Klonverbot der EU  Klontier-Nachfahren werden nicht erfasst

EU-Kommissar Tonio Borg macht sich dafür stark, das Klonen von Tieren zu Nahrungsmittelzwecken zu verbieten. Eine ursprünglich geplante Kennzeichnungspflicht für das Fleisch von Klontier-Nachkommen wird es aber nicht geben - das sei aber entscheidend, sagen jetzt Kritiker.

Schlachthof in Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild): "Vorschlag Borgs wird nicht das letzte Wort sein"
DPA

Schlachthof in Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild): "Vorschlag Borgs wird nicht das letzte Wort sein"


Brüssel - Die EU-Kommission will das Klonen von Tieren zu Nahrungsmittelzwecken in der Europäischen Union verbieten. Außerdem sollten lebende Klontiere oder Fleisch von Klontieren aus Drittstaaten wie den USA nicht importiert werden dürfen und in die Nahrungskette gelangen, heißt es in einem Gesetzesvorschlag, den EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg am Mittwoch vorlegen will.

Vielen Parlamentariern gehen die Vorschläge nicht weit genug, da keine Regelung für die Kennzeichnung der Nachfolgegeneration geklonter Tiere vorgesehen ist. "Das Fleisch von Klontieren selbst zu vermarkten, ist wirtschaftlich nicht interessant. Diese Tiere werden vor allem als Zuchttiere benutzt. Entscheidend ist die Nachfolgegeneration", sagt Peter Liese, Sprecher für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der EVP-Christdemokraten.

Klonen sei mit gravierenden Gesundheitsproblemen für die Tiere verbunden und gelte daher zu Recht als Tierquälerei. "Wenn man daher das Klonen verbietet, muss man auch eine Regelung für die Nachfolgegeneration finden," sagt Liese. Der Vorschlag Borgs werde nicht das letzte Wort sein. "Zum Glück gibt es Parlament und Ministerrat, und ich bin sicher, dass wir die Vorschläge der Europäischen Kommission verbessern werden."

Umfassendes Klonverbot auch im Koalitionsvertrag

Liese geht zudem davon aus, dass sich auch die neue Bundesregierung im Ministerrat entsprechend einsetzen wird. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: "Sie (die Koalition) tritt für ein Verbot des Klonens zur Lebensmittelherstellung und des Imports von geklonten Tieren sowie für eine Kennzeichnungspflicht von Tieren und tierischen Produkten von deren Nachkommen ein." Der Vorschlag wurde durch CDU und CSU in die Verhandlungen eingebracht. Mit einem Widerstand durch die Sozialdemokraten wird nicht gerechnet.

Kommissar Tonio Borg hatte ursprünglich eine Kennzeichnungspflicht für das Fleisch von Klontier-Nachkommen geplant, konnte sich damit aber innerhalb der EU-Kommission nicht durchsetzen. Der Aufwand, die Nachfahren der Klontiere zu ermitteln, sei zu hoch, hieß es in Brüssel. Außerdem fürchte man, dass eine Kennzeichnungspflicht gegen die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) verstoßen und zugleich eine Einigung auf das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA erschweren könnte.

Derzeit ist das Klonen auf EU-Ebene erlaubt. Fleisch von Klontieren muss aber zugelassen werden, bevor es in Europa auf den Markt kommt. Es gibt allerdings keine Kennzeichnungspflicht. Geklonte Tiere selbst werden innerhalb der Union zwar nicht zu Lebensmitteln verarbeitet. Es kann aber sein, dass sich Produkte von Klontiernachfahren, die mit Bullensperma aus den USA oder Lateinamerika gezeugt wurden, im Handel befinden. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht.

