Klimaschutz-Verhandlungen: EU erhöht Druck auf Entwicklungsländer

Die Verhandlungen laufen schleppend, die Zeit drängt: Die EU macht deshalb Druck auf die Schwellenländer, sich in Sachen Klimaschutz kooperativer zu zeigen. Im Dezember soll ein neues Klimaschutzabkommen unterzeichnet werden.

Åre - Fünf Monate sind ziemlich wenig Zeit, wenn es um ein Projekt dieser Größenordnung geht: Im Dezember soll in Kopenhagen ein Nachfolgeabkommen für das auslaufende Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz gefunden werden. Das neue Weltklimaabkommen soll Reduktionsziele für die Unterzeichnerstaaten vorschreiben - und im Unterschied zur Kyoto-Vereinbarung sollen auch die Entwicklungs- und Schwellenländer Beiträge leisten. Doch noch immer sind zentrale Punkte heftig umstritten.

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde: Sowohl die Finanzierung als auch die Lastenverteilung sind beim geplanten Klimaabkommen noch umstritten Zur Großansicht
ddp

Braunkohlekraftwerk Jänschwalde: Sowohl die Finanzierung als auch die Lastenverteilung sind beim geplanten Klimaabkommen noch umstritten

In der EU wird man zunehmend ungeduldig deswegen. "Wir erwarten, dass die Verhandlungen anziehen", sagte der amtierende EU-Ratspräsident und schwedische Umweltminister Andreas Carlgren am Samstag im nordschwedischen Åre beim informellen Treffen der europäischen Umweltminister.

Zwar werde mit dem EU-Gipfel im Oktober das Verhandlungsmandat für Kopenhagen stehen, sagte Carlgren. Allerdings könne es gute Gründe für die Europäer geben, bis Dezember abzuwarten und den Entwicklungsländern erst dann mitzuteilen, in welchem Umfang die EU sie beim Kampf gegen die Erderwärmung unterstützen wolle.

In Kopenhagen soll ein Fonds aufgesetzt werden, in den die reichen Staaten für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen in der Dritten Welt einzahlen. Schätzungen zufolge könnten jährlich gut hundert Milliarden Euro nötig werden. Der genaue Umfang der Finanzhilfe ist eine der strittigsten Fragen bei der Vorbereitung des Klimagipfels. Obwohl die Entwicklungsländer bislang vergleichsweise wenig klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) ausstoßen, sind sie von den Folgen der Erderwärmung besonders stark betroffen.

Carlgren betonte, wenn die Europäer zahlen sollten, müssten die Entwicklungsländer auch einen entsprechenden Klimaschutz-Beitrag präsentieren. Wenn die Entwicklungsländer sich nicht ins Zeug legten, werde es keine Finanzhilfe der Europäer geben.

Die Europäische Union hat bereits zugesagt, ihren Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren, wenn andere Industrieländer mitziehen. Andernfalls peilt sie eine Emissionssenkung um nur 20 Prozent an. Die EU werde sowohl das gewünschte 30-Prozent-Ziel als auch das Geldthema nutzen, um die anderen Beteiligten zu mehr Anstrengungen in Sachen Klimaschutz zu bewegen, sagte Carlgren.

Für Ende Oktober kündigte Carlgren eine "Super-Woche" für das Thema Klimaschutz an: So kämen am 20. Oktober die EU-Finanzminister zusammen, am Folgetag wollten dann ihre Kollegen aus den Umweltressorts erneut beraten. Beim Treffen der Staats- und Regierungschefs am 29. und 30. Oktober in Brüssel solle dann das Mandat für Kopenhagen festgezurrt werden. Carlgren betonte: "Wir müssen in Kopenhagen ein ehrgeiziges Abkommen erzielen", betonte er, "denn einen Plan B gibt es nicht."

ase/AFP/dpa

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