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Klimaschutz-Vorreiter Mexiko-Stadt Adiós, Abgase!

Klimaschutz in Mexiko-Stadt: Vom Moloch zum Modell
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Getty Images

2. Teil: Das Herzstück der Verkehrsreformen: Ein neues Schnellbusnetz

Auf den Bildern seines Laptops entfaltet Leal seine Vision einer Innenstadt von morgen: "Es geht darum, die Mittelschichten zurück ins Zentrum zu holen", sagt er. 400.000 Mexikaner sind in den letzten fünf Jahren an den Stadtrand gezogen und pendeln täglich zur Arbeit in die City.

Leal ist so etwas wie der Vordenker des Bürgermeisters. Er soll die Verödung der Innenstadt stoppen und damit auch den Verkehr reduzieren. Dazu will er gemischte Büro- und Wohnhäuser schaffen, Brachflächen bebauen, Fußgängerzonen und Radwege schaffen.

In Deutschland mag das alles banal klingen, in Mexiko-Stadt ist es revolutionär. Der Vorrang des Autos ist total, Radfahrer haben auf den Avenidas keine Rechte, Fußgänger oft Mühe, die breiten Straßen überhaupt zu überqueren. Dagegen setzt der Bürgermeister die Visionen seines Vertrauten Felipe Leal, und er unterstützt ihn mit handfesten Maßnahmen.

Sonntags wird der Paseo de la Reforma für Autos gesperrt, damit die Mexikaner dort in Freiheit das Radfahren erleben können. Einen Montag im Monat müssen die städtischen Angestellten per Rad zu Arbeit kommen. In der Innenstadt werden über 80 Standorte mit 2000 Leihfahrrädern eingerichtet. Auf den großen Avenidas sollen den Autos jeweils zwei ganze Spuren weggenommen werden, um 1,90 breite Fahrradstreifen zu markieren.

Busse mit eigener Schnellspur

Herzstück der Verkehrsreformen des Bürgermeisters aber ist der Aufbau eines Schnellbusnetzes. 70 Kilometer sind bereits in Betrieb, die roten Gelenkbusse fahren auf eigenen Spuren. Das macht sie noch schneller: Vorbei an den Staus pflügen sie durch die Stadt.

Der Schnellbus auf eigenen Spuren ist in vielen Entwicklungsländern die günstige Alternative zum Bau teurer U-Bahnnetze, zehn- bis 50-mal günstiger ist ihr Bau pro Kilometer. Das amerikanische Institut ITDP, für das der Verkehrsaktivist Baranda arbeitet, bewirbt den Ausbau solcher Netze rund um den Globus. Mexiko ist einer der Vorreiter der neuen Bewegung. Der Metrobus-Chef Guillermo Calderón kann sich vor ausländischen Besuchern kaum retten: "Das ist der letzte Schrei", sagt der 56-jährige Ingenieur, "weil es eine realistische Alternative für Entwicklungsländer bietet."

Calderón hat den Ausbau des Schnellbusnetzes trotz vieler Widerstände vorangetrieben. So hat er mit Ebrards Hilfe durchgesetzt, dass Volvo und Mercedes den Mexikanern ihre modernsten Busse mit Abgaswerten der Euro-4-Norm liefern - normalerweise, erzählt er, kriegen Firmen in Schwellenländern aus der ersten Welt nur die alten Kisten.

Ein Busnetz ist nicht nur billiger, sondern wird auch rascher fertig als eine U-Bahn. Damit wird auch schneller ein Klimaeffekt erzielt: Messungen zufolge haben die bestehenden zwei Metrobuslinien in Mexiko-Stadt seit ihrer Einführung 80.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart. Auf seinem Computer zeigt Calderón, wie das Busnetz der Zukunft aussehen soll: Eine Streckenlänge von 200 Kilometern soll es umfassen, doch die künftigen Linien will Calderón nicht zu früh publik machen. Denn auf jeder Straße bedeutet der Bau einer Metrobus-Linie Ärger. Die Transportfirmen, die bisher mit ihren stinkenden Bussen das Geschäft beherrschten, werden verdrängt, die Busfahrer fürchten um ihre Jobs.

Der Transportminister Armando Quintero kann von diesen Kämpfen einiges erzählen. Er hat die widerstrebenden Busunternehmer kurzerhand eingekauft, indem er sie zu Teilhabern der neuen Metrobus-Gesellschaft machte und ihnen Abwrackprämien für die Verschrottung der alten Minibusse zahlte. "Ich bin stolz darauf, dass wir das ohne Eruptionen hinbekommen haben", sagt er.

Auch der Fahrradaktivist Baranda wird nach Kopenhagen fliegen und für seine Arbeit an den Radwegen werben. Kaum vorstellbar, dass die Mächtigen auf dem Gipfel sich dafür interessieren. Oder doch? Immerhin ist das Staatsoberhaupt der Niederlande schon auf die Arbeit Barandas aufmerksam geworden. Königin Beatrix hat den ehemaligen Delfter Studenten beauftragt, ein Handbuch für den Bau von Radwegen für alle mexikanischen Kommunen zu schreiben. Sie will es dem Staate Mexiko zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit 2010 schenken.

