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Kraftquelle: Koffein gibt Muskeln neue Energie

Kaffee macht nicht nur wach - er kann auch die Muskeln aufladen. Ein Experiment mit Radsportlern hat ergeben: Wer nach dem Sport das schwarze Gebräu trinkt, erholt sich schneller. Die dafür notwendige Dosis ist allerdings beachtlich.

Es ist die zentrale Energiequelle für die Muskeln: Glykogen, ein Vielfachzucker, der im Körper ständig neu gebildet wird und dafür sorgt, dass Zucker kurz- bis mittelfristig bereitsteht. Jetzt haben australische Wissenschaftler festgestellt, dass Kaffee eine erstaunliche Wirkung auf die Glykogen-Produktion hat.

Radsportler (Levi Leipheimer vom Team Gerolsteiner im Juli 2006): Hohe Koffeindosis lädt die Muskeln auf
REUTERS

Radsportler (Levi Leipheimer vom Team Gerolsteiner im Juli 2006): Hohe Koffeindosis lädt die Muskeln auf

Das Team um John Hawley vom Royal Melbourne Institute of Technology in Bundoora hat sieben gut trainierte Radsportler zum Experiment gebeten. Sie mussten auf einem Trainingsrad bis zur Erschöpfung fahren und bekamen anschließend eine Mahlzeit mit wenig Kohlenhydraten. Für die Neubildung von Glykogen benötigt der Körper aber Kohlenhydrate - die Energiespeicher der Sportler waren also vor dem eigentlichen Versuch geleert.

Am nächsten Tag mussten die Teilnehmer dann erneut bis zur Erschöpfung trainieren, bekamen nach dem Training aber ein Getränk mit Kohlenhydraten. Bei einigen Sportlern war das Getränk zusätzlich mit Koffein versetzt - allerdings in beachtlicher Konzentration. Die Menge entsprach der von rund fünf bis sechs Tassen starken Kaffees.

Eine Stunde nach dem Training fanden Hawley und seine Kollegen keine nennenswerten Unterschiede im Glykogenspiegel der Sportler. Vier Stunden nach dem Training zeigte sich jedoch ein anderes Bild: Die Probanden, die zusätzlich Koffein erhalten hatten, wiesen deutlich mehr Glykogen im Blut auf. Die Neubildung von Glykogen in den Muskeln war um rund 66 Prozent schneller verlaufen. Auch der Blutzucker und der Insulinspiegel waren bei dieser Gruppe deutlich höher, schreiben die Wissenschaftler im "Journal of Applied Physiology".

Hawley und seine Kollegen gehen davon aus, dass die Aktivität von wichtigen Signalenzymen durch das Koffein angeregt wird. Manchen Versuchsteilnehmern bereitete allerdings die anregende Wirkung des Koffeins Probleme - einige Sportler klagten während des Experiments über Schlafstörungen. Die australischen Wissenschaftler wollen daher in weiteren Versuchen erforschen, ob Koffein bereits in geringerer Dosierung seine regenerative Wirkung entfaltet.

Tierversuch: Koffein könnte Multiple Sklerose verhindern

In einem anderen Experiment kamen Hinweise auf, dass Koffein in hoher Dosierung möglicherweise das Entstehen von Multipler Sklerose (MS) verhindert. Forscher um Jeffrey Mills von der Cornell University in Ithaca (US-Bundesstaat New York) hatten Mäusen täglich ein Getränk verabreicht, dessen Koffein-Konzentration mit 600 Milligramm pro Liter in etwa der von starkem Kaffee entsprach. Die Nager erhielten so rund vier Milligramm Koffein pro Tag - und erkrankten dadurch nicht an der Mäuse-Form von MS, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Teammitglied Linda Thompson sprach von einer "aufregenden und total überraschenden Entdeckung", die wichtige Folgen für die Forschung zu MS und Auto-Immunerkrankungen beim Menschen haben könne. Allerdings seien zunächst weitere Studien notwendig.

Thompson schlug in diesem Zusammenhang vor, MS-Patienten zu ihrem Kaffeekonsum zu befragen. Sollte sich dabei eine Verbindung zu einem Rückgang der MS-Symptomen ergeben, könnten weitere klinische Studien folgen.

mbe/ddp/AFP

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