Klimawandel in Städten Mit Grün gegen die Hitzewellen

Immer heißere Sommer setzen Ballungsräumen zu und zwingen Städte zu Anpassungen. Eine smarte Methode soll mehrere Klimaextreme gleichzeitig bekämpfen.

Grüne Fassade eines Unigebäudes in Berlin-Adlershof
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Grüne Fassade eines Unigebäudes in Berlin-Adlershof

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In drei Wasserbecken der Ruhrgebietsstadt Essen spiegeln sich Fassaden moderner Mietshäuser. Fast übersieht man kleine Rinnen, die Regenwasser von den Dächern in das künstliche Reservoir leiten. In heißen Sommern wie dem vergangenen hilft das verdunstende Nass, das Quartier Johanniskirchgärten zu kühlen. Nach immer neuen Rekordsommern könnten solche natürlichen Klimaanlagen zur Blaupause dafür werden, wie sich Städte auf den Klimawandel einstellen.

Unter dem Begriff Schwammstadt verbreiten sich seit einigen Jahren Ideen rund um den Globus, die früher allenfalls in Ökovierteln begeisterten. China will 30 Metropolen wie Peking und Shenzhen zu Sponge Cities umbauen, auch Berlin hat das Prinzip zur offiziellen Planungsmaxime erhoben. "Schwammstädte sind eine intelligente Lösung, um mehrere Probleme zu beseitigen", sagt Guido Halbig vom Deutschen Wetterdienst.

  • Trockenheit führt etwa dazu, dass Straßenbäume ihre kühlende Funktion einbüßen. Im Hitzestress geben die Blätter kaum noch Feuchtigkeit an die Umgebung ab, die beim Verdunsten die Temperatur drückt. In einer Schwammstadt versorgen Regenreservoire die Bäume mit Wasser.
  • Heftige Regengüsse dagegen sollen nicht mehr über Betonwüsten in die Kanalisation stürzen und sich zu Überflutungen auswachsen. In den Essener Johanniskirchgärten liegen unterhalb des Wasserbeckens muldenförmige Rasenflächen, in denen pro Jahr bis zu 12.000 Kubikmeter Wasser versickern.
"Schwammstadt"-Elemente in Berlin-Adlershof
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"Schwammstadt"-Elemente in Berlin-Adlershof

Mehr Grün in den Städten ist eins der wichtigsten Prinzipien für die Anpassung an den Klimawandel. Beton speichert Wärme besonders gut, deshalb ist es in Großstädten oft deutlich wärmer als im Umland. Doch beim steigenden Bedarf an Parks und Freiflächen sieht der Städte- und Gemeindebund bereits Konflikte mit dem nötigen Bau von Wohnungen. Im Extremfall könnte der Klimawandel deshalb durchaus grundlegende Gewohnheiten ändern.

"Man kann überlegen, ob noch so große Wohnräume gebraucht werden", sagt Wetterdienst-Experte Halbig. Alternativ könnten Mietshäuser stärker in die Höhe wachsen. "Das ist aber nicht überall beliebt, weil es die Struktur der Städte verändert."

"Die klassische Kastanie geht nicht mehr"

Unter den zunehmenden Hitzestaus leiden besonders Kleinkinder und ältere Menschen. Beim Wetterdienst gibt es deshalb Überlegungen für eine App, die klimaoptimierte Routen für den Gang zur Apotheke oder den Besuch bei Freunden weist. "Die App würde den Weg mit der geringsten gesundheitlichen Belastung zeigen", erklärt Halbig. Bund und Länder haben 2017 bereits Empfehlungen für Hitzeaktionspläne veröffentlicht. Städte sollen öffentliche Gebäude wie Büchereien zu Cooling Centres umbauen, in denen Bürger eine Pause einlegen können, wenn der Kreislauf zu kippen droht.

Betonwüste in Hongkong
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Betonwüste in Hongkong

Um Kinder besser vor der Sommerhitze zu schützen, hat die Stadt Jena 19 Kitas und Schulen begutachten lassen. Für jeden Standort hat das Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz Baumarten ausgewählt, die mit ihren Kronen Schatten spenden und selbst der zunehmenden Hitze und Trockenheit kommender Jahrzehnte standhalten. "Die klassische Kastanie oder Sommerlinde geht an vielen Stellen nicht mehr", sagt Geschäftsführer Daniel Knopf. Bäume der Zukunft sind dagegen Feldahorn und Robinie oder Gleditschien mit ihren braunen, schotenförmigen Früchten.

