Kopenhagen-Bilanz: Egoisten allerorten

Wer hat Schuld am Gipfeldebakel von Kopenhagen - die USA? China? Die G8? Die EU? Eigentlich alle. Es war eine Zusammenkunft der Versager, die der Welt ein Gut entzog, das ebenso wichtig ist wie die dramatisch knapp werdenden Rohstoffe: Vertrauen. Ein Kommentar von Christian Schwägerl.

Republikanischer US-Senator James Inhofe: Männer wie er sind Gift für die globale Vertrauensbildung. Zur Großansicht
ddp

Republikanischer US-Senator James Inhofe: Männer wie er sind Gift für die globale Vertrauensbildung.

In Kopenhagen waren die Umrisse einer gefährlichen Welt zu sehen. Der Klimagipfel ist zwar nicht mit einem Faustkampf der Zehntausend zu Ende gegangen, obwohl gewaltige Weltprobleme ungelöst blieben. Barack Obama musste nicht vom Dach eines brennenden Konferenzzentrums ausgeflogen werden. Mit Händen zu greifen war aber eine Welt, in der Vertrauen noch begrenzter ist als Erdöl, Misstrauen noch größer als die CO2-Emissionen.

Auf dem Weg von einer ölbetriebenen zu einer grünen Zivilisation ist Vertrauen aber die wichtigste Ressource, wie sich in Kopenhagen erwiesen hat. Sie ist wichtiger noch als das viele Geld, das für neue Technologien, effizientere Maschinen, Dämme und das Überleben der Waldbewohner gebraucht wird.

Es geht um Vertrauen, dass China Europa nicht noch stärker mit Produkten aus billigem Kohlestrom überschwemmt, statt selbst Kohle durch alternative Kraftwerke zu ersetzen; dass Europa sich nicht als Insel der Ökoseligen isoliert, während in Afrika ganze Länder unwirtlich werden; dass in Afrika nicht milliardenschwere Ökohilfen auf Privatkonten landen, die dann beim Geber Amerika für Schulen fehlen; und dass Amerika nicht auf billiges Öl setzt, wenn China und Indien aus Klimaschutzgründen ihren Verbrauch drosseln.

Für das Zusammenleben von neun Milliarden Menschen auf einem kleinen Planeten bedarf es einen Kreislauf des Vertrauens, dass Lösungen belohnt werden und dass falsches Wirtschaften aus der Vergangenheit bestraft wird. Das beschreibt keine heile Welt, sondern die Voraussetzung, eine heillose Welt zu verhindern. In Kopenhagen ist ein Teufelskreis des Misstrauens in Gang gekommen und hat in einem Strudel viele gute Absichten und Pläne mit sich gerissen.

Was die Staats- und Regierungschefs der USA, Chinas, Indiens, Deutschlands und von rund 20 anderen Staaten am Freitag an Klimaschutzabsichten zu Papier brachten, war weniger wert als ein fauler Kredit von AIG: Es gibt in diesem Papier keine festen CO2-Ziele für 2020 und 2050, keine klar verteilte Finanzierung der versprochenen 100 Milliarden Dollar und keine lückenlose Kontrolle von Reduktionen und Mitteln. Sich zum Ziel zu bekennen, dass die Erderwärmung auf möglichst 2 Grad Celsius beschränkt bleiben soll, ist eine Luftnummer, solange daneben nicht das CO2-Budget fixiert ist, das der Menschheit bis 2050 bleibt: 750 Milliarden Tonnen. Sie sind nach heutigem Stand schon in den zwanziger Jahren emittiert. Für ein solches Budget fehlte das Vertrauen.

"Chimerica" gegen den Rest der Welt

Zum vertrauensfreien Papier kam eine Vertrauenskrise zwischen den Staaten. Dass Barack Obama sich einfliegen ließ, eine ruppige Rede hielt, in Séparées einen "Deal" machte und diesen dann eigenhändig verkündete, noch bevor die Staatengemeinschaft ihn überhaupt kannte oder ihm hätte zustimmen können, hat den Uno-Prozess korrodiert. Es fehlte Obama am Vertrauen in diesen Uno-Prozess und an Mut, der eigenen Bevölkerung Energieübergewicht zu diagnostizieren. Und schlimmer noch: Bei der ersten Gelegenheit, dem Plenum, distanzierten sich nicht nur kleine lateinamerikanische Staaten und Sudan von dem Papier der Mächtigen, sondern zuletzt auch seine Mitinitiatoren Indien, Russland, China.

