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Klimapoker in Kopenhagen: "Die Stunde der Amateure ist zu Ende"

Aus Kopenhagen berichtet

Die Klimaverhandlungen von Kopenhagen erreichen die entscheidende Phase und geraten prompt ins Stocken. Alle Hoffnungen richten sich nun auf eine Einigung der Staats- und Regierungschefs - und einen Sinneswandel der Großverschmutzer USA und China.

John Kerry: Stehende Ovationen für Rede des US-Senators Zur Großansicht
AP

John Kerry: Stehende Ovationen für Rede des US-Senators

Exakt 29 Minuten und fünf Sekunden brauchte US-Senator John Kerry beim Klimagipfel in Kopenhagen, um das Publikum von den Sitzen zu reißen. "Die Stunde der Amateure ist zu Ende", rief Kerry, der 2004 die Präsidentenwahl gegen George W. Bush verlor, aber noch immer einer der einflussreichsten Senatoren Washingtons ist. "Die Erkenntnisse der Wissenschaft verlangen, dass wir handeln."

Der Senator konnte sich einen Seitenhieb auf den früheren US-Vizepräsidenten Dick Cheney nicht verkneifen. Der hatte argumentiert, schon die einprozentige Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags sei eine hundertprozentige Rechtfertigung für präventive Maßnahmen. "Wenn uns nun die Wissenschaft sagt, dass der Klimawandel mit nahezu hundertprozentiger Gewissheit eintritt", sagte Kerry, "dann sollten wir erst recht zusammenstehen und diese tödliche Bedrohung für das Leben auf diesem Planeten bekämpfen."

Die stehenden Ovationen, die Kerry für seine Rede bekam, waren keine Selbstverständlichkeit angesichts der Rolle, die sein Land bisher bei den Verhandlungen gespielt hat. In der Nacht zum Mittwoch gingen die Delegationen erst um sieben Uhr auseinander, um der dänischen Konferenzleitung ihre Ergebnisse zu übergeben. Auf ihrer Basis sollte Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen, der die Leitung des Klimagipfels inzwischen von Connie Hedegaard übernommen hat, den ersten offiziellen Entwurf einer Abschlusserklärung des Gipfels präsentieren.

De Boer: "Die nächsten 24 Stunden entscheiden"

Das aber war bisher bis zum Mittwochabend nicht geschehen, da die Verhandlungen erneut zum Erliegen kamen. Uno-Klimachef Yvo de Boer war dennoch zum Scherzen aufgelegt: "Die Seilbahn hat unerwartet angehalten. Aber sobald der Strom wieder da ist, wird es weitergehen." Allerdings machte er klar, dass die Lage durchaus ernst ist. "Es gibt eine Reihe von Problemen, die auf Ministerebene oder höher gelöst werden müssen", so de Boer. Er glaube immer noch daran, dass ein "echter Erfolg" möglich ist. "Dafür werden die nächsten 24 Stunden aber absolut entscheidend sein."

Ob der Klimagipfel tatsächlich als Erfolg gewertet werden wird, hängt nach Meinung von Wissenschaftlern und Umweltschützern von folgenden Mindestkriterien ab:

  • Alle Staaten müssen sich verpflichten, die globale Erwärmung auf zwei Grad, am besten auf 1,5 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen.
  • Die Industrienationen müssen die langfristigen Ziele zur Reduzierung ihres Treibhausgas-Ausstoßes in konkrete Zahlen fassen. Nach Meinung von Wissenschaftlern müssen die Kohlendioxid-Emissionen bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent gegenüber 1990 sinken.
  • Auf dem Weg zu diesem Ziel müssen konkrete Zwischenschritte vereinbart werden - etwa eine 40-prozentige CO2-Reduzierung bis zum Jahr 2020.
  • Die Industriestaaten müssen konkrete Zusagen sowohl zur kurzfristigen als auch zur langfristigen Finanzhilfe an die ärmeren Länder treffen.
  • Die Entwicklungs- und Schwellenländer, allen voran große Volkswirtschaften wie China, Indien und Brasilien, müssen ihrerseits konkrete Zahlen zur Senkung ihres CO2-Ausstoßes akzeptieren.