Klimasimulations-Tool für Kommunen

Die Stadtverwaltung von Jena hat bereits 2009 ein Anpassungskonzept erarbeiten lassen und verfolgt das Thema seitdem durch eine eigene Arbeitsgruppe. So viel Beharrlichkeit ist in kleinen und mittelgroßen Städten nicht selbstverständlich. Manche Kommune erstelle zwar noch Konzepte, diese landeten aus Mangel an Personal und Geld dann aber in der Schublade, berichtet Knopf.

Der Deutsche Wetterdienst entwickelt deshalb eine Software für Klimasimulationen, die nicht mehr nur von Experten an Hochleistungsrechnern bedient werden kann und teure Gutachten überflüssig macht. Planer in Rathäusern sollen damit ab Mitte 2019 frühzeitig berechnen können, wie sich neue Bauwerke oder sogar einzelne Bäume auf Luftströmungen und lokale Temperatur auswirken.

Doch auch Eigenheime und Mietshäuser können an den Klimawandel angepasst werden. Eine Möglichkeit sind Wärmepumpen, die Grundwasser als Temperaturspeicher nutzen. Sie sind in der Lage, sowohl Häuser im Winter zu beheizen als auch im Sommer zu kühlen. Klassische Klimaanlagen sieht Wetterexperte Halbig dagegen kritischer, denn sie leiten warme Luft aus Gebäuden nach außen in den Straßenraum. Massenhaft eingebaut würden sie die Hitzebelastung in den Städten deshalb eher noch verstärken. "Klimaanlagen können die Außentemperatur durchaus um einige Grad erhöhen."

Grüne Dächer und Fassaden funktionieren dagegen wie natürliche Klimaanlagen. Sie sorgen für Schatten, halten Feuchtigkeit in den Städten und lassen auf Flachdächern Regenwasser langsamer abfließen. So machen Efeu und Kräuter auch Wohnhäuser zu Bausteinen einer Schwammstadt.