Man darf sich aussuchen, ob man die Schuld für das Debakel bei "Chimerica" oder allein bei den Schwellenländern sucht, bei der EU, der G8 oder der G77. Am ehesten war es wohl "Chimerica gegen den Rest der Welt". Doch auch die Europäer hätten besser gekonnt, indem sie einseitig ihr Reduktionsziel von 20 auf 30 Prozent erhöht hätten - doch das war Italien und Polen zu viel. Egoisten allerorten. Beim Ölverbrauch will jeder der erste sein, bei der ökonomisch viel sinnvolleren Ressourcenschonung wird dagegen abgewartet.

Dabei geht es um Lösungen, die auch dann sinnvoll sind, wenn sich der Klimawandel wider Erwarten als Hirngespinst von Forschern herausstellen würde. Dieselben Schritte müssten getan werden, zu denen der Weltklimagipfel nun nicht in der Lage war. Die fossilen Reserven sind begrenzt, Öl wird innerhalb von 40 Jahren knapp und Kohle binnen 120 Jahren. Ihre Förderung etwa in Saudi-Arabien ist nicht nur umweltfeindlich, sondern macht auch Potentaten reicher und Terroristen angriffslustiger. Öl, Kohle und Erdgas zu sparen ist ein Gebot der Sicherheitspolitik, der Außenpolitik - und sogar der Bildungspolitik. Denn das Geld, das eine Gesellschaft nicht für den Brennstoffimport überweisen muss, stünde nicht nur für anderen Konsum, sondern mittelbar auch für neue Schulen und Lehrer zur Verfügung.

Dass der Westen "süchtig nach Öl" ist, gehört zu den wenigen hellen Sätzen, die George W. Bush aus seiner Amtszeit hinterlassen hat.

Wie tief diese Sucht sitzt, ließ sich in Kopenhagen an vielen Akteuren beobachten, aber besonders an einem. Er kam nur für einige Stunden, trägt aber am Chaos der Verhandlungen maßgeblich Schuld: James Inhofe, einer der republikanischen Politiker, tut in Washington alles, um CO2-Auflagen von Präsident Obama zu verhindern. Er opfert lieber zu Hause amerikanische Landschaften und im Ausland amerikanische Soldaten, als sein Land an die Spitze einer grünen Technologierevolution zu setzen. Für Männer seines Zuschnitts bedeuten Öl und Kohle Macht, nicht Fluch. Sie glauben, dass Amerikaner ein gottgegebenes Recht haben, doppelt so viele Emissionen freizusetzen wie Europäer und vier Mal so viel wie ein durchschnittlicher Erdenbürger. "The Inhofe supremacy" könnte man einen Film über diesen Mann nennen, denn der Vorrang auf der Welt, den er für Amerikaner einklagt, ist enorm. Es gibt genug Chinesen, Inder und Australier, die ähnlich denken. Sie alle zusammen haben in Kopenhagen verhindert, dass die Menschheit mehrere Probleme auf einmal zu lösen beginnt - und die Last jener Anfangsinvestitionen teilt, nach der eine jahrhundertelange grüne Rendite winkt.

