Körper und Geist: Psycho-Trick fördert gesundes Verhalten

Salat? Oder doch Currywurst und Pommes? Die Wahl des Mittagsessens kann durch einen Kniff überraschenderweise beeinflusst werden. Möglich wird das durch ein grundlegendes psychologisches Konzept - nämlich, wie stark Menschen Körper und Geist als getrennt voneinander wahrnehmen.

Mensa der Uni Tübingen (Archivbild): Was kommt auf den Teller? Zur Großansicht
dapd

Mensa der Uni Tübingen (Archivbild): Was kommt auf den Teller?

"Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach." Der aus der Bibel stammende Satz ist eines von vielen Beispielen dafür, dass Menschen Geist und Körper als auf gewisse Weise voneinander getrennt wahrnehmen. Das ist auch eine Voraussetzung dafür, an ein Leben nach dem Tod oder etwa an Reinkarnation zu glauben - dies ist ja nur möglich, wenn der Geist das Ende des Körpers überdauert. Als Geist-Körper-Dualismus bezeichnen Psychologen das Phänomen. Andererseits lassen sich Geist und Körper auch als Einheit sehen, die Forscher sprechen dann von einer physikalistischen Perspektive.

Eine Gruppe von Psychologen der Universität Köln erforscht, wie sich diese unterschiedlichen Betrachtungsweisen auf das menschliche Verhalten auswirken. Wie sie im Fachmagazin "Psychological Science" berichten, fördert der Geist-Körper-Dualismus vergleichsweise ungesunde Entscheidungen. Wer Körper und Geist als Einheit sieht, scheint dagegen stärker darauf bedacht, auch den Körper vor Schädlichem zu schützen.

Matthias Forstmann und seine Kollegen führten eine Reihe von Tests mit verschiedenen Teilnehmergruppen durch. An einigen Experimenten, die zum Teil online stattfanden, nahmen vorwiegend Männer aus den USA teil, an anderen dagegen vor allem deutsche Studentinnen.

Test in der Mensa

Besonders beeindruckend ist dabei ein Praxistest an der Universität: Die Psychologen baten 53 Studenten, die auf dem Weg in die Mensa waren, an einem Experiment teilzunehmen, bei dem angeblich ihr Gedächtnis auf die Probe gestellt werden sollte. Zuerst wurde den Probanden entweder das Konzept des Geist-Körper-Dualismus oder das der physikalistischen Perspektive erläutert, anschließend sollten sie dies in eigenen Worten zusammenfassen. Die Beschäftigung mit so einem Phänomen beeinflusst Menschen durchaus für eine Weile, zeigen zahlreiche frühere Untersuchungen - bekannt ist dies als "Priming". Anschließend folgte die kurze, für die eigentliche Studie unwichtige Gedächtnisaufgabe. Nachdem die Studenten gegessen hätten, sollten sie diese Aufgabe wiederholen, hieß es.

Die Probanden gingen also in die Mensa und kehrten anschließend ins Labor zurück, wo sie unter anderem angaben, was sie gegessen hatten. Das Ergebnis: Die Teilnehmer, die sich mit Geist-Körper-Dualismus beschäftigt hatten, hatten eher ungesund gegessen - das gaben sowohl sie selbst an, als auch ein Forscher, der die Mahlzeiten verglich. Das ist erstaunlich, da solche Essensentscheidungen eigentlich nur sehr schwer zu beeinflussen sind.

In den anderen Tests zeigte sich das gleiche Ergebnis: Die Neigung hin zum Geist-Körper-Dualismus war mit weniger gesundheitsfördernden Entscheidungen verknüpft.

Auf dieser Basis lassen sich möglicherweise neue Programme entwickeln, die einen gesünderen Lebensstil fördern könnten, schreiben die Psychologen.

wbr

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