Klare Ziele setzen So arbeiten Sie konzentrierter

Die guten Vorsätze sind groß - bis man über der Bewerbung sitzt, dem Referat oder dem Vortrag. Lässt man sich schnell ablenken, helfen vor allem zwei Dinge: eine Deadline und ein klares Ziel.

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Effektiv bei der Sache sein, das wünschen sich viele Menschen. Doch konzentriertes "Dranbleiben" fällt oft schwer. Die Lernexpertin Verena Steiner hat in einer Umfrage mit Studierenden an der ETH Zürich festgestellt, dass diese als dritthäufigste Lernblockade "mangelnde Konzentration" nennen. In einem ganzen Buch hat sich Steiner deshalb mit dem Thema beschäftigt.

Um Konzentration auf effektive Wiese zu steigern, hilft vor allem eins: sich ein klares Ziel zu setzen und das Erreichen zeitlich zu begrenzen. Dazu stellen wir Ihnen diese Woche zwei Übungen aus Steiners Repertoire vor: Die erste Übung eignet sich besser, wenn Sie schon ein konkretes Lernprojekt verfolgen, die zweite ist besser für Einsteiger.

Da das Verknappen und Zielsetzen eine sehr wichtige Rolle beim cleveren Lernen spielt, lohnt es sich in dieser Woche auch durchaus, beide Übungen auszuprobieren:

Für Lernhungrige: Ein forderndes, kurzzeitiges Ziel setzen

Nehmen Sie sich in dieser Woche einmal eine Stunde Zeit und setzen Sie sich für Ihr Lernprojekt ein konkretes, ehrgeiziges Ziel, das Sie mit ein bisschen Anstrengung in einer Stunde schaffen können. Nehmen Sie etwa das Fremdsprachenlehrbuch und sagen Sie: "In einer Stunde will ich eine Lektion gelesen haben und 20 neue Vokabeln gelernt haben". Oder Sie nehmen sich vor, ein Kapitel aus einem Sachbuch zu lesen und die wichtigsten Schlüsselthesen aufzuschreiben und zu verinnerlichen.

Wichtig ist, dass das Lernziel zwar nicht unmöglich sein darf, aber ruhig "sportlich". Haben Sie ein Lernziel gefunden? Gut, dann probieren Sie, es in der festgesetzten Zeit zu erreichen. Probieren Sie es mindestens ein Mal in dieser Woche aus - Sie werden wahrscheinlich verblüfft sein, wie viel mehr Sie schaffen, wenn Sie konkret werden und sich zeitlich limitieren.

Für Einsteiger: Eine Stunde, ein Buch

Nehmen Sie sich ein Sach- oder Fachbuch zur Hand. Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit und versuchen Sie, das Buch in dieser Stunde "quer zu lesen". Studieren Sie das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung, versuchen Sie, die Struktur des Buches und die wichtigsten Thesen zu erfassen. Es geht weniger darum, alles zu lesen, als vielmehr darum, sich einen Eindruck zu verschaffen, die Hauptthesen des Werks zu erfassen.

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Wer wenig Übung mit dieser Art des Lesens hat, stresst sich möglicherweise mit der Zeitvorgabe und hetzt sich. Versuchen Sie dieser Tendenz entgegenzuwirken und schalten Sie in den "Neugiermodus": Was zieht Sie an? Was strahlt das Buch aus? Nach einer Stunde legen Sie das Buch zur Seite. Diese Methode bringt Ihnen nicht nur eine andere Art des Lesens näher; sie macht auch erfahrbar, dass Zeitbegrenzungen beim Lesen und Lernen häufig die Konzentration steigern - und so oft auch die Freude am Lernen. Oder hätten Sie das Buch ohne die Übung überhaupt je zur Hand genommen?

In dieser Woche ist das neue SPIEGEL WISSEN auf den Markt gekommen. Dieses Mal geht es um das Thema "Tiere verstehen: Was sie denken, fühlen und brauchen".