Männer wie Inhofe wirken für die dringend nötige globale Vertrauensbildung wie Gift. Wie bei der atomaren Abrüstung kommt es auf die Erwartung an, dass das Gegenüber verlässlich dieselben schwierigen Schritte tut. Solange die Gefahr besteht, dass in Amerika wieder eine Partei an die Macht kommt, die Klimaforschung vom Tisch wischt und lieber Soldaten schickt als Solar-Ingenieure, ist das Vertrauen in die USA gering. Solange die Chinesen die Klimagefahren an die Wand malen, aber nur einen kleinen Teil ihrer gigantischen Bargeldreserven in grüne Investitionen stecken, ist es schwer, ihnen zu glauben.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Kopenhagen-Fiasko - was muss jetzt passieren?
insgesamt 1780 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Kopenhagen Fiasko
petsche 19.12.2009
Wiso Fiasko ?? Die Machtkaempfe starten schon in der Familie . Einigen werden sich die Familienmitglieder nur dann wenn es etwas von anderen Familien zu holen gibt. Die Idee dass es bei Staaten anders sein sollte ist Bloedsinnig. Rausgeschmissenes Geld fur nutzloses politisches Geschwaetz. Die Schwesterwelle faselte von einer sich selbsttragenden Sicherheit. Ich schwafele mal von grosser Voelkerfreundschaft und "besonderer Freundschaft " zu einem der vielen Voelker.
2. Auf Thema antworten
Suppenkoch 19.12.2009
Mal ganz ehrlich: gibt es überhaupt irgend jemanden, der einen anderen Ausgang dieses "Gipfels" erwartet hat? Alle sind so überrascht, dabei war es doch von Anfang an klar, dass die USA sich nicht einschränken werden und die Chinesen ebenfalls nicht. Damit haben wir die größten Verursacher und beide wollen sich nicht ändern. Also...
3.
winterstein 19.12.2009
Zitat von sysopFiasko in Kopenhagen: Der Klimagipfel ist an knallharter Interessenpolitik der USA, Chinas und vieler anderer Staaten gescheitert. Was muss jetzt passieren?
ich würde sagen wir kümmern uns um andere sachen, wie z.b. die weiterhin anhaltende ausnutzung diverser entwicklungsländer durch die industriestaaten oder evt. sogar um den hunger in der welt. es ist schon toll, dass sich die westliche welt dermaßen im klimaschutz engagiert, wobei eben diese am wenigsten unter dem klimawandel leiden werden (ja, ich weiß über die zu erwartenden klima-flüchtlingsströme und die gigantischen versicherungszahlungen aufgrund verstärkter winterstürme bescheid)! ...und wir haben doch wirklich geld genug um die paar leute aus der norddeutschen tiefebene nach meck-pomm umzusiedeln. is vielleicht gar nicht verkehrt. nach wenig-wasser-benötigenden feldpflanzen wird auch schon efolgreich geforscht)! natürlich betreibe ich hier ganz gräßliche polemik... oder ist es vielleicht populismus? oder gar stammtischgeschwätz! wie auch immer! damit bin ich ich nicht alleine! wir werden alle veräppelt und von tatsächlichen problemen abgelenkt! grüße
4. Leugnung des Klimakollaps unter Strafe stellen, sonst gibt's Haue
Jamesteakirk 19.12.2009
Vielleicht sehen wir die Sache in wenigen Jahrzehnten ganz anders. Ich habe bis vor kurzem an die Erderwärmung geglaubt. Wenn ich jedoch sehe, wie totalitär die Klimahysteriker wie Al Gore und Konsorten vorgehen, wie seriöse Kritik diffamiert und diskreditiert wird, dann bekomme ich ernsthafte Zweifel an dem ganzen Brimborium. Ich halte es durchaus für möglich, daß wir die Sache in ein paar Jahren viel entspannter sehen. Aus tiefenpsychologischer Sicht ergibt sich schon allein aus der Hysterie, dem Gutmenschentum und ähnlichen Begleiterscheinungen zwingend, daß hier etwas nicht stimmt und manipuliert wird. Ich habe gerade heute gelesen, wie seriöse und differenzierte Kritiker wie Björn Lomborg angefeindet und verleumdet werden. Es gibt einen Klima-Business. Ähnlich auch anderen Businessen bei politisch-korrekt besetzten Themen. So darf man beispielsweise auf keinen Fall die "Natürlichkeit" der Homo- und Transsexualität infrage stellen, weil dies angeblich eine Diskriminierung darstellt. Hier werden zwei Fragen verknüpft, die nicht zusammengehören, um unangenehme Erklärungsmöglichkeiten zu beseitigen. Ebenso vergeht man sich an der Menschheit und ist ein Verbrecher, wenn man die Klimahysterie infrage stellt.
5. Reality
mot2 19.12.2009
Zitat von sysopFiasko in Kopenhagen: Der Klimagipfel ist an knallharter Interessenpolitik der USA, Chinas und vieler anderer Staaten gescheitert. Was muss jetzt passieren?
Aufwachen, Augen reiben und nachdenken! zum Grusse
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Mensch
RSS
alles zum Thema Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • -24-
Vote
Ergebnis des Klimagipfels

Der Kopenhagener Klimagipfel ist mit einem unverbindlichen Abkommen zu Ende gegangen. Hätte man den Gipfel lieber scheitern lassen sollen?

