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Körperfett: Dicker Bauch lässt früher sterben

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Übergewicht ist nicht gleich Übergewicht, haben Forscher festgestellt: Ein großer Taillenumfang gefährdet die Gesundheit - selbst wenn man zu den Normalgewichtigen zählt. Sie wollen sicherheitshalber nachmessen? Das Maßband liefert SPIEGEL ONLINE gleich mit.

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Bauchumfang: Bei Männer sollte er nicht größer als 102 Zentimeter sein, bei Frauen nur 88

Der Genuss am Essen sicherte unseren Vorfahren das Überleben. Zielstrebig führte er sie zur richtigen Beute, die Lust auf Süßes zu den Kohlenhydraten, der saftige Geschmack von Fleisch zu den Proteinen und Fetten. Denn nur indem sie auf die Jagd gingen, konnten die frühen Menschen genügend Kraft für ihr anstrengendes Leben sammeln - und schließlich einen absoluten Energiefresser entwickeln: das große menschliche Gehirn. Was unsere Vorfahren am Leben hielt, wird vielen Menschen heute aber zum Verhängnis. In Zeiten, in der sich die Jagd höchstens auf Schnäppchen an der Fleischtheke bezieht, entwickelt die Menschheit ein zunehmendes Problem: Übergewicht.

Während es am Anfang noch hieß, dass Übergewicht generell schädlich ist, werden die Ergebnisse langsam differenzierter. Dabei kam vor allem das Bauchfett in Verruf, das sich zwischen den inneren Organen im Bauchraum anlagert. Bereits mehrere Studien enthielten Hinweise darauf, dass ein Bierbauch - gemessen an einem großen Taillenumfang - das Risiko von Diabetes, Entzündungen und abnormalen Cholesterinwerten erhöht.

Diesen Zusammenhang haben Forscher um Eric Jacobs von der Amerikanischen Krebsgesellschaft in Atlanta jetzt bestätigt. Doch ihre große Studie, über die sie im Fachmagazin "Archives of Internal Medicine" berichten, brachte auch noch andere überraschende Erkenntnisse zutage: Ein großer Taillenumfang erhöht demnach nicht nur das Risiko bestimmter Erkrankungen; er geht auch mit einem erhöhten Sterberisiko einher - und das sogar bei normalgewichtigen Personen.

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Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler die Todesursachen von 14.647 Personen analysiert, die in den USA an einer Untersuchung zur Krebsvorbeugung teilgenommen hatten. Dabei zeigte sich: Menschen mit einem sehr großen Taillenumfang - bei Frauen von mehr als 110, bei Männern von mehr als 120 Zentimetern - hatten ein etwa doppelt so hohes Sterberisiko als andere Teilnehmer, deren Bäuche nur weniger als 75 beziehungsweise weniger als 90 Zentimeter Umfang hatten. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Frauen, die einen dicken Bauch hatten, aber sonst ziemlich dünn waren und deren Gewicht sich im Normalbereich befand.

Die genaue Ursache für die Ergebnisse ist noch unbekannt. Die Forscher gehen jedoch davon aus, dass der Zusammenhang auf die erhöhte Anlagerungen von Fetten im Bauchraum zurückzuführen ist. Diese gelten, im Gegensatz zu den Fetten an Oberschenkel, Po und Armen, als gesundheitsgefährdend.

"Man muss sich das Fett zwischen den Organen wie eine große Drüse vorstellen, die eine Reihe von Hormonen und Entzündungsfaktoren produziert", sagt Harald Schneider von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität zu SPIEGEL ONLINE. Verteilt im Körper bewirken diese Stoffe zum Beispiel, dass Arterien verkalken und steif werden; Herzinfarkt und Schlaganfälle sind zwei mögliche Folgen dieser sogenannten Arteriosklerose.

Um eine derartige Wirkung zu haben, muss der Bauch nicht unbedingt ins Auge stechen: Als kritisch gelten - je nach Expertenmeinung - bei Frauen Umfänge ab 80 oder 88 Zentimetern, bei Männern wird es ab einer Dicke von 94 oder 102 Zentimetern ernst. Das sind noch relativ moderate Werte.

"Der Bauchumfang im Verhältnis zum Body-Mass-Index hat gerade bei Normalgewichtigen eine große Bedeutung", sagt Heiner Boeing, der die Abteilung für Epidemiologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung leitet, SPIEGEL ONLINE. Das bedeutet, normalgewichtige Menschen dürfen sich nicht auf die Waage allein verlassen, sondern sollten auch das Maßband in die Hand nehmen.

Bisher wird das Gewicht vor allem anhand des Body-Mass-Index eingestuft, der Menschen mit der Formel "Gewicht durch Körpergröße in Metern zum Quadrat" in Kategorien von untergewichtig bis fettleibig einteilt. Experten streiten schon seit längerem über die Aussagekraft dieses Werts, der die Fettverteilung im Körper nicht berücksichtigt. Ob allein der Taillenumfang als Maß ausreicht, ist aber auch strittig. "Nehmen Sie einen Mann von 1,50 Metern Größe und einen Mann von zwei Metern Größe. Bei einem Taillenumfang von 102 Zentimetern hat der kleinere Mann in Relation mehr Bauchfett, der große Mann ist deutlich schlanker", sagt Schneider.

