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Klimapolitik Wenn Forschern die Demokratie lästig wird

Erschöpfte Delegierte in Kopenhagen: Forscher (ver)zweifeln an der DemokratieZur Großansicht
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Erschöpfte Delegierte in Kopenhagen: Forscher (ver)zweifeln an der Demokratie

2. Teil: Sieben Gründe, an der Demokratie zu zweifeln

Was genau passiert hier? Die Diagnose des Trends zum Zweifel an der Demokratie stützt sich auf eine Anzahl von Beobachtungen, die ihrerseits in einem Zusammenhang stehen:

  • Erstens: Die Robustheit der wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Klimaerwärmung und der Konsens in der Fachgemeinde haben sich in den vergangenen Jahren nicht nur erhöht. Auch die Zahl der Untersuchungen aus jüngster Zeit, die weitaus dramatischere und länger andauernde Folgen der Erwärmung als bisher angenommen prognostizieren, hat zugenommen. Wie ist es aber möglich, so hört man immer öfter, dass diese zuverlässigen Erkenntnisse einfach keine nachhaltigen und wirksamen Konsequenzen für das Handeln der Gesellschaften haben? Wie ist es möglich, dass die Politik den daraus sich ergebenden dringenden Handlungsbedarf nicht in Taten umsetzt?
  • Zweitens: Der Erfolg der bisher dominanten Klimapolitik ist ausgeblieben. Ergebnis der gegenwärtigen weltweiten Rezession ist eine nicht beabsichtigte Reduktion des Anstiegs des CO2-Ausstoßes. Die weltweiten Reaktionen auf die Wirtschaftkrise zeigen aber sehr deutlich, das keine Regierung die Minderung des Wohlstandswachstums als Königsweg zur Emissionsbekämpfung ansieht. Im Gegenteil: Alle in Gang gesetzten Maßnahmen zielen auf eine Ankurbelung des Wirtschaftswachstums ab. Mit dem Anspringen der Konjunktur werden aber auch die Emissionen wieder steigen.
  • Drittens: Die Diskussion der Optionen für eine zukünftige Politik geht offenbar davon aus, dass die bisher verfehlte Klimapolitik nur effektiver und rationaler gestaltet werden müsse: Alle Staaten müssten versuchen, konkrete, aber weitaus umfassendere Ziele zur Emissionsreduktion zu vereinbaren. Nur ein "Super-Kyoto" könne uns noch helfen. Wie das aber durchgesetzt werden soll, verfängt sich im Nebel allgemeiner Absichtserklärungen und schärft die Skepsis der Forscher. Aus der Summe dieser Überlegungen entsteht der Eindruck, dass die Demokratie für dieses Problem nicht geeignet sei und die langsamen Verfahren zur Durchsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse uns in ungeahnte Gefahren stürzten. Das demokratische System zum Ausgleich von Interessen müsse angesichts einer alles überschattenden Gefahr versagen.
  • Viertens: Spekulationen über eine lästige, gescheiterte Demokratie, die Erkenntnisse nicht zeitnah in Handeln umsetzt, kommen in der Regel von Wissenschaftlern, die sich bisher kaum einen Namen auf dem Gebiet der Politik- oder Kulturwissenschaften gemacht haben.
  • Fünftens: In der argumentativen Architektur der ungeduldigen Demokratiekritiker kommt es zu einer unangemessenen Verschmelzung von Natur und Gesellschaft. Die Unsicherheiten, die die Naturwissenschaft aus dem Wissen über die Naturprozesse beseitigt hat, werden auch für die gesellschaftliche Seite des Lebens für vernachlässigbar erklärt. Es wird betont, wir wüssten, was zu tun sei - in Bezug auf die Natur ebenso wie auf die Gesellschaft. Die für die Gesellschaft konstitutiven Unsicherheiten werden daher als elementare Handlungshindernisse wahrgenommen, die so schnell wie möglich - natürlich durch einen Top-down-Ansatz - beseitigt werden müssten.
  • Sechstens: Der Diskurs der Ungeduldigen privilegiert hegemonische Akteure wie zum Beispiel Weltmächte, Staaten, transnationale Organisationen und multinationale Konzerne. Partizipative Strategien sind selten, die Senkung der CO2-Emissionen hat Vorrang vor der Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Globale Erkenntnisse triumphieren über lokales Handeln.
  • Siebtens drückt sich in der wachsenden Ungeduld prominenter Klimaforscher eine unausgesprochene Vereinnahmung populärer, globaler Gesellschaftstheorien aus. Wir denken in diesem Zusammenhang insbesondere an Jared Diamonds Thesen zum Schicksal menschlicher Gesellschaften. Diamond argumentiert, dass Gesellschaften nur eine Überlebenschance hätten, wenn sie auf eine nicht-nachhaltige Lebensweise verzichteten.

