"Klimaschweine"-Aktion Porsche versucht Humor-Konter gegen Greenpeace

Porsche hat Gefallen an einer Greenpeace-Aktion gegen das Modell Cayenne gefunden. Der nicht eben für Umwelt-Mobile bekannte Autohersteller versuchte, den Aktivisten mit Humor den Wind aus den Segeln zu nehmen. Am Ende wusste man nicht, ob man lachen oder weinen sollte.

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Warum sich vornehm zurückhalten, wenn man auch mit Vollgas drüberrollen kann? Was mancher Fahrer eines Porsche Cayenne im Gelände denken mag - sofern er seiner Luxuskarosse überhaupt eine Querfeldeinfahrt zumutet -, könnte auch die Porsche-Spitze gedacht haben, als sie ihre Reaktion auf die Greenpeace-Demonstration ersonnen hat.

Die Umwelt-Aktivisten haben vor dem Porsche-Stammwerk in Stuttgart einen Cayenne rosarot angepinselt, ihm überdimensionale Ohren und eine Nase verpasst und daneben ein Transparent in die Luft gehalten: "Porsche baut Klimaschweine".

Der Sportwagenhersteller konterte wie auf der Rennstrecke: Vollgas statt Vorsicht. Am Ende hingen drei riesige Plakate an der Fabrikfassade: "Geschafft! Greenpeace demonstriert bei Porsche. Jetzt sind wir wer!", hieß es auf dem ersten. Eine Anspielung auf die Tatsache, dass die Umweltorganisation zum ersten Mal in Porsches 60-jähriger Firmengeschichte vor der Tür stand. Auf dem zweiten Transparent wurde es unter der Überschrift "Gut zu wissen" ernst:

  • "Porsche trägt im Verkehr weniger als 0,1 Prozent zum CO2-Ausstoß bei"
  • "Porsche hat den geringsten CO2-Ausstoß pro PS"
  • "Porsche wird CO2-Ausstoß bis 2012 um über 20 Prozent senken"
  • "Porsche bringt Hybridmotor: weniger als 9 Liter Verbrauch auf 100 km"

Auf dem dritten Transparent hieß in einer Mischung aus Jovialität und milder Arroganz: "Liebe Freunde von Greenpeace: Porsche ist besser als ihr denkt. Zum Trost: Auch David wurde unterschätzt…"

Grüne Argumente vom Sportwagen-Hersteller

Lustig daran war aus Porsche-Sicht möglicherweise, wie den Umwelt-Aktivisten bei der Lektüre dieser Thesen der Kamm schwoll. Dass Porsche wenig zum Gesamt-Schadstoffausstoß des deutschen Straßenverkehrs beiträgt, mag beispielsweise daran liegen, dass die Zahl der Deutschen mit Porsche-kompatiblem Konto überschaubar ist. Ansonsten ist der Hinweis, man selbst sei nur für einen Teil der Gesamtmisere verantwortlich, das Lieblings-Totschlagsargument der Öl- und Kohle-Lobby.

Porsche will außerdem seinen CO2-Ausstoß bis 2012 um 20 Prozent senken gegenüber dem Wert von 1995 - das ist immerhin mehr, als sich die Brüsseler Politik zutraut. Die will den CO2-Ausstoß der EU ebenfalls um 20 Prozent senken - allerdings bis zum Jahr 2020 gegenüber 1990. Andererseits muss sich Porsche den gleichen Einwand gefallen lassen wie die EU: Wo das Niveau hoch ist, fällt die Senkung leicht.

Der von Porsche versprochene Hybridmotor mit neun Litern Spritverbrauch ist ebenfalls keine Revolution in Sachen Umweltschutz - man hat schon von halb so hohen Werten gehört. "Das mit den neun Litern gilt auch für keinen Kleinwagen, sondern für einen 2,2 Tonnen schweren Cayenne mit Sechszylinder-Motor", sagte Porsche-Sprecher Albrecht Bamler zu SPIEGEL ONLINE. "Für ein solches Auto ist das ein beachtlicher Wert."

"Wir reden aneinander vorbei"

Nur: Wofür ist ein 2,2 Tonnen schwerer, bullenstarker Geländewagen nütze, der nahezu nie im Gelände eingesetzt wird und in Sachen Laderaumgröße nicht mehr bietet als ein marktüblicher Kombi? "Das haben mich die Greenpeace-Vertreter auch gefragt", meint Bamler. "Aber da reden wir eben aneinander vorbei."

Eben. Porsche brüstet sich, umweltfreundliche Sportwagen zu bauen. Greenpeace hält das für einen Widerspruch in sich. Deshalb kann man sich auch fragen, warum Greenpeace einen Sportwagenhersteller auffordert, sparsame Vernunftautos zu bauen. Da könnte sich Porsche auch gleich selbst abwickeln. Genauso gut kann man sich fragen, warum Porsche versucht, sich grüne Feigenblätter vorzuhalten - etwa mit der Bemerkung, man habe den geringsten CO2-Ausstoß pro PS. Das mag stimmen, doch bei Porsche gibt es auch ziemlich viele PS pro Auto.

Warum man angesichts des heutigen Verkehrsaufkommens, allgegenwärtiger Tempolimits oder einer Mischung aus beidem 300 PS und mehr braucht, konnte auch Bamler nicht klar beantworten. Oder wollte nicht. Denn die einzige einleuchtende Antwortet ist politisch unkorrekt und lautet: nur zum Spaß.

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