Vor allem aber müssten die Kopenhagener Beschlüsse rechtlich verbindlich sein. "Eine bloße politische Absichtserklärung wäre das Worst-Case-Szenario", sagt Stefan Krug, der Leiter der Berliner Greenpeace-Vertretung, SPIEGEL ONLINE. Was in Dänemarks Hauptstadt beschlossen werde, müsse binnen weniger Monate zu einem ratifizierbaren völkerrechtlichen Vertrag ausgearbeitet werden - und dürfte keinesfalls nochmals aufgeschnürt werden. "Mehr politischen Schwung wie hier werden wir nie wieder bekommen", meint Krug. Einen entscheidenden Zuwachs an neuen Erkenntnissen werde es nach Kopenhagen nicht mehr geben. "Wenn hier nichts passiert, ist die Luft raus."

Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen betonte am Mittwoch: Nicht nur die Zahlen in der Abschlusserklärung seien "das Entscheidende", sondern auch ihre "rechtliche Verbindlichkeit". Er erwarte, dass der Text, der am Freitag beschlossen werde, "keine politische Absichtserklärung" sei, sondern "Entscheidungscharakter" habe.

Bis dahin aber ist der Weg noch weit. Am Mittwoch kam es wieder zum Stillstand in den Verhandlungen. China, Indien, Südafrika, Brasilien, der Sudan und einige weitere Länder beklagten sich erneut darüber, nicht ausreichend informiert zu werden. Die Ergebnisse vom Mittwochmorgen "kamen für uns wie aus dem Nichts", sagte Chinas Verhandlungsführer Su Wei. Er bezichtigte die Industrienationen des Versuchs, "das Kyoto-Protokoll zu killen". Das Abkommen enthält für viele Industriestaaten - nicht aber für China - verbindliche Klimaschutzverpflichtungen.

Die Entwicklungsländer dringen deshalb darauf, das Kyoto-Protokoll auch über 2012 hinaus fortzuführen, was aber die Vereinigten Staaten - die das Protokoll nie ratifiziert haben - kategorisch ablehnen. Deshalb wird in Kopenhagen inzwischen in zwei parallelen Strängen verhandelt, so dass am Ende zwei Abschlusspapiere stehen könnten.

Berlins Greenpeace-Chef Krug hofft nun auf ein Eingreifen der Staats- und Regierungschefs. "Die Entwurfstexte sind ein Scherbenhaufen", so Krug. "Die technischen Details sind ausverhandelt. Wir brauchen jetzt eine politische Entscheidung."

Kerry droht Schwellenländern

Doch wie schwer die fällt, machte US-Senator Kerry deutlicher als die meisten anderen anwesenden Politiker - er hat ja auch den Vorteil, nicht direkt an den Verhandlungen teilnehmen zu müssen. Kerry räumte zwar ein, dass die USA fünf Prozent der Weltbevölkerung beherbergen, aber 20 Prozent der CO2-Emissionen verursachen - und dass daraus eine gewisse Verantwortung erwachse. "Aber China wird 2020 voraussichtlich 40 Prozent mehr CO2 ausstoßen als die USA."

Deshalb müsse auch Peking verbindliche Klimaziele akzeptieren. In den USA müsse man einem Senator aus Ohio klarmachen können, "dass Stahlarbeiter in seinem Bundesstaat nicht ihre Jobs an Indien oder China verlieren", weil diese Länder sich weigerten, in einer klaren und überprüfbaren Weise an einem globalen Klimaschutz-Regime teilzunehmen.

"Und wenn erst einmal ein Klimavertrag abgeschlossen ist, dann dürfen Länder, die ihre Emissionen nicht ernsthaft zu senken versuchen, nicht erwarten, ihre CO2-intensiven Produkte auf den Märkten anderer Leute abladen zu können", sagte Kerry. "In diesem Punkt spreche ich sicherlich für die Vereinigten Staaten." Mit anderen Worten: Sollten die USA ihre Emissionen senken, große Schwellenländer wie China aber nicht, könnte es am Ende Handelssanktionen geben.

