Kreidezeit: Kälteschock in der Treibhauswelt

Dinosaurier: Herrscher der Kreidezeit Zur Großansicht
DPA/ Nature/ Zhao Chuang/ Xing Lida/ IVPP

Dinosaurier: Herrscher der Kreidezeit

Zur Zeit der Dinosaurier in der Kreidezeit herrschte hitziges Klima. Doch nun zeigen Simulationen, dass sich zwischenzeitlich eine massive Abkühlung ereignete. Ursache war das Auseinanderbrechen eines riesigen Kontinents.

London - Die Kreidezeit, in der die Dinosaurier lebten, reicht von vor etwa 150 bis vor etwa 65 Millionen Jahren. Allerdings wurde die Wärmephase vor etwa 116 Millionen Jahren durch eine Kältewelle unterbrochen. Durch die Analyse von Bohrkernen aus dem Nordatlantik vor der Küste von Marokko sowie durch Klimasimulationen untersuchten Forscher, warum es kalt wurde - und dann wieder warm. Ein deutsch-britisches Forscherteam berichtet im Fachblatt "Nature Geoscience" detailliert über Ursachen, Ausmaß, Dauer und Konsequenzen der Abkühlung vor etwa 116 Millionen Jahren.

Das allmähliche Auseinanderbrechen des Superkontinents Pangaea ließ neue Ozeanbecken entstehen, in denen Meeresalgen gediehen und der Atmosphäre in großem Maße Kohlenstoff (CO2) entzogen. "Die Erde damals glich einer Treibhauswelt", sagt Studienleiter Thomas Wagner von der Newcastle University.

Ende der Kälte

Damals entstanden viele Ozeanbecken, in denen sich Meeresalgen ansiedelten. Diese Organismen entzogen der Atmosphäre CO2, das sich nach dem Tod der Lebewesen auf dem Meeresgrund ablagerte. Insgesamt, so berechnen die Forscher, wurden der Atmosphäre im Lauf von 2,5 Millionen Jahren etwa 812 Gigatonnen CO2 entzogen. Der CO2-Rückgang ließ der Studie zufolge die Erde deutlich abkühlen, mit massiven Folgen für die Meere und ihre Bewohner.

Eine besondere Rolle spielte dabei der Südatlantik, der sich allmählich zwischen Südamerika und Afrika öffnete. Dort wurden, auf nur ein Prozent der damaligen Ozeanfläche, 16 Prozent des weltweit eingelagerten CO2 gespeichert.

Damals fiel im westlichen Nordatlantik, wo die Bohrstelle liegt, die Temperatur des Oberflächenwassers um etwa fünf Grad Celsius - auf dann immer noch etwa 28 Grad. Während viele Meeresbewohner gediehen, wurden andere Gruppen von Organismen dezimiert oder starben aus, etwa Korallen oder Nannoconiden. "Unsere Daten unterstützen die Idee, dass die Abkühlung im späten Aptium zu massiven und weitflächigen Umschichtungen der Wassermassen führte, was mit einer Steigerung der Versorgung mit Nährstoffen einherging", schreiben die Forscher.

Aber tektonische Prozesse leiteten die Kältephase nicht nur ein, sondern sie beendeten sie offenbar auch wieder. Demnach setzte auf dem Höhepunkt der Kältephase an dem heutigen Kerguelen-Archipel im Indischen Ozean massiver Vulkanismus ein und pumpte gewaltige Mengen CO2 in die Atmosphäre, was die Temperaturen wieder deutlich steigen ließ.

nik/dpa

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insgesamt 277 Beiträge
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1.
KlausErmecke 17.06.2013
Und damit offenbart er, was - wenn man der Zusammenfassung des SPIEGEL glauben darf - wesentliche Teile seiner Studie entwertet. Das ist die Voreingenommenheit bezüglich einer Erwärmungswirkung des CO2. Deer Grund: Die Erwärmungswirkung des CO2 existiert gar nicht. Paradoxerweise ist es so, daß "Treibhausgase" die Erde kühlen (www.ke-research.de/downloads/Treibhaus.pdf). Leider sind bereits Tausende von Wissenschaftlern in die Falle gelaufen, die eigentlich hochinteressante Fragestellungen der Geowissenschaften untersuchen wollten, ihren eigenen Vorstellungen über die Abläufe in der Natur das CO2-Treibhausparadigma zu unterlegen - mit dem Ergebnis substanz- und damit wertloser Schlußfolgerungen.
2. 1000e von wissenschaftlern
buderius 17.06.2013
Zitat von KlausErmeckeUnd damit offenbart er, was - wenn man der Zusammenfassung des SPIEGEL glauben darf - wesentliche Teile seiner Studie entwertet. Das ist die Voreingenommenheit bezüglich einer Erwärmungswirkung des CO2. Deer Grund: Die Erwärmungswirkung des CO2 existiert gar nicht. Paradoxerweise ist es so, daß "Treibhausgase" die Erde kühlen (www.ke-research.de/downloads/Treibhaus.pdf). Leider sind bereits Tausende von Wissenschaftlern in die Falle gelaufen, die eigentlich hochinteressante Fragestellungen der Geowissenschaften untersuchen wollten, ihren eigenen Vorstellungen über die Abläufe in der Natur das CO2-Treibhausparadigma zu unterlegen - mit dem Ergebnis substanz- und damit wertloser Schlußfolgerungen.
jepp, 1000e von wissenschaftlern sind der meinung, daß co2 ein treibhausgas ist, nur einer (einer, nein eigentlich kein) wissenschaftler ist der meinung, daß co2 die erde kühlt :-) bringt dich das nicht manchmal zum nachdenken?
3. Äpfel und Birnen?
Al29 17.06.2013
Die Prozesse der Kontinentaldrift laufen sehr langsam ab. Dementsprechend sind die Betrachtungszeiträume sehr groß, um signifikante Änderungen am Küstenverlauf festzustellen. Bei einer Drift von 5cm pro Jahr hat sich die Küste nach 200.000 Jahren gerade mal um 10 Km verschoben. Demnach müsste der massive Vulkanismus (also deutlich mehr als in den Zeiträumen davor!) ebenso lange angedauert haben. Das halte ich für unwahrscheinlich.
4.
tyskie 17.06.2013
Eine Klimaänderung ohne die Menschheit? Das kann gar nicht sein, diese Ketzer haben die heilige Klimaerwärmung beschmutzt!
5. 1a Argumentationshilfe
Antiautor 17.06.2013
Schon interessant. In der Kreidezeit lag die CO2 Konzentration bei 500 bis 1200 ppm. Eine drastische Verminderung (sagen wir mal um die Hälfte) innerhalb von 2,5 Millionen Jahren führte also nachweislich zu einem Kälteschock. Und heute gibt es tatsächlich Leute die behaupten, eine Verdoppelung in 200 Jahren könne gar keine gravierenden Folgen haben. Bisher jedenfalls, damit dürfte nach diesem Artikel Schluss sein. Wir sind schon bei 400 ppm, und die 600 schaffen wir noch bevor das Öl alle ist. Wer jetzt noch für ein "weiter so" plädiert, muss schon physikalische Grundsätze infrage stellen, damit die Argumentation wenigstens scheinbar aufgeht. Keine gute Aussicht für unsere Klimaleugner.
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