Stattdessen empfiehlt der Forscher den sogenannten Waist-to-height-Ratio, bei dem Taillenumfang durch Körpergröße geteilt wird. Je größer das Ergebnis ist, desto größer ist auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei einer Studie mit knapp 11.000 Teilnehmern hat Schneider mit seinem Team Grenzwerte von 0,5 für Personen unter 40 Jahren und 0,6 für Menschen über 50 Jahren festgelegt. Die beiden Zahlen gelten jedoch nur als grobe Richtlinien, bis sie von weiteren Studien gefestigt werden.

Wollen Sie nun wissen, wie Ihr Bauch abschneidet? Dann basteln Sie sich am besten ein Maßband aus unserem Vordruck (siehe PDF links vom Artikel), und vermessen Sie Ihren Bauch in Taillenhöhe. Anschließend müssen Sie Ihren Bauchumfang nur noch durch Ihre Körpergröße teilen: Haben Sie zum Beispiel einen Umfang von 80 Zentimetern und sind 180 Zentimeter groß, teilen Sie 80 durch 180. Ihr Bauch ist perfekt, wenn das Ergebnis unter 0,5 liegt - Menschen über 50 Jahre dürfen einen Wert bis 0,6 erreichen.

Ist Ihr Bauch bei dem Test durchgefallen, hilft laut Experten nur noch eine Kombination aus Sport und gesunder Ernährung. Zumindest einen Vorteil hat das Bauchfett jedoch: Im Gegensatz zu dem Fett unter der Haut greift der Körper in Krisenzeiten extrem schnell auf es zurück - ein dicker Bauch lässt sich also leichter wegtrainieren als ein dicker Po. Immerhin etwas!

Mit Material von dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 88 Beiträge
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1. Ziemlich viel falsch
Germanasty 10.08.2010
Der Artikel ist wenig brauchbar zur Selbstkontrolle. Das was der Mann auf dem Photo misst, ist alles andere als der Taillenumfang. Dieser wird oberhalb des Bauchnabels gemessen. Die Behauptung Bauchfett würde als erstes abtrainiert ist ebenfalls in aller Regel grundfalsch. Bauchfett wird erst als allerletztes abgebaut.
2. Lektor Telefon
forumhorst 10.08.2010
dass die Kollegen aus Süddeutschland "wie" statt "als" verwenden, mag man ihnen nachsehen. Aber "als" statt "wie"? "doppelt so hohes Sterberisiko als andere Teilnehmer"? Bin ich jetzt doppelt so dick als du? War "als" nicht das mit dem Komparativ?
3. das ist aber ungerecht...
Heinzrüdiger, 10.08.2010
... für Leute ab 2 m aufwärts. Die müssen ja schon arge Spargeltarzane sein, um einen gesunden Umfang zu halten. Ein Wunder, dass Richard Kiel noch am Leben ist
4. Körperfett
Hilfskraft 10.08.2010
hab´s gerade mal nachgemesen ... sorry! Die Herrschaften haben nicht alle Latten am Zaun! H.
5. Lesen
GrinderFX 10.08.2010
Zitat von GermanastyDer Artikel ist wenig brauchbar zur Selbstkontrolle. Das was der Mann auf dem Photo misst, ist alles andere als der Taillenumfang. Dieser wird oberhalb des Bauchnabels gemessen. Die Behauptung Bauchfett würde als erstes abtrainiert ist ebenfalls in aller Regel grundfalsch. Bauchfett wird erst als allerletztes abgebaut.
Sie haben es absolut nicht verstanden. Es gibt Bauchfett welches sich außerhalb befindet, sprich direkt unter Haut und Bauchfett, welches sich unter der Bauchdecke befindet um die Organe rum. Das, was um die Organe rum ist baut der Körper zuerst ab und genau DAS wurde auch im Artikel geschrieben. Das ist kein Fett welches sie anfassen oder absaugen können.
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Übergewicht und Fettsucht
Die Fettsuchtepidemie
Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, gehört in den Industrienationen zu den führenden Auslösern von Todesfällen und Invalidität. Studien zufolge ist die Krankheit weltweit für jährlich rund 2,6 Millionen Todesfälle und mindestens 2,3 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich.
Folgeerkrankungen
Die Adipositas kann Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz- und Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und psychische Beschwerden hervorrufen. Die Weltgesundheitsorganisation und auch die US-Gesundheitsbehörden sprechen inzwischen von einer Fettsuchtepidemie, die ebenso bekämpft werden müsse wie tödliche Infektionskrankheiten.
Body-Mass-Index (BMI)
Ob jemand übergewichtig oder fettsüchtig ist, ermitteln Mediziner anhand des Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert entspricht dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Ein Beispiel: Ein 1,80 Meter großer Mann wiegt 75 Kilogramm. Sein BMI beträgt 75 : 1,80² = 23,15. Als Idealwert gilt bei Frauen ein BMI von 22, bei Männern ein BMI von 24.
BMI-Tabellen
Der "wünschenswerte" BMI hängt vom Alter ab. Die linke Tabelle zeigt die entsprechenden Werte für verschiedene Altersgruppen. Die rechte Tabelle zeigt die BMI-Klassifikation (nach DGE, Ernährungsbericht 1992):

Alter BMI
19-24 Jahre 19-24
25-34 Jahre 20-25
35-44 Jahre 21-26
45-54 Jahre 22-27
55-64 Jahre 23-28
>64 Jahre 24-29

Klassifikation männl. weibl.
Untergewicht unter 20 unter 19
Normalgewicht 20-25 19-24
Übergewicht 25-30 24-30
Adipositas 30-40 30-40
massive Adipositas über 40 über 40


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