Neuer Weltklimabericht: Das Wissen ist da, jetzt muss gehandelt werden
Mehr als 800 Experten und 195 Staaten waren beteiligt, auf 2000 Seiten liefert der neue Uno-Bericht Erkenntnisse zu unserem Klima. Er zeigt besorgniserregende Entwicklungen auf. Zeit, dass die Weltgemeinschaft endlich handelt.
Der fünfte Klimabericht der Vereinten Nationen ist mit 2000 Seiten ein Mammutdokument - und das Ergebnis einer unvorstellbaren Fleißarbeit. Allein für den letzten Entwurf des Berichts hatten 800 Experten und 26 Regierungen genau 31.422 Kommentare beigesteuert (die zentralen Ergebnisse finden Sie hier).
Bis zum frühen Freitagmorgen deutelten Politiker in einer ehemaligen Brauerei in Stockholm noch einmal in ihrem Sinne an den Ergebnissen herum. Schließlich wird die Zusammenfassung für Entscheidungsträger die Debatte der kommenden Monate und Jahre bestimmen. Und das Hickhack wird weitergehen: Zwei weitere Arbeitsgruppen präsentieren im kommenden Frühjahr ihre Ergebnisse in Japan und Deutschland. Dabei geht es um die Kapitel zur Anpassung an den Klimawandel und zur Vermeidung weiterer Emissionen.
Kein allzugroßes Erkenntnisproblem
Dennoch bleiben viele Fragen offen, unter anderem in puncto extreme Wetterereignisse oder der sogenannten Klimasensitivität. Dabei geht es um die Frage, wie stark sich die Erde tatsächlich im Schnitt erwärmt, wenn sich die CO2-Konzentration in der Atmosphäre verdoppelt. Dass der neue Bericht die Schätzungen hier leicht nach unten korrigiert, wird für Diskussionen sorgen. Wer nach wie vor am Klimawandel zweifelt, wird das als Beleg für die verlockende These ansehen: Alles halb so schlimm.
Und nicht nur Skeptiker werden - teils zu Recht - wieder auf die Schwierigkeiten der Modellierer hinweisen, selbst die aktuelle Entwicklung des Klimas zu erklären. Von der Zukunft ganz zu schweigen. Man wird - ebenfalls zu Recht - auch die unsägliche Geheimniskrämerei des Weltklimarats bei der Erstellung des Berichts aufs Neue anprangern. Und es wird - noch einmal zu Recht - um das Gremium als politisches Konstrukt gehen, in dem Politik über Wissenschaft triumphieren kann.
Doch so wichtig diese Debatten am Ende auch sind, dürfen sie den Blick auf die wesentliche Nachricht nicht verstellen: Es gibt beim Klimawandel - bei allen verbleibenden wissenschaftlichen Unsicherheiten - kein allzu großes Erkenntnisproblem. Was es gibt, ist ein Handlungsproblem. Die Menschheit stößt Jahr für Jahr mehr Treibhausgase aus. Und diese erwärmen ungeachtet einer zwischenzeitlichen Pause langfristig unseren Planeten - von der Atmosphäre bis in die Tiefsee. Sie lassen Eismassen schmelzen, den Meeresspiegel steigen, die Ozeane versauern.
Weltklimarat braucht dringend Reformen
Gleichzeitig kommen die internationalen Bemühungen für ein Klimaabkommen nicht voran. Ein ermüdender und erfolgloser Klimagipfel folgt auf den anderen. Der nächste Akt des Dramas wird im November im Nationalstadion von Warschau aufgeführt. Doch das Problem des Klimawandels verschwindet nicht, nur weil der eine oder andere meint, mittlerweile genug darüber gehört oder geredet zu haben. Ganz im Gegenteil.
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse müssen endlich reale politische Folgen haben: Einfach mal machen! Alte Feindbilder taugen dabei nicht mehr: Im selbst erklärten Energiewende-Musterland Deutschland steigen die CO2-Emissionen - trotz steigenden Ökostromanteils und explodierenden Stromkosten. Gleichzeitig sinkt der Treibhausgas-Ausstoß in den USA, wo Präsident Obama Uralt-Kraftwerke vom Netz nehmen lassen will.
Die internationalen Klimagipfel brauchen Bewegung, durch Amerikaner, Chinesen, Europäer. Ein wichtiger Schritt dafür könnte ein Handelssystem für CO2-Verschmutzungsrechte sein, das auch China umfasst. Und auch der Weltklimarat braucht dringend Reformen, die weniger politischen Einfluss und eine offenere Kommunikation möglich machen.
Vielleicht könnten zukünftige Berichte gar als eine Art Wiki im Netz entstehen. Das würde verhindern, dass die frischesten Studien in den Dokumenten bisher keine Berücksichtigung finden. Es würde die Debatten endlich transparent werden lassen - und ständig einen aktuellen Stand der Forschung verfügbar machen. Nicht nur alle sechs oder sieben Jahre.
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