Klimaschutz: China und Europa wollen gemeinsamen CO2-Handel

China und Europa unternehmen gemeinsame Schritte gegen die Erwärmung: Ein gemeinsamer Handel mit CO2-Zertifiakten soll entwickelt werden - und die EU will in China Projekte fördern, die Treibhausgase einsparen. Deutschland möchte zudem den Sitz des Grünen Klimafonds der Uno.

Braunkohlekraftwerk Niederaussem bei Bergheim: Bessere Vernetzung beim CO2-Handel Zur Großansicht
DPA

Braunkohlekraftwerk Niederaussem bei Bergheim: Bessere Vernetzung beim CO2-Handel

Brüssel/Hamburg - China hat als einer der größten Produzenten von Treibhausgasen der Europäischen Union eine engere Zusammenarbeit beim Klimaschutz zugesagt. Die Volksrepublik wolle gemeinsam mit den Europäern Systeme für den Emissionshandel entwickeln, teilte die EU-Kommission am Donnerstag während des Gipfeltreffens mit der chinesischen Regierung in Brüssel mit.

Andris Piebalgs, EU-Kommissar für Entwicklung, und der chinesische Handelsminister Chen Deming, unterzeichneten einen Vertrag über Finanzhilfen für Projekte, die den C02-Ausstoß der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt reduzieren sollen.

Strittig blieb die Teilnahme chinesischer Fluggesellschaften am europäischen Emissionshandel: Die EU verlangt eine Beteiligung ab April, um ihre Klimaziele zu erreichen. China weigert sich bislang aber, Rechte auf den Ausstoß von Treibhausgasen zu kaufen und damit seinen Airlines Kosten aufzuhalsen. Wie viele andere Schwellenländer wehrt sich China dagegen, in der wirtschaftlichen Entwicklung durch Klimaziele eingeengt zu werden.

EU-Klimaschutz-Kommissarin Connie Hedegaard begrüßte nun die geplante Verknüpfung des europäischen mit einem künftigen chinesischen Emmissionshandel. Das Finanzierungsabkommen sei "ein wichtiger Schritt für eine immer engere Kooperation auf dem Weg zu einem robusten internationalen Kohlenstoff-Markt". Die Vereinbarung mit China sei "ein konkretes Beispiel, wie wir partnerschaftlich die globale Erwärmung bekämpfen können".

Mit der Ministern zum Grünen Klimafonds

Die EU bemüht sich derzeit um eine stärkere Vernetzung ihres Emissionshandels mit anderen Ländern - zuletzt auch mit Australien -, weil die Marktpreise für die Zertifikate auf niedrigem Niveau vor sich hindümpeln. Damit droht das System aber ein wichtiges Ziel zu verfehlen, nämlich Anreize für einen umweltfreundlichen Energieverbrauch zu schaffen. Der Handel soll nun reformiert werden.

Mit dem Auftritt gleich dreier Minister hat die Bundesregierung unterdessen um internationale Unterstützung für Bonn als künftigen Sitz des Grünen Klimafonds geworben, der von den Vereinten Nationen beschlossen wurde. Außenminister Guido Westerwelle (FDP), Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) bekräftigen am Donnerstag in Berlin vor mehr als 70 Botschaftern die Ambitionen Bonns. Das Erscheinen der drei Ressortchefs mache deutlich, dass die Bewerbung eine "Herzensangelegenheit" der Bundesregierung sei, sagte Westerwelle.

Der Grüne Klimafonds soll künftig Entwicklungsländer dabei unterstützen, ihre Industrien klimafreundlicher zu gestalten. Ab 2020 wollen die Industriestaaten dafür jährlich bis zu 100 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen. Der Fonds soll mit rund 300 Mitarbeitern einen erheblichen Teil dieser Gelder verwalten.

Die Entscheidung über den Sitz des Klimafonds fällt wohl ab Ende November auf der Klimakonferenz in Doha. Neben der Bundesrepublik bewerben sich auch die Schweiz, Polen, Namibia, Südkorea und Mexiko.