Eine der wenigen erfreulichen Nachrichten vom Mittwoch war, dass die Gruppe der afrikanischen Staaten ihre Forderungen für Finanzhilfen der Industriestaaten auf langfristig 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr heruntergeschraubt haben - was in etwa dem entspricht, was die reichen Länder bereits angeboten haben. Laut Äthiopiens Premierminister Meles Zenawi sollen die Transfers 2013 beginnen, bis 2015 auf 50 Milliarden und bis 2020 auf 100 Milliarden Dollar pro Jahr steigen.

Zwischen den Fronten der Großmächte fühlt sich mancher inzwischen davon bedroht, mitsamt seiner Interessen unterzugehen - und das im wahrsten Sinne des Wortes. "Wir sind extrem enttäuscht", sagte Ian Fry, der Vertreter des pazifischen Inselstaats Tuvalu. "Ich habe das beängstigende Gefühl, dass wir uns auf der Titanic befinden und schnell sinken. Es ist Zeit, die Rettungsboote loszumachen."

Dass diese Einschätzung stimmen könnte, machte auch John Holdren, Wissenschaftsberater von US-Präsident Barack Obama, nochmals klar. Kategorisch wies er Behauptungen zurück, die Erderwärmung verlangsame sich oder sei nur Folge natürlicher Variation. 2005 und 2007 zählten zu den heißesten Jahren seit der systematischen Aufzeichnung von Temperaturen. In der Arktis sei 2009 ein besonders drastischer Schwund von dickem Eis zu beobachten gewesen. Und der Meeresspiegel steige doppelt so schnell wie im Durchschnitt des 20. Jahrhunderts, so dass ein Anstieg von einem bis zwei Metern wahrscheinlich sei. "Wir sind schon mittendrin im Klimawandel, und es gibt weltweit erhebliche Schäden", sagte der Harvard-Physiker.

Hitzewellen könnten zur Regel werden

Hitzewellen wie die in Europa von 2003, die rund 70.000 Menschen das Leben kostete, würden zur Regel werden, sollte der CO2-Ausstoß nicht stark gedrosselt werden. "2040 wird eine solche Hitzewelle alle zwei Jahre auftreten, und 2070 wird man sie als ungewöhnlich kaltes Jahr einstufen."

Sollte sich unter den am schwersten vom Klimawandel bedrohten Staaten das Gefühl breitmachen, in Kopenhagen allein gelassen zu werden, könnte das gefährliche Folgen haben - denn die Vereinten Nationen können ihren Beschluss nur einstimmig fassen. Selbst kleine Länder wie etwa der 20.000 Einwohner zählende pazifische Inselstaat Palau könnten den Klimadeal theoretisch platzen lassen.

"Die Doktrin der Fairness verlangt, dass diejenigen, die am meisten zur globalen Erwärmung beitragen, auch am meisten dazu beitragen, die Bedrohung durch den Klimawandel abzuwenden", sagte Palaus Präsident Johnson Toribiong. Auf die Frage, ob er sich im Extremfall einer Unterschrift verweigern werde, antwortete er ausweichend. "Ich werde jedes Abkommen unterzeichnen, dass mir eine bessere Hoffnung für die Zukunft gibt", sagte Toribiong im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Das Schicksal seiner Heimat erhebt er zur Prüfung für die Welt: "Ich stehe hier, um für die Schwächsten und Verwundbarsten zu sprechen", so Toribiong. "Sie zu schützen, stellt den Willen der Menschheit zur Selbsterhaltung auf die Probe." Lasse man sie sterben, "akzeptiert man den Tod und die Niederlage".