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
vox veritas 20.10.2017
1.
Punkt 3 fehlt: Legen Sie alle elektrischen Unterhaltungsmedien (Tablets, Smartphones, etc.) weg oder besser schalten Sie diese AUS!
freigeistiger 20.10.2017
2. Perspektive erweitern
Eigentlich hat jeder Freude daran etwas zu bewirken. Wenn es bei der Umsetzung Probleme gibt, kann es an Belastungen liegen, die einen daran hindern. Mangelnde Konzentration und sich ablenken lassen sind ein Hinweis darauf. Dazu muss man sein Leben reflektieren, welche Umstände oder Personen einen inspirieren und motivieren. Diese Kontakte fördern, oder auf- und ausbauen. Umgekehrt feststellen, welche Umstände oder Personen einen "stören" oder belasten. Diese Belastungen eliminieren.
Newspeak 20.10.2017
3. ...
"Um Konzentration auf effektive Wiese zu steigern, hilft vor allem eins: sich ein klares Ziel zu setzen und das Erreichen zeitlich zu begrenzen." Sorry, aber aus langjaehriger, frustrationsreicher Erfahrung kann ich nur sagen, das hilft im allgemeinen ueberhaupt nichts. Es kann schon Faelle geben, wo die Zielsetzung unklar ist, und man von einer klaren Zielsetzung profitiert. Sagen wir 5%? Eigene Deadlines helfen in ungefaehr 1% der Faelle? Deadlines von ANDEREN sind vielleicht besser, je nachdem wie gross das Druckmittel ist, und ob man fremde oder eigene Ziele verfolgt, ob einem das Erreichen des Ziels nur beruflich wichtig sein muss, oder ob es privat wichtig ist, vielleicht sogar aus Idealismus. Solche Dinge muesste man dann doch mal unterscheiden. Wichtig waere auch, zu erkennen, dass Konzentration keine reine Willensfrage ist. Wenn man muede ist, hilft aller Wille zur Konzentration nichts, wenn man krank ist ebensowenig, oder wenn man echte Probleme hat, die einen "nebenher" belasten. Wenn man genauer darueber nachdenkt, steigert man mit obigem Tipp nicht mal die Konzentration. Durch das Verkleinern der Aufgabe, konzeptionell wie zeitlich, erleichtert man "nur" deren Umsetzung. Es gibt aber Probleme, die bestehen nicht einfach nur aus Verzetteln, sondern die sind schwierig. Wenn ich z.B. scheitere, etwas gemacht zu bekommen, weil ich micht nicht fokussieren kann, welches von fuenf Buechern ich zuerst lesen soll, dann hilft es, vier Buecher wegzulegen und nur eines zu lesen. Wenn ich aber vor fuenf Saetzen mathematischem Beweis sitze, den ich nicht verstehe, dann hilft es nicht nur einen Satz zu betrachten, weil das effektiver ist, sondern das Problem bleibt nach wie vor, alle fuenf in einem zu verstehen. Mir scheint, diese Problemloesungs- und Optimierungsvorschlaege, die gerade im Managementbereich dutzende Regale an Buechern fuellen, werden von Leuten geschrieben, die selbst nie in die Situation gekommen sind, echte, schwere Probleme zu loesen, dicke Bretter zu bohren, und wirklich anspruchsvolle Aufgaben zu loesen, anspruchsvoll in Qualitaet oder Quantitaet.
DonMcM 21.10.2017
4. ach was......