boj/Reuters/dapd

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1. Großartig!
Europa! 20.09.2012
Zitat von sysopDPAChina und Europa unternehmen gemeinsame Schritte gegen die globale Erwärmung: Ein gemeinsamer Handel mit CO2-Zertifiakten soll entwickelt werden. Zudem will die EU in China Projekte fördern, die Treibhausgase einsparen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,856971,00.html
Mit dem gemeinsamen Kampf gegen die globale Erwärmung wird eine der letzten Lücken in der europäisch-chinesischen Zusammenarbeit geschlossen. Ein guter, ein sehr guter Tag!
2.
cabrioheinz 20.09.2012
Zitat von Europa!Mit dem gemeinsamen Kampf gegen die globale Erwärmung wird eine der letzten Lücken in der europäisch-chinesischen Zusammenarbeit geschlossen. Ein guter, ein sehr guter Tag!
"... unterzeichneten einen Vertrag über FINANZHILFEN für Projekte, die den C02-Ausstoß der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt reduzieren sollen." Auf deutsch: uns wird mal wieder in die Taschen gegriffen, und was uns dann fehlt, das haben dann die Chinesen. Aber der deutsche Michel ist inzwischen drauf konditioniert, Hurra zu schreien, wenns nur dem "Klimaschutz" dient.
3. Zudem will die EU in China Projekte fördern
joe sixpack 20.09.2012
Zitat von Europa!Mit dem gemeinsamen Kampf gegen die globale Erwärmung wird eine der letzten Lücken in der europäisch-chinesischen Zusammenarbeit geschlossen. Ein guter, ein sehr guter Tag!
Toll, die EU bezahlt den Chinesen die Projekte... Ein guter, ein sehr guter Tag (fuer China)
4. China - Indien - jeweils ca. 500 neue Kohlekraftwerke ...
jenli 20.09.2012
... vor der Inbetriebnahme. "India is poised to contend with China as the globe's top consumer of coal, with 455 power plants preparing to come online, a prominent environmental research group has concluded. The coal plants in India's pipeline -- almost 100 more than China is preparing to build -- would deliver 519,396 megawatts of installed generating capacity. That is only slightly less than pending new capacity in China, which remains the undisputed king of coal consumption." Was das im Hinblick auf die Kostenstruktur der Energieerzeugung bedeutet, ist leicht erkennbar, wie der Deal beim Emissionshandel aussehen soll auch. Quelle: http://klimablog.blog.de/2012/09/19/emissionshandel-europa-14833339/
5. Noch ein sinnloser Wasserkopf auf Kosten der Steuerzahler
lupenreinerdemokrat 20.09.2012
Zitat von sysopDPAChina und Europa unternehmen gemeinsame Schritte gegen die globale Erwärmung: Ein gemeinsamer Handel mit CO2-Zertifiakten soll entwickelt werden. Zudem will die EU in China Projekte fördern, die Treibhausgase einsparen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,856971,00.html
Westerwelle, Altmeier und Niebel - da sind ja sämtliche Koniferen versammelt, eine Ansammlung geballer Kompetenz *lol* Hauptsache noch mehr Steuergelder verprasst und verblödet, wir habens ja! Rente, Bildungssystem, Sozialleistungen - braucht eh kein Mensch, dafür reichts dann natürlich hinten und vorne nicht mehr. Wenn man dann noch die Aussage der Frau EU-Klimaschutz-Kommissarin Connie Hedegaard liest: - das Finanzierungsabkommen sei "ein wichtiger Schritt für eine immer engere Kooperation auf dem Weg zu einem robusten internationalen Kohlenstoff-Markt". Die Vereinbarung mit China sei "ein konkretes Beispiel, wie wir partnerschaftlich die globale Erwärmung bekämpfen können". dann weiss man: die Steuergelder, die dieser erneute, sinnlose Wasserkopf kosten wird, sind bestens aufgehoben! *lol*
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Dürre Thesen, große Wirkung

Weniger CO2 durch Emissionshandel
Kohlendioxid-Reduktion
Die Unterzeichner des Kyoto-Protokolls wollen den Ausstoß von Klimagasen reduzieren. Die Europäische Union etwa hat sich verpflichtet, ihre Gesamtemissionen in den Jahren 2008 bis 2012 gegenüber dem Stand des Jahres 1990 um acht Prozent zu senken. Deutschland will bis 2012 rund 21 Prozent weniger CO2 ausstoßen als noch 1990.

Durchschnittlich wollen die Kyoto-Vertragsstaaten zunächst bis 2012 durchschnittlich 5,2 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als im Durchschnitt des Jahres 1990. Sechs Treibhausgase werden in einem Zusatz zum Protokoll genannt: Kohlendioxid, Methan, halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFCs), Perfluorkohlenwasserstoffe (PFCs), Lachgas (Distickstoffmonoxid) und Schwefelhexafluorid.
Verschmutzung nach Ländern
Über den Handel mit Abgasrechten sollen Industrie und Energieerzeuger zu Einsparungen beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) gezwungen werden. Dafür wurde EU-weit das European Trading Scheme (ETS) eingeführt. Darin wird auch festgelegt, welche Regierungen wie viele Verschmutzungsrechte verteilen dürfen.

Die nationalen Regierungen teilen Energiesektor und Industrie diese Abgasrechte für jeweils eine Handelsperiode zu. In Deutschland erfolgte dies bislang gratis, künftig wird ein Teil der Zertifikate auch versteigert. Firmen, die mehr CO2 ausstoßen als erlaubt, müssen Strafe zahlen. Verkehr, Haushalte, Gewerbe, Handel und der Dienstleistungssektor müssen an dem System bislang nicht teilnehmen.
Verknappung und Handel
Fehlende Berechtigungen müssen an der Börse gekauft oder der CO2-Ausstoß muss über Modernisierungen entsprechend reduziert werden. Wer viel Treibhausgas einspart, kann mit dem Verkauf von Zertifikaten Geld verdienen.

Die geplanten Zuteilungen werden in Deutschland im sogenannten nationalen Allokationsplan (NAP) zugewiesen. Der erste NAP deckte die Handelsperiode von 2005 bis 2007 ab. Der NAP II läuft von 2008 bis 2012. Pro Jahr werden der Energiewirtschaft und der Industrie Emissionsrechte für 453 Millionen Tonnen CO2 zugestanden.

Kritiker fordern, dass die Zertifikate höchstbietend versteigert und nicht verschenkt werden sollen. Ebenso wird gefordert, weitere Quellen von Klimagasen in das System einzubeziehen, beispielsweise den Flugverkehr.