Knochenarbeit Skelett greift aktiv in Stoffwechsel ein

Die Knochen stützen nicht nur den Körper, sondern beeinflussen offenbar auch den Stoffwechsel. Forscher fanden heraus, dass ein Hormon aus dem Skelett von Mäusen Übergewicht und Diabetes entgegenwirkt. Auch in den Knochen von Menschen wird es produziert.


New York - Knochen als Organe zu betrachten, dürfte den meisten Menschen fremd sein - steht das Körpergerüst doch im recht eindimensionalen Ruf, dafür zu sorgen, dass der Mensch nicht in sich zusammensackt. Stützen ja, aber auch steuern? Offenbar tut das Skelett des Menschen genau das, indem es Stoffwechselhormone produziert.

Mäuse haben einem internationalen Forscherteam den Weg zu dieser Erkenntnis gewiesen. Na Kyung Lee von der Columbia University in New York untersuchte zusammen mit Kollegen genetisch veränderte Mäuse, denen Osteocalcin fehlte. Dass dieses Eiweiß im Knochen gebildet wird, war zwar schon bekannt. Es ist nicht nur Bestandteil der festen Knochensubstanz, sondern gelangt auch vom Knochen aus in andere Gewebearten. Ob das aber irgendeinen Zweck erfüllt, war bislang unklar. Lee und sein Team haben nun beobachtet, dass Tiere zu starkem Übergewicht neigen, wenn ihnen der Stoff fehlt. Nicht bloß Mäuse, auch Menschen bilden Osteocalcin in bestimmten Knochenzellen.

In der Fachzeitschrift "Cell" (Bd. 130, S. 456) berichten die Wissenschaftler nun, dass der Osteocalcinspiegel den Zuckerstoffwechsel beeinflusst. Ein Mangel führte bei den Tieren nicht nur Übergewicht, sondern auch zu Typ-II-Diabetes, die früher auch Altersdiabetes genannt wurde.

Spritzten die Forscher den kranken Mäusen hingegen zusätzliches Osteocalcin, produzierten die Tiere mehr Insulin, und entsprechend sank ihr Blutzuckergehalt. Bei Versuchen im Reagenzglas zeigte sich außerdem, dass das Knocheneiweiß die Fettzellen anregt, ein Hormon namens Adiponektin zu bilden. Das verstärkt wiederum die positive Wirkung des Insulins auf den Blutzuckerspiegel.

"Durch die Erkenntnis, dass unsere Knochen auf eine Weise, die uns bisher verschlossen geblieben war, über den Blutzucker wachen, gewinnen wir ein völlig neues Verständnis von der Funktion des Skelettes", sagte Gerard Karsenty aus dem Forschungsteam.

In einer vorangegangenen Studie hatten die Forscher bereits festgestellt, dass das Fettgewebe über ein bestimmtes Hormon mit den Knochen kommuniziert. Nun zeichnet sich den Forschern das Bild vom Skelett, das in einen Signalkreislauf eingebunden ist - und aktiv Stoffwechselfunktionen steuert.

stx/ddp/dpa



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