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insgesamt 52 Beiträge
mavoe 06.12.2009
Ich kenne Mexico-City nicht. Aber war jemand hier schon in Delhi oder Jakarta? Schlimmer gehts nicht mehr, dachte und denke ich immernoch...
Ich kenne Mexico-City nicht. Aber war jemand hier schon in Delhi oder Jakarta? Schlimmer gehts nicht mehr, dachte und denke ich immernoch...
Aeskulap 06.12.2009
Was man hier in Mexico City versucht, ist weder radikal noch revolutionaer. Sondern logisch. Es ist schlicht eine Frage der Zeit und des Druckes zum Ueberleben, wann und wo Menschengruppen nach Strohhalmen greifen, bevor sie [...]
Was man hier in Mexico City versucht, ist weder radikal noch revolutionaer. Sondern logisch. Es ist schlicht eine Frage der Zeit und des Druckes zum Ueberleben, wann und wo Menschengruppen nach Strohhalmen greifen, bevor sie vollends im Gift der eigenen Zivilisations-Ausscheidungen (samt CO2) absaufen werden. Hier manifestiert sich eine altbekannte Variante der Evolution: einigen Teilpopulationen wird es gelingen, weiterzuexistieren. Aus Ihnen wird vielleicht die Zukunft herausgemendelt. Viele andere werden wie die Lemminge untergehen.
L0k3 06.12.2009
Fahrrad & Bus gegen Smog. Wie revolutionär. Haut mich ja glatt aus den Socken. Am Ende kommt noch wer auf den Trichter das Individualverkehr Schuld an Smog sei.
Fahrrad & Bus gegen Smog. Wie revolutionär. Haut mich ja glatt aus den Socken. Am Ende kommt noch wer auf den Trichter das Individualverkehr Schuld an Smog sei.
Sky 06.12.2009
Zunächst einmal wurde ein zweites Stockwerk über den Periférico gebaut, sechs Spuren extra, drei Jahre Stress, Millionen Ausgaben, dem Verkehrsfluss geholfen hat es kaum. Noch während das 2. Stockwerk im Bau war, wurde die erste [...]
Zunächst einmal wurde ein zweites Stockwerk über den Periférico gebaut, sechs Spuren extra, drei Jahre Stress, Millionen Ausgaben, dem Verkehrsfluss geholfen hat es kaum. Noch während das 2. Stockwerk im Bau war, wurde die erste Metrobus-Trasse angelegt. Zwei der wichtigsten Nord-Süd Verkehrsadern waren gestört - stundenlanger Stau die Folge. Richtig, angesagt wurde der Bau nicht, deswegen fielen für den Metrobus (den „Schnellbus“) tausende von Bäumen einer der schöneren Strassen Mexiko-Stadts, Insurgentes Sur, ohne Proteste von Grünen und/oder Anwohnern den Kettensägen zum Opfer. Eine der Kehrseiten, die vielleicht erwähnt werden sollten. Ist bei den anderen Trassen nicht anders. Dem Verkehrsfluss gebracht hat es absolut nichts. 1 ½ Spuren weniger machen sich bemerkbar. Jetzt nochmal 1 ½ Spuren für evtl. Radfahrer? Verengte Kreuzungen? Wie soll das denn gehen? Die Wege sind in Mexiko-Stadt viel zu weit um mal eben mit dem Fahrrad zu fahren.
m.greb 06.12.2009
Herr Beste - was ist mit Staedten wie Bogota (Kolumbien), Curitiba (Brasilien)? Dort wird das Konzept Metrobus bzw. Transmilenio schon fast 10 Jahre praktiziert, es ist daher auch fuer Schwellenlaender nichts umbedingt neues. Auch [...]
Herr Beste - was ist mit Staedten wie Bogota (Kolumbien), Curitiba (Brasilien)? Dort wird das Konzept Metrobus bzw. Transmilenio schon fast 10 Jahre praktiziert, es ist daher auch fuer Schwellenlaender nichts umbedingt neues. Auch die sog. Ciclovia ist ein bewaehrtes Konzept. Dennoch hoffe ich, dass die Bemuehungen von Sr. Ebrard erfolg haben werden - auch wenn es sicherlich mehr als 38 Kreuzungen und eine neue U-Bahnlinie benoetigt die Stadt vom Smog zu befreien.
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Weltklimaverhandlungen
Die G-8-Staaten haben sich grundsätzlich zu dem Ziel bekannt, den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Auch die Schwellenländer haben sich dem jetzt angeschlossen. Doch konkrete Vorgaben und Zusagen zur Finanzierung fehlen noch - deshalb könnte es beim bloßen Lippenbekenntnis bleiben.





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