Kroatien Forscher entdecken 7000 Jahre alte Käsespuren

Archäologen sind auf die bisher ältesten Hinweise auf Käseproduktion im Mittelmeerraum gestoßen. Ihrer Meinung nach könnten Milchprodukte entscheidend für die Entwicklung der Menschheit gewesen sein.

Fundplatz Pokrovnik (Kroatien)
Andrew M.T. Moore

Fundplatz Pokrovnik (Kroatien)


Man muss kein Einstein sein, um Käse zu erfinden - im Zweifel reicht es, einfach abzuwarten. Wenn man Milch lange genug stehen lässt, wird sie erst sauer und dann mit etwas Glück zu Käse. Solche einfach herzustellenden Sauermilchkäse haben gleich zwei entscheidende Vorteile, besonders wenn man als Bauer in der Steinzeit lebt:

  • Käse ist länger haltbar als Milch und damit eine ideale Reserve, wenn das Nahrungsangebot mal knapp wird.
  • Käse enthält meist weniger Laktose als Milch. DNA-Tests zeigen, dass unsere Vorfahren aus dem Neolithikum den Milchzucker nur schwer verdauen konnten - mit allen unangenehmen Folgen (Bauchweh, Blähungen, Durchfall).

Forscher vermuten deshalb seit Längerem, dass schon die ersten Bauern Europas vor 7000 Jahren Käse herstellten, das ließ sich allerdings nur schwer nachweisen. Denn selbst wenn Käse länger haltbar ist als Milch, Tausende Jahre übersteht auch er in der Regel nicht. Eine Ausnahme ist ein 3200 Jahre alter Streichkäse aus Ägypten.

Nun haben Archäologen sogar noch deutlich ältere Käsespuren entdeckt, wie sie im Fachblatt "Plos One" berichten. Allerdings ist der Käse nicht mehr im Ganzen erhalten, sondern nur mikroskopisch kleine Rückstände von Fettsäuren, die an mehr als 7000 Jahre alten Tonscherben klebten.

Käsetopf aus der Steinzeit

Die Scherben stammen von zwei Fundplätzen an der dalmatischen Küste in Kroatien, die zwischen 6000 und 4800 vor Christus besiedelt waren. Während die Forscher Milchreste bereits an 7700 Jahre alten Tonscherben nachweisen konnten, stammen die ältesten Rückstände von Käse aus der Zeit von vor 7200 Jahren. Das Forschungsteam um Sarah McClure von der Pennsylvania State University geht deshalb davon aus, dass Milch ab diesem Zeitraum gezielt zu Käse weiterverarbeitet wurde.

Am häufigsten fanden sich die Käsereste in einhenkligen Gefäßen und siebähnlichen Keramiken - sogenannten Rhyta. Die Archäologen gehen deshalb davon aus, dass die Menschen der Steinzeit zur Herstellung und Verarbeitung unterschiedlicher Speisen verschiedene Keramikgefäße benutzten. Hier ist eine Übersicht der verschiedenen Keramiktypen aus Kroatien zu sehen. Abbildung d zeigt eine Rhyta, Abbildung e das Fragment eines siebartigen Gefäßes.

Examples of pottery types from the Dalmatian Neolithic.
McClure et al.

Examples of pottery types from the Dalmatian Neolithic.

Die verfügbaren Milchprodukte seien vor allem für Babys ein entscheidender Vorteil gewesen, argumentieren die Forscher. Gerade für Säuglinge bedeute Milch eine stabile, kalorien- und nährstoffreiche Nahrungsquelle, die sie problemlos verdauen könnten. Denn gesunde Babys sind laktosetolerant, eine Intoleranz entwickelt sich meist erst mit dem Erwachsenwerden. Durch die Milch könnte die Säuglingssterblichkeit deutlich gesunken sein, glauben die Forscher.

Die Verfügbarkeit von tierischer Milch habe es den Frauen auch ermöglicht, früher abzustillen, und ihre Chancen erhöht, erneut schwanger zu werden. Gleichzeitig hätten auch die Erwachsenen vom Käse profitiert, da dieser für sie leichter verdaulich war als Milch.

Diese Faktoren haben laut den Forschern wahrscheinlich zu einem Bevölkerungswachstum geführt. Einige Bauern könnten deshalb weiter in den Norden gewandert sein - und mit ihnen das Wissen, wie man Landwirtschaft betreibt und Käse herstellt.

koe



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