Im Steinerschen Universum werden doch nur einige "Binsenweisheiten" schlicht neu verkauft. Zeitlich knackig, sportlich im Umfang, konkret in der Aufgabenstellung.....gähn, die Litanei betet heute jeder Chef passend zur Effizienzforderung an seine Mitarbeiter herunter. Aber der Hauptaspekt der Ineffizienz, neben der heute zugegebenermaßen auch durch die Medienvielfalt vermehrt grassierenden Ablenkerei, wird nicht mal erwähnt: Der Zweifel ! Es ist das zweifeln, dass die Menschen nicht voran kommen lässt. Nicht gar so schlichte Gemüter zweifeln nämlich sehr gerne an vielen sog. "Aufgaben". Ist das wirklich meine Aufgabe? Bin ich nicht zu spät dran? Wieso mache ich das eigentlich? etc. pp.... Die Zahl der zweifelnden Attitüden geht gegen unendlich. Jeder und wirklich jeder Aufgabe wohnt ein Zweifel inne, zumindest bei halbwegs intelligent und differenziert denkenden Menschen. Man hat das Gefühl, die Millionen an Ratgeberexperten kommen alle aus der Sphäre des "american way of life", den USA, dem Land des schnell sowas von naiv wirkenden Zustandes der "generaloptimistischen Grundhaltung". Nochmal, der generelle Verhaltenskodex eines schnelles und effektiven Lernvorgangs oder sonst eines Aufgabenerledigens muss heißen: KEINE FRAGEN MEHR! KEINE ZWEIFEL. Weder an der Sache an sich, noch am eigenen Tun oder Vorhaben oder eigenen Selbst. Laßt euren harten inneren Chef sprechen: Egal! Was ihr auch denkt, tut es einfach !! Befreit euch, macht euch schlicht und naiv. Das macht schön skrupellos und bringt euch wirklich voran (...auch hier im alten Europa).
hexenbesen.65 21.10.2017
5. Wie soll ich auf der Arbeit konzentriert arbeiten
wenn ständig das Telefon klingelt, ein Kollege meint, mit seinem Kollegen in Amerika direkt über den Teich schreien zu müssen...irgendwelche Leute kommen, die was wissen wollen ? Habe jahrelang alleine in einem Büro gerarbeitet (herrlich), dann kamen neue Kollegen dazu...ein Alptraum... Kollege A gibt eine Bestellung über Telefon auf, Kollege B teilt eine Chemische Verbindung mit, und ich soll dann am PC Daten übertragen...und dann noch Kollege C, der reinschneit, und "schnell mal was wissen" will... Muss ich meine Arbeit liegen lassen, das erledigen (weil ER ja in Zeitnot ist---na klar, drei Wochen den Auftrag bei sich liegen lassen, am letzten Abgabetermin bei mir reinschneien zum abarbeiten. Hätte er mir vor drei Wochen doch "normal" mit der Hauspost schicken können, dann hätte ich es einplanen können. Neeee- muss ich das Vorziehen (diese Arbeit hat immer Prio ) und dann---kann ich mich endlich wieder "meiner" Arbeit widmen...Ne halbe Stunde dran arbeiten, kommt ne andere Kollegin....(am schlimmsten ist es vor Weihnachten, wenn jeder SEINEN Schreibtisch leer haben will...kommt alles geballt auf mich zu, und ich habe für meine Arbeit keine Zeit mehr...außer, ich fang morgens um sechs an, dann kann ich 2 Stunden meine Arbeit mal machen...) Und die Arbeit an andere weitergeben, geht nicht....da sonst keiner dazu in der Lage ist.. Wie oft hab ich gesagt, ich brauch ne Vertretung.. "ja ja ja--wir kümmern uns drum "---letztes Jahr ging es fast den Bach runter...weil ich mir das Bein gebrochen hatte und dementsprechend lange zuhause war. DA ging es auf einmal...aber Vertretungskollege geht jetzt im Mai in Rente...neue Vertretung ? Keine in Sicht (Anlernphase dort: Mind. 1 Jahr...- meine Vertretung kann nur "normale" Durchschnittsfälle abarbeiten- bei komplizierteren schwimmt er gewaltig (fehlende Sachnummern, falsche Zeichnungen, komplizierte Sachverhalte--fehlende Übereinstimmungen der Begleitpapiere usw...)
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