Mitarbeit: Christian Schwägerl

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Hitzetote?
anin, 16.12.2009
Zitat von sysopDie Klimaverhandlungen von Kopenhagen erreichen die entscheidende Phase erreicht - und geraten prompt ins Stocken. Alle Hoffnungen richten sich nun auf eine Einigung der Staats- und Regierungschefs - und auf einen Sinneswandel der Großverschmutzer USA und China. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,667505,00.html
In diesem Bericht ist von den Hitzetotendes Sommers 2003 die Rede. Wenn man dieses: http://www.pflegewiki.de/wiki/Hitzetote liest, dann relativiert sich Einiges. Ich kann nicht verstehen, wie ein Harvard-Wissenschaftler mit solch einer Argumentation "punkten" kann?
2. Und wieviele starben nicht wegen Kälte?
Chirac, 16.12.2009
Zitat von aninIn diesem Bericht ist von den Hitzetotendes Sommers 2003 die Rede. Wenn man dieses: http://www.pflegewiki.de/wiki/Hitzetote liest, dann relativiert sich Einiges. Ich kann nicht verstehen, wie ein Harvard-Wissenschaftler mit solch einer Argumentation "punkten" kann?
Wie immer werden uns Halbwahrheiten zur "Klimakatastrophe" verkauft, diesmal war's ein Harvard Physiker. Wie heißt es doch so schön? Wer's nicht zum MIT schafft, muß halt nach Harvard gehen..."
3. Klimakatastrophenlyrik
Jenli, 16.12.2009
Zitat von sysopDie Klimaverhandlungen von Kopenhagen erreichen die entscheidende Phase erreicht - und geraten prompt ins Stocken. Alle Hoffnungen richten sich nun auf eine Einigung der Staats- und Regierungschefs - und auf einen Sinneswandel der Großverschmutzer USA und China. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,667505,00.html
Klimakatastrophenlyrik scheint die neue Spezialität des Umweltressorts des SPIEGEL geworden zu sein, der in dem zu diesem Threat gehörenden Artikel fast wortwörtlich den völligen Unsinn nachbetet, der seit Monaten die Menschen verunsichern soll und den manch anderer in der Spiegel-Redaktion inzwischen selber nicht mehr glaubt. Ich verweise nur auf den kürzlich veröffentlichten Artikel über die seit 10 Jahren ausbleibende weitere Erwärmung und die ungeklärte, aber wahrscheinlich wesentliche Rolle der Sonne im Temperaturgeschehen der Erde. Ganz zu schweigen, dass Untersuchungen inzwischen festgestellt haben, dass sowohl GISS, als auch CRU Temperaturrohdaten auf eine Art und Weise "homogenisiert" haben, was man nur als unerhöhrt und fast kriminell nennen kann. Die ganze adjustierte Datenbestand der heute vorliegt ist völlig fragwürdig und muss genauestens untersucht werden. Das UKMetOffice ist damit beschäftigt und wird etwa drei Jahre dafür benötigen. Bis nicht klar ist, wie und was an den Datensätzen manipuliert wurde, sollte jede weitere Aktivität hinsichtlich irgendwelcher Temperaturziele, die zu erreichen sein sollen, eingestellt werden.
4. @Jenli
manivelle 16.12.2009
Wie die meisten Einträge, die versuchen, der Klimawandel noch in Frage zu stellen, geben Sie für Ihre Behauptungen keine Quelle...
5. Klimakatastrophenlyrik - Einige Quellen
Jenli, 16.12.2009
Zitat von manivelleWie die meisten Einträge, die versuchen, der Klimawandel noch in Frage zu stellen, geben Sie für Ihre Behauptungen keine Quelle...
Wir sind hier zwar nicht im Uni-Seminar und Sie könnten auch mal ein wenig selbst recherchieren, aber um es Ihnen leichter zu machen, nachstehend die Quellen bzw. Berichte mit Links zu den Quellen: http://klimablog.blog.de/2009/12/05/climategate-uk-metoffice-ueberprueft-temperaturdaten-160-jahren-7514651/ http://klimablog.blog.de/2009/12/06/climategate-ipcc-ordnet-untersuchung-7521337/ http://klimablog.blog.de/2009/12/09/meereisschmelze-dramatisch-beschleunigt-7539899/ http://klimablog.blog.de/2009/12/09/science-is-settled-7539369/ http://klimablog.blog.de/2009/12/08/e-pluribus-unum-7534601/ http://klimablog.blog.de/2009/12/08/princeton-physiker-fordern-konsequenzen-7534884/ http://klimablog.blog.de/2009/12/10/hockeystick-7546537/ http://klimablog.blog.de/2009/12/10/shaviv-7551970/ http://klimablog.blog.de/2009/12/13/original-homogenisierte-daten-7565190/ http://klimablog.blog.de/2009/12/14/makelloser-stern-7575185/ http://klimablog.blog.de/2009/12/15/kollektion-7579422/ http://klimablog.blog.de/2009/12/15/unmoegliche-traum-7579888/ http://klimablog.blog.de/2009/12/15/knock-on-wood-mr-michael-mann-7581072/ http://klimablog.blog.de/2009/12/13/homogenized-and-adjusted-temperatur-data-7566727/ http://klimablog.blog.de/2009/12/06/climategate-spiegel-reibt-7518318/ http://klimablog.blog.de/2009/12/05/climategate-spannungsfeld-wissenschaft-gesellschaft-7517109/ http://klimablog.blog.de/2009/12/05/bock-gerne-gaertner-gemacht-7515238/ http://klimablog.blog.de/2009/12/04/climategate-phil-jones-druck-waechst-7509097/ http://klimablog.blog.de/2009/12/02/cru-temperaturmessreihen-adaptiert-wurden-7498670/ http://klimablog.blog.de/2009/12/02/climategate-bbc-gibt-diskussion-raum-7495538/
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Kopenhagen: Proteste beim Klimagipfel
Wer wie viel CO2 reduzieren will
EU
Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.
Russland
Russland will sich dem EU-Ziel von 20 Prozent weniger Treibhausgasen bis 2020 anschließen. Basisjahr soll 1990 sein. In einem zweiten Schritt könnte die Einsparung sogar auf 25 Prozent erhöht werden. Russlands CO2-Ausstoß ist infolge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs Anfang der neunziger Jahre ohnehin massiv zurückgegangen.
USA
Die USA planen bis 2020 eine Verminderung um 17 Prozent, allerdings bezogen auf das Basisjahr 2005. Verglichen mit 1990 bedeutet das nach Berechnungen der Bundesregierung nur ein Minus von rund sechs Prozent. Bis 2025 sollten sie dann um 30 Prozent und bis 2030 um 42 Prozent sinken - jeweils bezogen auf 2005. Ob der Senat - dort wird derzeit über ein Klimaschutzgesetz gestritten - diese Ziele unterstützt ist unklar.
Japan
Das Land hat zugesagt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um mindestens 15 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 zu reduzieren. Das soll unter anderem durch den Bau neuer Kernkraftwerke geschehen. Umweltschützer kritisieren, dass sich bezogen auf das Basisjahr 1990 nur eine Reduktion um acht oder neun Prozent ergibt - und Japan bereits sechs Prozent Reduktion nach dem Kyoto-Protokoll zugesagt hat.
Brasilien
Brasilien hat größere freiwillige Emissionssenkungen in Aussicht gestellt. Der CO2-Ausstoß soll im Jahr 2020 zwischen 36,1 und 38,9 Prozent niedriger liegen als die bisher prognostizierten Werte. Damit lägen die Emissionen wieder auf dem Niveau von 1994. Gegenüber dem Niveau des Jahres 2005 würde der Schritt einen Rückgang von rund 20 Prozent bedeuten. Etwa ein Viertel der Zielvorgabe soll dadurch erreicht werden, dass erheblich weniger Regenwald abgeholzt wird.
China
Peking will bisher keine bindenden CO2-Reduktionsziele akzeptieren. Als freiwillige Maßnahme will China aber dafür sorgen, dass der Ausstoß an Treibhausgasen in Zukunft nicht mehr ganz so stark zulegt wie das Wirtschaftswachstum des Landes. Die Treibhausgase, die für jeden Yuan Wirtschaftsleistung ausgestoßen werden, sollen demnach bis zum Jahr 2020 um 40 bis 45 Prozent verringert werden. Vergleichsjahr ist 2005.
Indien
Auch Indien hat mehrfach klargemacht, dass sich das Land formalen Reduktionsverpflichtungen definitiv verweigern will.
Australien
Das Land arbeitet seine Reduktionsverpflichtungen derzeit noch aus. Diskutiert werden Vorschläge der Regierung, bis zum Jahr 2020 den CO2-Ausstoß um fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2000 zu verringern. Wenn andere Staaten sich ebenfalls zu Reduktionen verpflichten, ist ein Minus von 15 Prozent für denselben Zeitraum in Aussicht gestellt.

