Die Folgen von Kopenhagen für andere Politikfelder sollten nicht unterschätzt werden: Woher sollten Verhandlungspartner die Gewissheit nehmen, dass ihnen nicht bei ganz unverwandten Verteilungskämpfen ähnliches blüht? Und woher sollen die Bürger eigentlich auch nur die Hoffnung nehmen, dass andere Megaprobleme dieser Welt der in Kopenhagen versammelten Runde anvertraut werden sollten?
Das Vertrauen, das nun nötig ist, um den schwer verunglückten politischen Prozess wiederzubeleben, kann jetzt nicht mehr von oben herab erwartet werden. Vielleicht braucht es nun eine Bewegung aufgeklärter Bürger, die einen weltweit übertragbaren Lebensstil zum einen vorlebt und sich zugleich den widerläufigen Interessen aggressiver gegenüberstellt als bisher. Es könnte die Stunde einer neuen globalen Umweltbewegung sein, wie die Wirtschaftsnobelpreisträgerin Elinor Ostrom sagt. Einer Bewegung, die sich nicht nur in artigen Umfrageantworten niederschlägt, sondern auch in neuen Lebensstilentscheidungen und hartnäckigen Nachfragen bei Firmen und Parteien.
Wieviel Vertrauen verdient man selbst?
Vorläufig ist die Ölbewegung stärker als die Umweltbewegung, die Rafferbewegung stärker als die Teilerbewegung, die SUV-Bewegung stärker als die Zugfahrerbewegung. Die Fraktion derer, die schweren Schaden für die Nachwelt riskieren, ist größer als die Fraktion der Vorsichtigen.
Wer jetzt aber Unruhe verspürt angesichts der Tragödie von Kopenhagen, darf mit gutem Recht wütend sein auf die mächtigen Gipfelversager. Man darf erzürnt sein, wie einerseits Existenzgefahren an die Wand gemalt werden, aber die gleichen Politiker sich Lösungen verweigern.
Dann kann man ins Badezimmer gehen und in den Spiegel schauen: Wieviel Inhofe-Mentalität ist da zu sehen? Wie viel Vertrauen verdient man selbst dafür, den Planeten richtig zu behandeln? Erst Millionen und Milliarden bejahende Antworten bilden den Vertrauenshumus, auf dem eine erfolgreichere Klimakonferenz als die von Kopenhagen wachsen kann.
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