Die Abstimmung ist beendet. Klicken Sie hier, um das Ergebnis zu sehen.


Fotostrecke
Gipfel-Marathon: Verhandlungen bis zur totalen Erschöpfung
Kernpunkte der Kopenhagener Vereinbarung
Langfristige Ziele
Der weltweite Ausstoß klimaschädigender Gase muss drastisch gesenkt werden. Die Emissionen sollen soweit gedrosselt werden, dass die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius beschränkt bleibt.
Zwei-Grad-Ziel
Das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wird lediglich "zur Kenntnis" genommen. Das ist weniger als das, was die G-8-Staaten auf ihrem L'Aquila-Gipfel im Juli vereinbart hatten. Laut Weltklimarat IPCC wäre eine über zwei Grad hinausgehende Erwärmung katastrophal für Mensch und Natur. Die Vereinbarung solle 2015 überprüft werden mit Blick auf die Möglichkeit, die Erderwärmung auf nur 1,5 Grad zu begrenzen. Dies hatten vor allem kleine Inselstaaten gefordert, die vom Anstieg der Meeresspiegel bedroht sind.
Treibhausgase
Alle Industrieländer und Schwellenländer sollten bis zum 31. Januar 2010 nationale Treibhausgasziele für das Jahr 2020 vorlegen. Die EU und 15 einzelne Staaten hatten das bereits getan. Ein gemeinsames Ziel für die Industrieländer ist im letzten Entwurf nicht mehr vorgegeben. Inwieweit die Schwellenländer Klimaziele erbringen müssen, soll auch davon abhängen, was die Industrieländer an Geld und Technik bereitstellen.
Rechtliche Bindung
Im Schlussentwurf für das Abkommen fehlt das zuvor noch genannte Ziel, im kommenden Jahr ein rechtlich verbindliches Klima-Abkommen zu verabschieden. Daran hat vor allem die Europäische Union (EU) heftige Kritik geübt.
Finanzhilfen für arme Länder
Die Industrieländer geben den Entwicklungsländern insgesamt 30 Milliarden Dollar für 2010 bis 2012 für die Anpassung an den Klimawandel und eine umweltfreundliche Entwicklung: 10,6 Milliarden Dollar kommen von der EU, die USA steuern 3,6 Milliarden und Japan 11 Milliarden Dollar bei. Das Geld für die Anpassung soll vor allem den ärmsten und den Inselstaaten zufließen. Die reichen Staaten setzen sich außerdem das Ziel, von 2020 an etwa 100 Milliarden Dollar pro Jahr für die umweltfreundliche Entwicklung ärmerer Länder bereitzustellen.
Wälder
Es sei entscheidend, den Wald zu schützen und Geld dafür bereitzustellen, heißt es schwammig in dem Entwurf. Ungeklärt bleibt zum Beispiel, aus welchen Töpfen der Waldschutz finanziert wird.
Überprüfung
Die Überprüfung der Klimaschutzbemühungen war einer der größten Streitpunkte, vor allem weil China sich gegen internationale Kontrollen sperrte. Nach der Vereinbarung müssen die Schwellen- und Entwicklungsländer ihre Maßnahmen überprüfen und die Ergebnisse alle zwei Jahre der Uno mitteilen. Einige internationale Kontrollen sind vorgesehen, um westliche Transparenzstandards zu erfüllen. Die Souveränität der einzelnen Länder solle aber respektiert werden. Damit hat China erreicht, dass es keine internationale, unabhängige Überprüfung im eigenen Land zulassen muss.
Verbindlichkeit
Ein Verweis auf die Arbeit an einem völkerrechtlich verbindlichen Abkommen wurde in den letzten Konferenzstunden gestrichen.