nik



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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
nach.denker 16.12.2013
1. Gesundheitsrisiko und Nachkommenkennzeichnung
Wär doch mal interessant, was sich seit 2007 geändert hat, als das Bundesamt für Risikobewertung feststellte, dass es, durch Studien belegt, außer einer erhöhten Fehlgeburtenrate für Klontieren im Entwicklungsverlauf keine gesundheitlichen Nachteile gegenüber normal gezeugten Tieren gibt. Nebenbei wird dort festgehalten, dass die Nachkommen von Klontieren in keiner Weise von natürlich gezeugten Tieren zu unterscheiden sind. Also keine Fehlprogrammierungen der Kerne oder Eizellen, keine andere Entwicklung, keine Gesundheitsprobleme. Klingt für mich, als wolle die EU lediglich den Import aus den US unterbinden, der einträgliche Summen für Hochleistungstiere ins Ausland schafft.
kritischer-spiegelleser 16.12.2013
2. Klontiere
Was über die einzelnen Länder nicht geht, geht dann eben über die EU. Und die EU lässt jedem Mist zu und macht ihm per Gesetz Tür und Tor auf! Es wird Zeit der EU endlich klar vorzugeben um was sie sich kümmern darf und wo sie die Finger wegzulassen hat! Das kann so nicht weitergehen!
weiterschlafen 16.12.2013
3. endlich eine sinnvolle Regelung
Ich finde es gut so und bin der Meinung dass Klonntiere nicht mehr zugelassen werden sollen. Wer Klonnfleisch essen möchte,der soll es auch tun und am falschen Ende sparren. ICH möchte dass nicht. Und es ist mir egal wie viele Studien, Wissenschaftler und Politiker mir versichern möchten das es ungefährlich ist Klonnfleisch zu essen und dass es keine Tierquelerei ist. Ich werde das NIE glauben. Endlich eine Ausnahme,eine Sinnvolle Regelung, in die Regelungswüste EU die voll mit unsinnigen Regelungen ist.
the.memory.hole.1984 16.12.2013
4. Thema verfehlt, 6, setzen!
Zitat von sysopDPAEU-Kommissar Tonio Borg macht sich dafür stark, das Klonen von Tieren zu Nahrungsmittelzwecken zu verbieten. Eine ursprünglich geplante Kennzeichnungspflicht für das Fleisch von Klontier-Nachkommen wird es aber nicht geben - das sei aber entscheidend, sagen jetzt Kritiker. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klontier-verbot-der-eu-kommission-sorgt-fuer-kritik-a-939316.html
Was soll dieser Unfug? Die "Qualen," die das Klonen bringen koennte sind nichts verglichen mit denen, die "normale" Tiere in der industriellen Landwirtschaft taeglich millionenfach durchleben. Die industrielle Massenproduktion von Tieren ist mit gravierenden Gesundheitsproblemen für die Tiere verbunden und gilt daher zu Recht als Tierquälerei bei allen, die sich mal naeher mit dem Thema beschaeftigen.
buntesmeinung 16.12.2013
5. So ein Unsinn!
Zitat von sysopDPAEU-Kommissar Tonio Borg macht sich dafür stark, das Klonen von Tieren zu Nahrungsmittelzwecken zu verbieten. Eine ursprünglich geplante Kennzeichnungspflicht für das Fleisch von Klontier-Nachkommen wird es aber nicht geben - das sei aber entscheidend, sagen jetzt Kritiker. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/klontier-verbot-der-eu-kommission-sorgt-fuer-kritik-a-939316.html
Klontiere und deren Nachkommen zu erfassen, dürfte ebenso gut oder schlecht funktionieren wie die Registrierung natürlich gezeugter Tiere. Also Klonverbot und Einfuhrverbot lassen sich demnach auch durchsetzen, ebenso natürlich die Kennzeichnungspflicht. Eine Nichtbeachtung müsste aber drastische Strafen nach sich ziehen. Vor betrügerischem Handeln ist man dabei nciht gefeit. Ich glaube, da steckt eher die Furcht vor Schwierigkeiten beim Freihandelsabkommen dahinter. Dieses ist aber ohnehin nicht im Sinne eines Großteils (ich nehme an der Mehrheit) der Bürger, so dass alles, was dieses Abkommen be-, besser noch verhindert, durchaus wünschenswert ist!!!
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