insgesamt 18 Beiträge
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Peletua 30.09.2018
1. Summer in the City
Als Innenstadt-Bewohnerin kann ich ein Lied vom 'Summer in the City' singen. Gut, dass es bereits vereinzelt Konzepte mit Sinn und Verstand gibt, wenn wir uns schon so schwer damit tun, die Ursachen für die Erwärmung anzugehen. Aber was tut die schwarz-gelbe Regierung des bevölkerungsreichsten Bundeslandes NRW? Zur Freude von Bauwirtschaft und Immobilienbranche gibt sie die Erlaubnis für die weitere Verdichtung der jetzt schon vollgepackten, unter sommerlichem Hitzestress leidenden Großstädte. Es wird interessant sein, die langen Gesichter bei den Bau- und Immobilienkonzernen zu sehen, wenn ihnen in spätestens 10 Jahren die Kunden davonrennen - aufs Land, weil es in den Städten nicht mehr auszuhalten ist. Also dorthin, wo bis dato noch der Großteil der Unions-Wähler sitzt...
günter1934 30.09.2018
2. Hitzewellen in den Städten
Immer dichtere Bebauung immer mehr Licht und Autos, da braucht man sich nicht zu wundern, wenn es da immer wärmer wird. Wenn dann da noch die Wetterstationen stehen und die logischerweise dadurch verursacht immer höhere Temperaturen anzeigen, so nennt man das Wärmeinseleffekt. Der natürlich eine globale Durchschnittstemperatur verfälscht. Alle Wetterstationen aufs freie Land, dann ist das Pariser Ziel von 1,5 Grad locker einzuhalten!
strixaluco 30.09.2018
3. Seit 40 Jahren bekannt!
Stadtplaner, Biologen und Klimaexperten wissen seit mindestens 40 Jahren, allerspätestens, dass mehr Grün dem Stadtklima gut täte und mitunter auch Leben retten würde. Sowohl Hitze als auch Hochwasser kosten immer wieder Menschenleben. Abgesehrn davon ist Grün auch ohne Klimawandel sehr gesund. Die Sache geht zum einen Ohr rein und zum anderen heraus. Bei fertigen Bauprojekten kommen viele Quadratmeter Gebäudefläche mit ein paar Quadratmetern verratztem Zierrasen, versifften Beton-Wasserbecken und einbetonierten, krepierenden Design-Formbäumen heraus. Liebe Architekten und Kommunalpolitiker, Lebensqualität schafft man genau so eben nicht! -Und die fixe Idee, man könnte alle Probleme nicht nur in Städten durch immer weiteres Wachstum lösen, könnte uns allen in Zeiten des Klimawandels noch mehr als böse auf die Füsse fallen. Wir brauchen so nebenbei auch noch Platz für den Anbau von Nahrungsmitteln, nur zum Beispiel...
111ich111 30.09.2018
4. Kliamawandel
Bitte sprechen Sie mir nach, werter Autor: "Klima ist nicht gleich Wetter. Klima ist global, Wetter ist lokal." Und das sagen Sie sich hundert Male vor. Zur Not schreiben Sie es auch noch zehnmal an die Tafel. Und wenn Sie meinen, ich bin ein Korinthenkacker, dann sprechen Sie mal mit den Klimawissenschaftlern darüber, die dann erklären müssen, dass XYZ-Stadt zwanzig lausige Sommer hinter sich hat, aber die Holländer in 200 Jahren trotzdem absaufen. Schon der Kommentar #2 hier oben hat diesen Denkfehler. Sie ändern am _Klima_ genau gar nichts, wenn Sie die Städte nicht am Hitzetod sterben lassen. Sie ändern nicht einmal was, wenn Sie alle Grünflächen betonieren bzw. umgekehrt alle Betonflächen begrünen. Sie können logischerweise das lokale Wetter ändern, was auch die Temperatur beinhaltet. Nichts destotrotz verändern Sie das Klima mehr, wenn Sie mit dem LKW zum Baumarkt fahren, um 100 m² Grünzeug zu kaufen. Leider nicht zum Positiven.
günter1934 30.09.2018
5. Hier meldet sich der Kommentar #2
Zitat von 111ich111Bitte sprechen Sie mir nach, werter Autor: "Klima ist nicht gleich Wetter. Klima ist global, Wetter ist lokal." Und das sagen Sie sich hundert Male vor. Zur Not schreiben Sie es auch noch zehnmal an die Tafel. Und wenn Sie meinen, ich bin ein Korinthenkacker, dann sprechen Sie mal mit den Klimawissenschaftlern darüber, die dann erklären müssen, dass XYZ-Stadt zwanzig lausige Sommer hinter sich hat, aber die Holländer in 200 Jahren trotzdem absaufen. Schon der Kommentar #2 hier oben hat diesen Denkfehler. Sie ändern am _Klima_ genau gar nichts, wenn Sie die Städte nicht am Hitzetod sterben lassen. Sie ändern nicht einmal was, wenn Sie alle Grünflächen betonieren bzw. umgekehrt alle Betonflächen begrünen. Sie können logischerweise das lokale Wetter ändern, was auch die Temperatur beinhaltet. Nichts destotrotz verändern Sie das Klima mehr, wenn Sie mit dem LKW zum Baumarkt fahren, um 100 m² Grünzeug zu kaufen. Leider nicht zum Positiven.
Laut der Pariser Vereinbarung wird das Klima an der globalen Durchschnittstemperatur gemessen. Und das über 30 Jahre. Hier im Artikel wird ganz klar erzählt, dass es in den Städten nicht nur wegen des Klimawandels wärmer wird, sondern auch durch die Bebauung und die entsprechende Einflüsse. Wenn also Wetterstationen, die früher im Vorland der Stadt auf freiem Feld standen, heute an derselben Stelle auf einem Flugplatz oder zwischen Wohnblocks stehen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die höhere Temperaturen anzeigen als wenn man sie entsprechend verlegt hätte. Und das machen die auch über 30 Jahre und das nennt man Klima. Begrünung der Städte ist natürlich immer gut, soweit noch Platz ist. Man könnte aber zusätzlich noch mit Sprengwagen nachhelfen, die durch die Strassen fahren, - kostet halt undshat nach Ihrer und auch meiner Meinung nix mit dem Klima zu tun...
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