Multimedia-Special
AP
Jeder Mensch trägt täglich weiter zur Erderwärmung bei - mit Steak-Konsum, Flügen nach Mallorca und der Autofahrt ins Büro. Kennen Sie Ihre persönliche CO2-Bilanz? Finden Sie es heraus im Klima-Quiz von SPIEGEL ONLINE.

Fotostrecke
Fiasko in Kopenhagen: Drama bis zum Gipfel-Schluss
Wer wie viel CO2 reduzieren will
EU
Die Staaten der Union haben sich verpflichtet, ihre CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Wenn andere Staaten mitziehen, versprechen die Europäer sogar ein Minus von 30 Prozent. Die Aufteilung der EU-weiten Ziele auf Mitgliedstaaten ("Effort Sharing") wird unter Berücksichtigung der Wirtschaftsleistung pro Kopf und der nationalen Voraussetzungen vorgenommen.
Russland
Russland will sich dem EU-Ziel von 20 Prozent weniger Treibhausgasen bis 2020 anschließen. Basisjahr soll 1990 sein. In einem zweiten Schritt könnte die Einsparung sogar auf 25 Prozent erhöht werden. Russlands CO2-Ausstoß ist infolge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs Anfang der neunziger Jahre ohnehin massiv zurückgegangen.
USA
Die USA planen bis 2020 eine Verminderung um 17 Prozent, allerdings bezogen auf das Basisjahr 2005. Verglichen mit 1990 bedeutet das nach Berechnungen der Bundesregierung nur ein Minus von rund sechs Prozent. Bis 2025 sollten sie dann um 30 Prozent und bis 2030 um 42 Prozent sinken - jeweils bezogen auf 2005. Ob der Senat - dort wird derzeit über ein Klimaschutzgesetz gestritten - diese Ziele unterstützt ist unklar.
Japan
Das Land hat zugesagt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2020 um mindestens 15 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2005 zu reduzieren. Das soll unter anderem durch den Bau neuer Kernkraftwerke geschehen. Umweltschützer kritisieren, dass sich bezogen auf das Basisjahr 1990 nur eine Reduktion um acht oder neun Prozent ergibt - und Japan bereits sechs Prozent Reduktion nach dem Kyoto-Protokoll zugesagt hat.
Brasilien
Brasilien hat größere freiwillige Emissionssenkungen in Aussicht gestellt. Der CO2-Ausstoß soll im Jahr 2020 zwischen 36,1 und 38,9 Prozent niedriger liegen als die bisher prognostizierten Werte. Damit lägen die Emissionen wieder auf dem Niveau von 1994. Gegenüber dem Niveau des Jahres 2005 würde der Schritt einen Rückgang von rund 20 Prozent bedeuten. Etwa ein Viertel der Zielvorgabe soll dadurch erreicht werden, dass erheblich weniger Regenwald abgeholzt wird.
China
Peking will bisher keine bindenden CO2-Reduktionsziele akzeptieren. Als freiwillige Maßnahme will China aber dafür sorgen, dass der Ausstoß an Treibhausgasen in Zukunft nicht mehr ganz so stark zulegt wie das Wirtschaftswachstum des Landes. Die Treibhausgase, die für jeden Yuan Wirtschaftsleistung ausgestoßen werden, sollen demnach bis zum Jahr 2020 um 40 bis 45 Prozent verringert werden. Vergleichsjahr ist 2005.
Indien
Auch Indien hat mehrfach klargemacht, dass sich das Land formalen Reduktionsverpflichtungen definitiv verweigern will.
Australien
Das Land arbeitet seine Reduktionsverpflichtungen derzeit noch aus. Diskutiert werden Vorschläge der Regierung, bis zum Jahr 2020 den CO2-Ausstoß um fünf Prozent im Vergleich zum Jahr 2000 zu verringern. Wenn andere Staaten sich ebenfalls zu Reduktionen verpflichten, ist ein Minus von 15 Prozent für denselben Zeitraum in Aussicht gestellt.