Klimaforscher haben sich anscheinend von der - nicht nur umweltdeterministischen - Gesellschaftstheorie Diamonds beeindrucken lassen. Allerdings ziehen sie daraus den falschen Schluss, dass nur autoritär geführte Regime wirksame und richtige Entscheidungen zum Problem des Klimawandels treffen könnten. Die Geschichte lehrt uns, dass das Gegenteil der Fall ist.

Deshalb kann auch das heutige China - im Gegensatz zu den Hoffnungen der australischen Wissenschaftler Shearman und Smith - in dieser Hinsicht kein Vorbild sein.

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insgesamt 241 Beiträge
OlafKoeln 29.12.2009
Das ist sicher der falsche Weg - wenn auch die Forderung verständlich ist. Zeit wäre es schon lange für Notmaßnahmen und Notverordnungen (von Sonntagsfahrverbot bis harte Engiesparverordnungen und Umweltvorschriften) - weltweit. [...]
Zitat von sysopDer Kopenhagener Gipfel ist gescheitert - und Klimaforscher spielen mit dem Gedanken an eine autoritäre Regierungsform, um die globale Erwärmung zu bewältigen. Die Wissenschaftler Nico Stehr und Hans von Storch warnen vor dieser antidemokratischen Strömung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,669398,00.html
Das ist sicher der falsche Weg - wenn auch die Forderung verständlich ist. Zeit wäre es schon lange für Notmaßnahmen und Notverordnungen (von Sonntagsfahrverbot bis harte Engiesparverordnungen und Umweltvorschriften) - weltweit. Aber ohne demokratische Grundlage hätten wir bald eine Diktatur, für welche der Klimaschutz nur Vorwand wäre.
ZWV@SPON 29.12.2009
In solch einer Diktatur aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse bzw. Zukunftsszenarien werden sich die Menschlichen Parasiten festsetzen und das gut gemeinte in einen Schrecken ohne vorläufiges Ende umsetzen. Eine freie und [...]
Zitat von sysopDer Kopenhagener Gipfel ist gescheitert - und Klimaforscher spielen mit dem Gedanken an eine autoritäre Regierungsform, um die globale Erwärmung zu bewältigen. Die Wissenschaftler Nico Stehr und Hans von Storch warnen vor dieser antidemokratischen Strömung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,669398,00.html
In solch einer Diktatur aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse bzw. Zukunftsszenarien werden sich die Menschlichen Parasiten festsetzen und das gut gemeinte in einen Schrecken ohne vorläufiges Ende umsetzen. Eine freie und kritische Wissenschaft würde sich damit selbst vernichten. Bildung und Aufklärung ist, meiner Meinung nach, der einzige Weg der es Möglich macht mit den zukünftigen Herausforderungen, die uns der Klimawandel(egal ob durch Menschen beeinflusst oder nicht) bringt erfolgreich zu begegnen. Gruß oli
Ein Belgier 29.12.2009
Ja und als erstes würden Leute wie Gerlich, Hebert, Thieme... zum Schweigen gebracht; die wiedersprechen nämlich den Modellen die aus der CO2 Spurengaszunahme eine "Klimakatastrophe" ableiten. Wahrscheinlich geht es den [...]
Ja und als erstes würden Leute wie Gerlich, Hebert, Thieme... zum Schweigen gebracht; die wiedersprechen nämlich den Modellen die aus der CO2 Spurengaszunahme eine "Klimakatastrophe" ableiten. Wahrscheinlich geht es den "Wissenschaftlern" die nach autoritären Strukturen rufen ja auch zuerst darum lästige "Skeptiker" kalt zu stellen...
Ben Major 29.12.2009
Die Umweltbewegungen wollen einen Sozialismus 2.0, diesmal wird nicht das Geld, sondern das C02 Budget "gerecht" verteilt. In der Summe bedeutet das vor allem persönlichen Macht und Wohlstandszuwachs. NGO`s sind [...]