Multimedia-Special
Weltklimaverhandlungen
Wichtige Punkte
Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.
Worum geht es?
Die internationale Staatengemeinschaft will sich vom 7. bis 18. Dezember in Kopenhagen auf ein neues Weltklimaabkommen einigen. Es wird das Kyoto-Protokoll ersetzen, das 2012 ausläuft. Es schrieb vor, dass die Industrieländer die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase zwischen 2008 bis 2012 um durchschnittlich 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 senken. Doch die USA, bis vor kurzem der größte Kohlendioxid (CO2)-Emittent, haben das Abkommen nie ratifiziert. Und China, heute größter Luftverschmutzer, bekam überhaupt keine verbindlichen Reduktionsziele vorgeschrieben, weil es damals noch als reines Entwicklungsland eingestuft wurde.
Wer sind die wichtigsten Akteure?
Außer den USA und China sollen diesmal auch die anderen Schwellenländer wie Indien, Mexiko oder Brasilien ins Boot geholt werden. Insgesamt werden 192 Staaten nach Kopenhagen reisen. Doch auch die Entwicklungsländer sollen Verantwortung übernehmen und Wege festlegen, wie sie klimaschonendes Wirtschaftswachstum erreichen wollen. Der Westen ist dafür auch zu Finanz- und Technologietransfers bereit.
Wie ist der Stand in Europa?
Europa - vor allem Deutschland - sieht sich gerne als Vorreiter im globalen Kampf gegen die Erderwärmung. In den globalen Verhandlungen tritt das Bündnis gemeinsam auf, vertreten von der EU-Kommission und der EU-Ratspräsidentschaft, derzeit Schweden. Die 27 EU-Staaten haben im Dezember in ihrem "EU-Klimapaket" beschlossen, bis 2020 den CO2-Ausstoß um ein Fünftel gegenüber 1990 zu senken. Jetzt fordert die EU von den anderen großen Verschmutzern ähnliche Bekenntnisse.

Doch während in der EU, aber auch in Russland, der CO2-Ausstoß von 1990 bis 2005 wegen des Zusammenbruchs der Ostblock-Schwerindustrien sowieso sank, stieg er im gleichen Zeitraum in den USA, Japan und anderen großen Industrienationen. Gemessen am derzeitigen Niveau müsste die EU ihren Ausstoß nur noch um zwölf Prozent senken. Besonders Japan fordert deshalb 2005 als Basisjahr und hat ein Reduktionsziel von 15 Prozent angeboten. Die USA wollen ihre Treibhausgase im gleichen Zeitraum um 17 Prozent reduzieren. Der Weltklimarat (IPCC) fordert Minderungen um 25 bis 40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990.
Was sind die Knackpunkte der Verhandlungen?
Es geht um Geld, Bezugsjahre und Prozente. Der Streit um das Basisjahr steht symptomatisch für das globale Ringen um die Lastenteilung. Die Entwicklungs- und Schwellenländer beharren auf der Schuld des Westens am Klimawandel und fordern ihre Rechte auf Wohlstand und Wirtschaftswachstum. Die Industrienationen sind bereit, der Dritten Welt zu helfen, in Kopenhagen kursiert die Zahl von hundert Milliarden Dollar, die bis 2020 pro Jahr gezahlt werden sollen. Experten Umstritten ist auch der Schlüssel, mit dem die Gelder auf die einzelnen Länder umgerechnet werden sollen.

Experten streiten zudem darüber, ob Technologien wie die CO2-Abscheidung und -Lagerung oder klimafreundliche Projekte in Entwicklungsländern angerechnet werden können oder ob sie nicht vielmehr das Problem nur aufschieben und deshalb abzulehnen sind.
Was, wenn die Verhandlungen scheitern?
Gibt es in Kopenhagen keine Einigung, ist nicht alles verloren, aber es wird zeitlich eng: Bis 2012 muss eine neue Konvention ratifiziert sein, da dann das Kyoto-Protokoll ausläuft. Und sollte die Weltgemeinschaft nicht zusammenstehen, dürfte die Erderwärmung ungebremst weitergehen. Experten warnen, dass die Temperaturen noch in diesem Jahrhundert um mehr als sechs Grad steigen würden. Es drohen katastrophale Überschwemmungen wegen der Eisschmelze, Dürren, Stürme, Artensterben und Millionen "Klimaflüchtlinge". ssu/dpa

Der lange Weg zum Klimaschutz
1988
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gründen den Weltklimarat (IPCC). Der IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft, er sammelt stattdessen Daten zum Klimawandel und entwickelt Strategien zur Anpassung. Das Gremium hat bisher vier sogenannte Sachstandsberichte verfasst, der nächste ist für 2014 geplant. Der IPCC ist nicht direkt in das Klimasystem der Uno eingebunden, liefert aber den wissenschaftlichen Hintergrund für die Verhandlungen.
1992
Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio vereinbaren die Staaten, den Ausstoß der Treibhausgase so zu begrenzen, dass "sich die Ökosysteme auf natürliche Weise den Klimaänderungen anpassen können" und "die Nahrungsmittelerzeugung nicht bedroht wird". Nach Meinung vieler Forscher kann dieses Ziel erreicht werden, wenn die globale Temperatur nicht stärker als zwei Grad Celsius über den Wert vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert steigt. Eines der Ergebnisse des Gipfels von Rio sind die Unterschriften fast aller Staaten unter die Klimarahmenkonvention (UNFCCC), die zuvor in New York ausgehandelt worden war.
1994
Die Klimarahmenkonvention tritt in Kraft. Rund 190 Staaten haben sie mittlerweile ratifiziert, die USA ist auch dabei.
1997
Das Kyoto-Protokoll wird auf einem Gipfel in der japanischen Stadt verabschiedet. Es gilt als erster konkreter Schritt, um die Ziele der Klimarahmenkonvention umzusetzen. Die Industriestaaten verpflichten sich, den Ausstoß der wichtigsten Treibhausgase bis 2012 im Schnitt um mindestens fünf Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Die Entwicklungsländer erhalten keine Auflagen. Inzwischen haben mehr als 180 Staaten Kyoto ratifiziert - nicht jedoch die USA.
2005
Das Kyoto-Protokoll tritt in Kraft, nachdem zuvor auch Russland den Vertrag gebilligt hat und so die Zahl der nötigen Ratifikationen erreicht ist. Das Abkommen läuft 2012 aus. Um seinen Nachfolger geht es beim Klimagipfel in Kopenhagen.
2007
Der Klimagipfel auf der indonesischen Insel Bali vereinbart einen Fahrplan für ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll. Dieser Fahrplan sieht vor, die Verhandlungen innerhalb von zwei Jahren zu beenden - bis zur Klimakonferenz in Kopenhagen. Gelungen ist das allerdings nicht, auch nach Kopenhagen werden die internationalen Gespräche weitergehen müssen.
2009
Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen wollen sich die Staaten auf ein politisches, aber bindendes Abkommen einigen. Die Kernpunkte sind klar, wie viel von ihnen sich tatsächlich im Text finden wird, werden erst die Verhandlungen zeigen. Die Industriestaaten sollen ihren Treibhausgasausstoß reduzieren und Geld für die Anpassung von Entwicklungsländern an den Klimawandel geben. Die ärmeren Staaten sollen im Gegenzug bestimmte Zusagen geben. In dem Vertrag könnte auch der Schutz der Tropenwälder besonders hervorgehoben werden.

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