"Japans Pompeji": Aschetod des Vulkanbeschwörers

Vor 1400 Jahren hatte er offenbar versucht, einen Ausbruch zu stoppen - dabei wurde der Mann von 1000 Grad heißer Asche begraben. Nun haben Archäologen seine Leiche entdeckt. Sie sprechen von "Japans Pompeji".

Begraben unter Asche und seinem gelben Panzeranzug: Tod am Vulkan Zur Großansicht
AFP/ Gunma Archaelogical Research Foundation

Begraben unter Asche und seinem gelben Panzeranzug: Tod am Vulkan

Kanai Higashiura/Hamburg - In einem als "japanisches Pompeji" bekannten Ausgrabungsgebiet haben Forscher die gut erhaltenen Überreste eines Mannes aus dem sechsten Jahrhundert entdeckt. Der mit einer Rüstung bekleidete Mann sei offenbar bei dem Versuch, den Zorn des Vulkans zu besänftigen, von etwa 1000 Grad heißer Asche begraben worden, erklärten Wissenschaftler.

"Normalerweise würde jeder fliehen, wenn ein pyroklastischer Strom mit Hitzewellen auf ihn zukommt. Doch dieser Mensch starb, als er sich dem Strom zuwandte", sagte Shinichiro Ohki der Nachrichtenagentur AFP.

Womöglich habe es sich demnach um eine Art Vulkan-Beschwörer und zudem um eine hochgestellte Persönlichkeit gehandelt, die beim Gebet oder bei einem ähnlichen Versuch zur Besänftigung des Vulkans gestorben sei, meinen die Forscher. Die Überreste wurden im Ausgrabungsgebiet Kanai Higashiura am Vulkan Haruna in der Präfektur Gunma nordwestlich von Tokio gefunden.

Neben den Überresten des Mannes lag ein Teil eines Kinderschädels. Bekleidet war der Mann mit einer Rüstung aus mit Lederbändern zusammengeknüpften Metallplatten. Diese Technologie war damals gerade erst von der koreanischen Halbinsel nach Japan eingeführt worden.

Die Archäologen wollen nun das Erbgut der Mannes mit Überresten aus alten Grabanlagen vergleichen - und klären, ob der Tote mit ranghohen Persönlichkeiten der Region verwandt war. Auch eine mögliche Verwandtschaft mit dem Kind soll geprüft werden.

boj/AFP

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1.
borzensen 18.12.2012
Womöglich hat das Opfer auch ganz einfach nur zufällig in diese Richtung geschaut
2. Wie bitte?
tylerdurdenvolland 19.12.2012
Zitat von borzensenWomöglich hat das Opfer auch ganz einfach nur zufällig in diese Richtung geschaut
Wie können sie es wagen einem Wissenschaftler zu widersprechen?
3. Einfach nur sehenden Auges in den Tod gegangen.
UbuRoy 19.12.2012
Nix besonderes für Japaner in Rüstung, oder? Hat jeder Samurai sicher verinnerlicht statt einen Vulkanausbruch zu bebeten...
4. Beachtlich!
tvinnefossen 19.12.2012
Ich finde es beachtlich, daß die Archäologen weltweit, nur die überreste von wichtigen, hochgestellten Personen finden, die großes taten oder vorhatten. Kaum werden überreste von total unwichtigen, nichts besonderes tuenden einfachen Menschen gefunden. Nur Stars und missing links - Wahnsinn!
5. Forschungsgelder
m a x l i 19.12.2012
Zitat von tvinnefossenIch finde es beachtlich, daß die Archäologen weltweit, nur die überreste von wichtigen, hochgestellten Personen finden, die großes taten oder vorhatten. Kaum werden überreste von total unwichtigen, nichts besonderes tuenden einfachen Menschen gefunden. Nur Stars und missing links - Wahnsinn!
Das ist schnell erklärt. (Ich vermute, Sie wissen das schon.) Wenn Sie als Wissenschaftler heutzutage täglich Brot auf den Tisch bringen wollen und sich nicht nächsten Monat schon zu denen gesellen wollen, die redundant sind, sind Sie die überwiegende Zeit Ihrer wissenschaftlichen Karriere damit beschäftigt, Anträge für Forschungsgelder zu schreiben. In diesen Anträgen müssen Sie dann lang und breit erklären, welche sensationellen Entdeckungen Sie vorhaben im nächstes Jahr zu machen. Nun raten Sie mal, was der Handvoll Herrschaften, die über fast alles Geld verfügen, besser gefällt: a) Nächstes Jahr entdecke ich die Überreste eines Hohepriesters, der der Sohn des Pharaos Ramses des II. und einer aztekischen Wunderheilerin ist und rituelle Beschwörungen singend, die von den Neandertalern übernommen wurden, sich einem ausbrechenden Vulkan entgegengestellt hat. oder b) Nächstes Jahr buddle ich die vergammelten Knochen eines Bauerntölpels, der gerade am Wegrand seine Notdurft verrichtet hat und dabei von einem Vulkan hinweggerafft wurde, aus.
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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
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Lumineszenzdatierung
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Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.