Zitat von sysopDer Kopenhagener Gipfel ist gescheitert - und Klimaforscher spielen mit dem Gedanken an eine autoritäre Regierungsform, um die globale Erwärmung zu bewältigen. Die Wissenschaftler Nico Stehr und Hans von Storch warnen vor dieser antidemokratischen Strömung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,669398,00.html
Die Umweltbewegungen wollen einen Sozialismus 2.0, diesmal wird nicht das Geld, sondern das C02 Budget "gerecht" verteilt. In der Summe bedeutet das vor allem persönlichen Macht und Wohlstandszuwachs. NGO`s sind zutiefst undemokratisch und nur als Gegengewicht gegen die Lobbyisten der Industrie gerechtfertigt, als Weltregierung taugen sie nicht, sondern sind sogar gefährlich. Ach ja, in diesem Artikel wird wieder einmal von der "Robustheit" der Erkenntnisse über Folgen und Ursachen der menschengemachten Klimaerwärmung gefaselt, anderslautende Erkenntnisse werden vom Spiegel, wieder einmal, ignoriert, es wird nicht einmal erwähnt, das die Erwärmung seit zehn Jahren eine Pause macht, die Modelle der Klimaforscher also nicht stimmen und Panik völlig fehl am Platz ist.
Michael Thielke 29.12.2009
Immer wieder neigen ganz besonders Naturwissenschaftler dazu,mit Diktaturen und Diktatoren zu liebäugeln, weil sie meinen, so ihre - selbstverständlich immer hehren Ziele - zügig und ohne Widerspruch verwirklichen zu können. Am [...]
Immer wieder neigen ganz besonders Naturwissenschaftler dazu,mit Diktaturen und Diktatoren zu liebäugeln, weil sie meinen, so ihre - selbstverständlich immer hehren Ziele - zügig und ohne Widerspruch verwirklichen zu können. Am Ende war dann der Jammer immer groß: "Wir wollten doch nur das Beste; wir wurden mißbraucht!" Abgesehen davon, dass es unwissenschaftlich ist, Widerspruch zu unterdrücken, eine "Einzweck-Dikatur" - also nur mit dem Ziel des Klima- oder Umweltschutzes - gibt es nicht. Das Streben nach totaler Kontrolle und Beherrschung der Gesellschaft und der Individuen liegt im Wesen jeder Dikatur. Außerdem, haben sich Dikaturen bisher als ökolgisch vorbildlich gezeigt ? In der Vergangenheit nicht, siehe z.B. den Ostblock, und in der Gegenwart nicht. Immerhin hat China entscheidend zu Scheitern des Kopenhagen-Gipfels beigetragen. Um nicht mißverstanden zu werden, ich halte den Klimawandel für eine große Gefahr und bin über das Ergebnis von Kopenhagen entsetzt.
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Zu den Autoren
Zeppelin-Universität
Hans von Storch ist Professor für Meteorologie an der Universität Hamburg und Leiter des Instituts für Küstenforschung am GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht.

Nico Stehr ist Inhaber der Karl-Mannheim-Professur für Kulturwissenschaften an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Beide gehören zu den renommiertesten deutschen Wissenschaftlern auf ihren Gebieten.

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Jeder Mensch trägt täglich weiter zur Erderwärmung bei - mit Steak-Konsum, Flügen nach Mallorca und der Autofahrt ins Büro. Kennen Sie Ihre persönliche CO2-Bilanz? Finden Sie es heraus im Klima-Quiz von SPIEGEL ONLINE.

Kernpunkte der Kopenhagener Vereinbarung
Der weltweite Ausstoß klimaschädigender Gase muss drastisch gesenkt werden. Die Emissionen sollen soweit gedrosselt werden, dass die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius beschränkt bleibt.




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