. Die Industrieländer sollen Faktoren, die zur Waldzerstörung in Entwicklungsländern führen, beseitigen.
Anpassung
Ärmere Länder benötigen Geld, um die Folgen des Klimawandels zu lindern. Ein solches Programm reicht vom Dammbau bis zu Versicherungen gegen Wetterextreme.
Treibhausgasausstoß
Bisher haben einzelne Staaten nur auf freiwilliger Basis nationale Klimaziele vorgelegt. Diese reichen jedoch nicht aus, um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Neue und verbindliche Zusagen sind nötig, wenn der Klimawandel auf ein für Mensch und Natur erträgliches Maß begrenzt werden soll. Neue Reduktionen könnten zum Beispiel aus dem Flug- und Schifffahrtsbereich kommen.
Finanzierung
In einer unverbindlichen Vereinbarung auf dem Klimagipfel von Kopenhagen hatten die reichen Staaten zugesagt, ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaziele in armen Ländern bereitzustellen. Vor einem umfassenden Klimavertrag müssten Finanzquellen aufgelistet und diese Zusage verbindlicher werden.

Außerdem wollten die Industrieländer den ärmeren Staaten insgesamt 30 Milliarden Dollar für 2010 bis 2012 für die Anpassung an den Klimawandel und eine umweltfreundliche Entwicklung geben. Klimaschützer kritisieren jedoch mangelnde Transparenz und befürchten, dass es dann Abzüge von der bisher geplanten Entwicklungshilfe gibt.
Überprüfung
Vor Abschluss eines umfassenden Vertrags muss sich die Staatengemeinschaft auf ein differenziertes Mess- und Kontrollsystem der Klimaschutzaktivitäten einigen. Darauf legen nicht zuletzt die USA Wert - und haben speziell China im Blick.

Multimedia-Special
Der lange Weg zum Klimaschutz
1988
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.
1992
Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio vereinbaren die Staaten, den Ausstoß der Treibhausgase so zu begrenzen, dass "sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können" und "die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird". Nach Meinung vieler Forscher kann dieses Ziel erreicht werden, wenn die globale Temperatur nicht stärker als zwei Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert steigt. Eines der Ergebnisse des Gipfels von Rio sind die Unterschriften fast aller Staaten unter die Klimarahmenkonvention (UNFCCC), die zuvor in New York ausgehandelt worden war.
1994
Die Klimarahmenkonvention tritt in Kraft. Rund 190 Staaten haben sie mittlerweile ratifiziert, die USA ist auch dabei.
1997
Das Kyoto-Protokoll wird auf einem Gipfel in der japanischen Stadt verabschiedet. Es gilt als erster konkreter Schritt, um die Ziele der Klimarahmenkonvention umzusetzen. Die Industriestaaten verpflichten sich, den Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase bis 2012 im Schnitt um mindestens fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die Entwicklungsländer erhalten keine Auflagen. Inzwischen haben mehr als 180 Staaten Kyoto ratifiziert - nicht jedoch die USA.
2005
Das Kyoto-Protokoll tritt in Kraft, nachdem zuvor auch Russland den Vertrag gebilligt hat und so die Zahl der nötigen Ratifikationen erreicht ist. Das Abkommen läuft 2012 aus. Um seinen Nachfolger geht es beim Klimagipfel in Kopenhagen.
2007
Der Klimagipfel auf der indonesischen Insel Bali vereinbart einen Fahrplan für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll. Dieser Fahrplan sieht vor, die Verhandlungen innerhalb von zwei Jahren zu beenden - bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen. Gelungen ist das allerdings nicht, auch nach Kopenhagen werden die internationalen Gespräche weitergehen müssen.
2009
Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen wollen sich die Staaten auf ein bindendes politisches Abkommen einigen. Erstmals sind nicht nur die Umweltminister, sondern auch die Staats- und Regierungschefs direkt an den Verhandlungen beteiligt. Doch anstatt die ungeheuren Erwartungen zu erfüllen, endet der Gipfel in einem Desaster: Am Ende des zweiwöchigen Ringens steht ein Mini-Kompromiss, der kaum Konkretes enthält und für den globalen Klimaschutz einen herben Rückschlag bedeutet.