Krebsrisiko durch Tonerstaub Studie gibt Entwarnung - Ungewissheit bleibt

Büroangestellte müssen laut einer neuen Studie keine Angst vor Staub aus Laserdruckern und Kopierern haben. Die durchschnittliche Belastung in Büroräumen liegt demnach im akzeptablen Bereich. Dennoch wollen die Experten die Grenzwerte senken.


Wer im Büro häufig mit Kopierern und Laserdruckern arbeitet, hat ein Krebsrisiko im akzeptablen Bereich, so das Ergebnis einer neuen Risikobewertung der Dortmunder Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Laserdrucker: Tonerstaubbelastung in Büros im akzeptablen Bereich

Laserdrucker: Tonerstaubbelastung in Büros im akzeptablen Bereich

Über mögliche Gefahren durch den Staub aus Laserdruckern und Kopierern wird diskutiert, seitdem Forscher im Jahr 2005 bei Versuchen mit Ratten eine krebserzeugende Wirkung festgestellt hatten. Im Jahr 2007 hatte dann das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) in einer Pilotstudie die Feinstaubbelastung in Büroräumen messen lassen. So sah sich das BAuA zu einer Risikobewertung veranlasst - nicht zuletzt aufgrund von Medienberichten mit Titeln wie "Der Tod aus der Tonerkartusche", die viele Beschäftigte verunsichere, wie die Behörde auf ihrer Homepage anprangert.

So kommt die BAuA in ihrer Bewertung zu dem Fazit: "Die Belastungsdaten an Büroarbeitsplätzen weisen darauf hin, dass das mögliche Krebsrisiko im derzeit akzeptablen Bereich liegt und zusätzliche Schutzmaßnahmen in der Regel nicht ergriffen werden müssen." Die Untersuchungen des BfR hatten eine mittlere Belastung in Büroräumen von etwa 30 Mikrogramm pro Kubikmeter ergeben, sagte BAuA-Sprecher Jörg Feldmann im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Damit liege die Belastung im akzeptablen Bereich von bis zu 60 Mikrogramm pro Kubikmeter. Zudem sei nicht nur Toner-, sondern auch Papierstaub in der Luft gewesen, so Feldmann. Die reine Tonerstaubbelastung sei daher geringer als die gemessenen 30 Mikrogramm pro Kubikmeter.

"Akzeptabler Bereich" bedeutet nicht, dass es bei diesen Konzentrationen kein Krebsrisiko und keine Krebserkrankungen durch Tonerstaub gibt. Es bedeutet nur, dass die Anzahl der Krebserkrankungen im akzeptablen Bereich liegt.

Der Grenzwert von 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft lässt sich laut Feldmann anhand der gemessenen Krebserkrankungen in den Rattenversuchen errechnen. Übertragen auf den Menschen geht man davon aus, dass bei einer Belastung von einem Mikrogramm Tonerluft pro Kubikmeter über einen Zeitraum von 40 Jahren bei 40 Arbeitsstunden die Woche insgesamt 7 von einer Million Menschen möglicherweise an Krebs erkranken. 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft würden also etwa 4 mögliche Krebserkrankungen auf 10.000 Menschen verursachen. Dieses Risiko hält der Ausschuss für Gefahrenstoffe (AGS) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales für akzeptabel - er hatte den Grenzwert übergangsweise festgelegt.

Bis 2018 soll der Akzeptanzwert gesenkt werden

Ganz so harmlos beurteilten die Wissenschaftler, die die BfR-Messungen durchgeführt hatten, ihre Ergebnisse selbst aber nicht. "Da werden Konzentrationen erreicht, die man für die Innenraum-Hygiene unbedingt vermeiden sollte", sagte Studienleiter Volker Mersch-Sundermann, damals Direktor des Instituts für Innenraum- und Umwelttoxikologie an der Universität Gießen, im Januar 2007 zu SPIEGEL ONLINE. "Räume, in denen solche Geräte stehen, sollten gut gelüftet werden, außerdem müssen die Apparate regelmäßig und fachgerecht gewartet werden." Feldmann aber erwidert: "Wir empfehlen sowieso, Drucker und Kopierer in getrennte Räume zu stellen."

Dass die Risikobewertung auf dünner Datenbasis erfolgt, geben die Autoren in der BAuA-Veröffentlichung selbst zu: "Insgesamt gesehen reichen die Daten aus den epidemiologischen Studien und Fallberichten für eine abschließende Bewertung der Wirkung von Tonerstäuben auf den Menschen am Arbeitsplatz nicht aus", heißt es gleich zu Beginn der Veröffentlichung.

Im Jahr 2018 soll der Akzeptanz-Wert nach einem Beschluss des AGS vom Juni diesen Jahres drastisch gesenkt werden: auf 6 Mikrogramm Tonerstaub pro Kubikmeter Luft. Das entspräche vier möglichen Krebsfällen auf 100.000 Menschen. Der vom BfR gemessene Wert aber entspricht dem Fünffachen. Spätestens bis 2018 muss also die Belastung gesenkt werden.

Für Servicetechniker und Mitarbeiter von Kartuschen-Recyclingbetrieben muss allerdings schon jetzt etwas getan werden, stellt das BAuA fest. In solchen Betrieben wurden nämlich Werte von 50 bis 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Zwar lägen sie noch im tolerablen Bereich, seien aber grenzwertig, hieß es.

Mit Material von AP



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