Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Neuer Weltklimabericht: Das Wissen ist da, jetzt muss gehandelt werden

Ein Kommentar von

Sonnenaufgang (im US-Bundesstaat Indiana, Januar 2012): Hickhack wird weitergehen Zur Großansicht
AP / The Star Press / Kurt Hostetler

Sonnenaufgang (im US-Bundesstaat Indiana, Januar 2012): Hickhack wird weitergehen

Mehr als 800 Experten und 195 Staaten waren beteiligt, auf 2000 Seiten liefert der neue Uno-Bericht Erkenntnisse zu unserem Klima. Er zeigt besorgniserregende Entwicklungen auf. Zeit, dass die Weltgemeinschaft endlich handelt.

Der fünfte Klimabericht der Vereinten Nationen ist mit 2000 Seiten ein Mammutdokument - und das Ergebnis einer unvorstellbaren Fleißarbeit. Allein für den letzten Entwurf des Berichts hatten 800 Experten und 26 Regierungen genau 31.422 Kommentare beigesteuert (die zentralen Ergebnisse finden Sie hier).

Bis zum frühen Freitagmorgen deutelten Politiker in einer ehemaligen Brauerei in Stockholm noch einmal in ihrem Sinne an den Ergebnissen herum. Schließlich wird die Zusammenfassung für Entscheidungsträger die Debatte der kommenden Monate und Jahre bestimmen. Und das Hickhack wird weitergehen: Zwei weitere Arbeitsgruppen präsentieren im kommenden Frühjahr ihre Ergebnisse in Japan und Deutschland. Dabei geht es um die Kapitel zur Anpassung an den Klimawandel und zur Vermeidung weiterer Emissionen.

Kein allzugroßes Erkenntnisproblem

Dennoch bleiben viele Fragen offen, unter anderem in puncto extreme Wetterereignisse oder der sogenannten Klimasensitivität. Dabei geht es um die Frage, wie stark sich die Erde tatsächlich im Schnitt erwärmt, wenn sich die CO2-Konzentration in der Atmosphäre verdoppelt. Dass der neue Bericht die Schätzungen hier leicht nach unten korrigiert, wird für Diskussionen sorgen. Wer nach wie vor am Klimawandel zweifelt, wird das als Beleg für die verlockende These ansehen: Alles halb so schlimm.

Und nicht nur Skeptiker werden - teils zu Recht - wieder auf die Schwierigkeiten der Modellierer hinweisen, selbst die aktuelle Entwicklung des Klimas zu erklären. Von der Zukunft ganz zu schweigen. Man wird - ebenfalls zu Recht - auch die unsägliche Geheimniskrämerei des Weltklimarats bei der Erstellung des Berichts aufs Neue anprangern. Und es wird - noch einmal zu Recht - um das Gremium als politisches Konstrukt gehen, in dem Politik über Wissenschaft triumphieren kann.

Doch so wichtig diese Debatten am Ende auch sind, dürfen sie den Blick auf die wesentliche Nachricht nicht verstellen: Es gibt beim Klimawandel - bei allen verbleibenden wissenschaftlichen Unsicherheiten - kein allzu großes Erkenntnisproblem. Was es gibt, ist ein Handlungsproblem. Die Menschheit stößt Jahr für Jahr mehr Treibhausgase aus. Und diese erwärmen ungeachtet einer zwischenzeitlichen Pause langfristig unseren Planeten - von der Atmosphäre bis in die Tiefsee. Sie lassen Eismassen schmelzen, den Meeresspiegel steigen, die Ozeane versauern.

Weltklimarat braucht dringend Reformen

Gleichzeitig kommen die internationalen Bemühungen für ein Klimaabkommen nicht voran. Ein ermüdender und erfolgloser Klimagipfel folgt auf den anderen. Der nächste Akt des Dramas wird im November im Nationalstadion von Warschau aufgeführt. Doch das Problem des Klimawandels verschwindet nicht, nur weil der eine oder andere meint, mittlerweile genug darüber gehört oder geredet zu haben. Ganz im Gegenteil.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse müssen endlich reale politische Folgen haben: Einfach mal machen! Alte Feindbilder taugen dabei nicht mehr: Im selbst erklärten Energiewende-Musterland Deutschland steigen die CO2-Emissionen - trotz steigenden Ökostromanteils und explodierenden Stromkosten. Gleichzeitig sinkt der Treibhausgas-Ausstoß in den USA, wo Präsident Obama Uralt-Kraftwerke vom Netz nehmen lassen will.

Die internationalen Klimagipfel brauchen Bewegung, durch Amerikaner, Chinesen, Europäer. Ein wichtiger Schritt dafür könnte ein Handelssystem für CO2-Verschmutzungsrechte sein, das auch China umfasst. Und auch der Weltklimarat braucht dringend Reformen, die weniger politischen Einfluss und eine offenere Kommunikation möglich machen.

Vielleicht könnten zukünftige Berichte gar als eine Art Wiki im Netz entstehen. Das würde verhindern, dass die frischesten Studien in den Dokumenten bisher keine Berücksichtigung finden. Es würde die Debatten endlich transparent werden lassen - und ständig einen aktuellen Stand der Forschung verfügbar machen. Nicht nur alle sechs oder sieben Jahre.

Dem Autor auf Twitter folgen:

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 132 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Da ist sie mal wieder,
moeski 27.09.2013
die Mär von der Weltgemeinschaft.
2. optional
frankmerkel 27.09.2013
das kann nur funktionieren, wenn wir die kapitalistische Wirtschaftsform aufgeben. Ein System das zum funktionieren permantentes Wachstum braucht, zerstört dieses Planeten zwangsläufig. Kapitalismus oder Überleben? Die Gier der Wohlstandsbürger wird voraussichtlich größer als die Vernunft sein!
3. Maßnahmen
CWAE 27.09.2013
Nun muss gehandelt werden? Aber micht mit dem Einsetzen einer totalitären Weltregierung wie es sich demokratieskeptische Klimapropheten erhoffen.
4. Da erholt sich die Erde gerade mühsam ...
Methusalixchen 27.09.2013
... von der letzten Zwischeneiszeit, und wir sollen das aufhalten? Wie denn? Und vor allem. Warum denn?
5. Angela Merkel voran
falx 27.09.2013
Angela Merkel geht voran, nur in die falsche Richtung. Sie hat zuletzt dieses Jahr als Einzige die EU-weite Senkung des durchschnittlichen CO2-Ausstosses bis 2020 blockiert. Daneben ist sie mitverantwortlich für den Preisverfall beim CO2-Zertifikatehandel. Danke.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Ein ungebremster Ausstoß von Treibhausgasen würde das Klima bis zum Ende des Jahrhunderts vermutlich um rund 3,7 Grad erwärmen.
  • Es drohen mehr Hitzewellen.
  • Der Anstieg der Meere könnte Jahrhunderte weitergehen. Bis zum Ende dieses Jahrhunderts drohe ein Anschwellen um 26 bis 81 Zentimeter, je nachdem, um wie viel Treibhausgase die Welt erwärmen.
  • Viele Gletscher, die auch als Trinkwasserressourcen dienen, könnten komplett verschwinden.
  • Die Ozeane drohen saurer zu werden, Organismen würde es schwerer fallen, ihre Schalen zu bilden.
  • Klimazonen könnten sich verschieben. In den Subtropen und angrenzenden Regionen wie am Mittelmeer dürfte es deshalb häufiger Dürren geben.
  • In den Tropen und in mittleren Breiten wie Deutschland würde es mehr Starkregen geben.

Fotostrecke
5. IPCC-Report: Stockholm erklärt das neue Klima


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: