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Krümmel-Brand: Trafo-Feuer wirkte sich doch auf Reaktor aus

Keine Auswirkungen auf den Reaktor, hieß es direkt nach Ausbruch des Feuers in einem Trafohaus des Atomkraftwerks Krümmel. Jetzt gab das zuständige Kieler Ministerium bekannt, dass es durch den Brand sehr wohl "Auffälligkeiten" im Reaktor selbst gab.

Kiel - Nach dem Brand im Kernkraftwerk Krümmel östlich von Hamburg suchen Experten weiter nach den Ursachen des Zwischenfalls. Mittlerweile steht aber fest: Auch auf den Reaktor selbst hat sich der Brand ausgewirkt. In einer kurzen Mitteilung berichtet das für die Atomaufsicht zuständige Sozialministerium Schleswig-Holsteins in Kiel von "mehreren bei der Abschaltung des Reaktors aufgetretene Auffälligkeiten".

Kernkraftwerk Krümmel (am Donnerstag): Trafobrand mit Folgen
DDP

Kernkraftwerk Krümmel (am Donnerstag): Trafobrand mit Folgen

So haben die Gutachter von Behörden, Betreiber, TÜV Nord und Germanischem Lloyd dem Ministerium berichtet: Eine von mehreren Pumpen, die den Reaktor mit Wasser speisen, sei unplanmäßig ausgefallen. Ebenfalls seien zwei Sicherheits- und Entlastungsventile unplanmäßig geöffnet worden. Der Wasserfüllstand sowie der Druck im Reaktor seien daraufhin schnell abgefallen - konnte aber durch die Zuschaltung eines anderen Systems ausgeglichen werden.

"Trotz dieser Auffälligkeiten war die Sicherheit der Anlage gewährleistet", hieß es aus dem Ministerium. Der Kraftwerks-Betreiber Vattenfall hatte bislang erklärt, dass der Reaktor selbst nicht vom Feuer in Mitleidenschaft gezogen worden sei.

Kabel zwischen Reaktor und Trafo überprüft

Seit dem vergangenen Sonntag untersuchen Gutachter den Brandort in Krümmel. Erst am Montag konnten sie auch das Innere der Transformatorenhalle in Augenschein nehmen. Die Experten stellten schwere Feuerschäden an dem in Flammen geratenen Transformator fest, sagte Ministeriums-Sprecher Oliver Breuer. "Dem ersten Anschein nach kann der defekte Trafo nicht mehr repariert werden und muss ersetzt werden." Nach seinen Angaben untersuchen Fachleute inzwischen auch einen zweiten - vom Feuer nicht direkt betroffenen - Transformator intensiv: "Es ist noch unklar, ob auch dieser Trafo möglicherweise beschädigt ist."

Möglicherweise müssten die Kabel, die Kraftwerk und Trafo verbinden, ausgetauscht werden, sagte Ivo Banek, Sprecher von Vattenfall Nuclear Energy Europe. Der Betreiber möchte den Meiler mit dem zweiten Transformator wieder mit halber Leistung laufen lassen. Wann das Kernkraftwerk wieder ans Netz gehen kann, ist nach gegenwärtigem Stand der Untersuchungen noch völlig unklar.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte sich in einem Transformator des 1983 in Betrieb gegangenen Atomkraftwerks das zur Kühlung genutzte Öl entzündet. Der Reaktor war daraufhin heruntergefahren worden. Die genaue Ursache für diese Panne steht noch nicht fest. Vattenfall hatte einen Kurzschluss als Ursache für den Brand am vergangenen Donnerstag genannt.

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Atomkraftwerke in Deutschland
Das ebenfalls am Donnerstag vergangener Woche wegen einer Panne abgeschaltete Atomkraftwerk Brunsbüttel an der Unterelbe ist seit Sonntag wieder in Betrieb. Die zeitliche Nähe des Kurzschlusses in Brunsbüttel und des Brandes im rund 100 Kilometer entfernten Meiler Krümmel hatten für Spekulationen gesorgt, dass die Brunsbüttel-Abschaltung der Auslöser für den Krümmel-Brand gewesen sein.

stx/amz/AFP/dpa/ddp

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