Klimawandel Weniger Fleischkonsum könnte die Erderwärmung verlangsamen

Verbraucher in Industrienationen essen pro Tag 224 Gramm Fleisch - zu viel, wie Forscher jetzt sagen. Ein weltweiter Durchschnitt von 90 Gramm pro Tag würde verhindern, dass das durch Viehzucht und Fleischproduktion erzeugte Methan den Klimawandel weiter beschleunige.


London - Weniger Steaks, Würstchen und Schnitzel auf dem Teller sind nicht nur gut für die eigene Hüfte, eine Reduzierung des Fleischkonsums könnte einer Studie zufolge auch die globale Erwärmung verlangsamen.

Wurstlos glücklicher? Weniger Fleischkonsum könnte nach Meinung von Forschern die globale Erwärmung verlangsamen
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Wurstlos glücklicher? Weniger Fleischkonsum könnte nach Meinung von Forschern die globale Erwärmung verlangsamen

Der Grund sei, dass dann weniger Nutztiere gehalten werden müssten, die das Treibhausgas Methan ausstoßen, schreiben John Powles und seine Kollegen von der Cambridge University im Fachmagazin "The Lancet".

Der Verzehr bestimmter Tiere ist demnach für fast ein Viertel aller Emissionen weltweit verantwortlich. Weniger Nachfrage nach Fleisch sei "die einzige wirkliche Alternative", sagte Powles. Eine Verringerung des weltweiten Verzehrs von rotem Fleisch um zehn Prozent könnte der Studie zufolge die von Kühen, Schafen und Ziegen verursachten Gase reduzieren.

Auch bei Rindern sieht die Umweltbilanz nicht gut aus, wie japanische Forscher kürzlich errechneten. Demnach entstehen bei der Rinderhaltung, für ein Kilogrammfleisch, Gase mit einer Treibhauswirkung, die der von etwa 36 Kilogramm Kohlendioxid entspricht.

Powles und seine Kollegen fanden nun heraus, dass während Verbraucher in Industrienationen in der Regel rund 224 Gramm Fleisch pro Tag essen, es in Afrika etwa 31 Gramm sind. Ein weltweiter Durchschnitt von 90 Gramm pro Tag würde verhindern, dass das produzierte Methan den Klimawandel weiter beschleunige, sagte Powles. Damit verbunden seien auch positive Aspekte für die Gesundheit: Einer Studie zufolge sinkt das Risiko für Dick- und Mastdarmkrebs schätzungsweise um etwa ein Drittel, wenn der Konsum von rotem Fleisch um 100 Gramm reduziert wird.

Auch die Wahl des Tierfutters kann einen Einfluss auf den Ausstoß von Treibhausgas haben, wie 2003 eine schwedische Studie gezeigt hatte: Rinder, die Weidegras statt Kraftfutter bekommen, setzen 40 Prozent weniger Treibhausgase frei und verbrauchen 85 Prozent weniger Energie.

Um die Freisetzung von Methan aus dem Verdauungstrakt zu verringern, hatte die neuseeländische Regierung 2003 sogar versucht, Rinder und Schafe mit einer Methangassteuer zu belegen. In dem Land ist der Viehbestand für mehr als die Hälfte des gesamten Ausstoßes von Treibhausgasen verantwortlich. Nach Bauernprotesten rückte die Regierung von der Blähungsteuer jedoch wieder ab. Dafür wollen Zürcher Forscher Rindern und Schafen die Blähungen abgewöhnen.

khü/AP/Reuters



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