Körpergröße Europäer überholen US-Amerikaner

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wuchsen US-Amerikaner höher als Zeitgenossen in Europa. Jetzt hat sich der Trend umgekehrt: Wohl vor allem Dank der besseren sozialen Absicherung haben die Europäer die US-Amerikaner bei der Körpergröße überholt.


"Seit der Kolonialzeit überragten die Amerikaner in Bezug auf Körpergröße die anderen Populationen und zwar sogar bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts", erklärte John Komlos von der Universität München. "Mittlerweile aber sind sie kleiner als die meisten West- und Nordeuropäer, obwohl sie nach offiziellen Zahlen an Reichtum gewonnen haben."

Körpergröße: Europäer haben US-Amerikaner überholt
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Körpergröße: Europäer haben US-Amerikaner überholt

Die europäischen Längen-Spitzenreiter seien inzwischen die Niederländer, die im Schnitt sechs Zentimeter größer als der Durchschnitts-US-Amerikaner seien. Dies sei eine fast exakte Umkehrung der Verhältnisse, wie sie Mitte des 19. Jahrhunderts herrschten, schreiben die Wissenschaftler aus München und von der Princeton University im Fachblatt "American Journal of Human Biology". Bei ihrer Studie hatten sie erstmals statistische Daten über mehrere Jahrzehnte hinweg analysiert.

Prinzipiell habe sich jedoch der bekannte Zusammenhang zwischen Einkommen und Körpergröße über die Jahrzehnte bestätigt: "Wer mehr verdient, versorgt in der Regel auch seine Kinder besser, die dann ihr physisches Potenzial maximal ausschöpfen können", erklärte Komlos. Vor allem die Lebensbedingungen während der Kindheit und Jugend spiegelten sich später in der Körpergröße von Erwachsenen wider.

"Wir vermuten deshalb, dass die Gesundheitssysteme und die hohe soziale Sicherheit der Europäer günstigere Bedingungen für Heranwachsende schaffen als das amerikanische Gesundheitssystem, obwohl dieses die Bevölkerung doppelt so viel kostet", erklärte der Münchner Wirtschaftshistoriker.

Stagnation seit den fünfziger Jahren

Hier spielten zudem vermutlich große soziale Unterschiede zwischen den amerikanischen Bevölkerungsschichten eine große Rolle für die im Schnitt gesunkene Körpergröße. "So leben etwa 15 Prozent der US-Population ohne medizinische Versorgung, ohne Krankenversicherung und deshalb mit mangelhafter Absicherung, während in weiten Teilen Europas ein Minimum an Schutz für die gesamte Bevölkerung garantiert ist", sagte Komlos.

In US-amerikanischen Städten gebe es zudem bestimmte Viertel mit außerordentlich schlechten Lebensbedingungen, ohne ausreichende Hygiene oder medizinische Versorgung: "Vermutlich führen all diese und weitere Faktoren dazu, dass die USA als eines der reichsten Länder der Erde an Körpergröße und Lebenserwartung hinter anderen Industrienationen herhinkt und zudem unter den reichen Ländern die höchste Säuglingssterblichkeit zu beklagen hat."

Die detaillierte Analyse der Daten zeigte, dass die Körpergröße der weißen Amerikaner seit den fünfziger Jahren stagniert, bestenfalls minimal angestiegen ist. Bei den schwarzen Amerikanern dagegen hat die Körpergröße vor allem bei den Männern zwar zugenommen - aber nur bis zum Niveau ihrer weißen Zeitgenossen.

hda/AP



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