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Krümmel und Brunsbüttel: Feuer und Kurzschluss - Atomkraftwerke abgeschaltet

In Schleswig-Holstein mussten gleich zwei Atomkraftwerke nach Störfällen heruntergefahren werden. Auf dem Gelände des Kraftwerks Krümmel brach ein Feuer aus, in Brunsbüttel gab es einen Kurzschluss. Die Debatte über Gefahren der Atomkraft ist neu entfacht.

Hamburg - Per Schnellabschaltung wurden beide Atommeiler heruntergefahren. Nur vorsorglich, wie das zuständige Kieler Gesundheitsministerium anschließend mitteilte. "Niemand wurde verletzt, es gab keine Gefahr für die Umwelt", versicherte Ministeriumssprecher Oliver Breuer.

Feuerwehrmänner in Krümmel: Schaumteppich gegen die Flammen
DDP

Feuerwehrmänner in Krümmel: Schaumteppich gegen die Flammen

Laut dem AKW-Betreiber Vattenfall lief der Problem-Nachmittag so ab: Um 13.10 kam es in Brunsbüttel zu einem Kurzschluss am Umspannwerk, wo der Strom aus dem Kraftwerk in das Netz übergeben wird. Daraufhin wurde die Schnellabschaltung eingeleitet. In Hamburg kam es zu kurzen Stromausfällen.

Nicht mal zwei Stunden später, um 15.02, kam es dann laut Vattenfall in Krümmel zu einem weiteren Kurzschluss in einem Transformator, der dann zu dem Brand führte. Wieder gab es Stromausfälle in Hamburg: 750 Ampeln fielen aus, die U-Bahnen hatten kurzfristig keinen Strom. Nach Angaben der Deutschen Bahn kam es zu Ausfällen von Stellwerken und Signalanlagen und infolgedessen zu Verspätungen auch im Regional- und Fernverkehr.

Kurz vor 17 Uhr teilte ein Vertreter der Feuerwehr in Geesthacht mit, der Brand sei gelöscht. Ein Feuerwehr-Mitarbeiter vor Ort sagte zu SPIEGEL ONLINE, dass etwa 100 Feuerwehrleute den Brand bekämpft hätten. Die Arbeiten seien schwierig gewesen: "Das ist kein kleines Trafohäuschen am Straßenrand, sondern eine riesige Anlage." Vermutlich hätten im Innern große Mengen Öl Feuer gefangen. Vattenfall erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Die Ursache des Feuers ist bislang unklar." Laut Polizei in Ratzeburg hat keine Gefahr für den Nuklearbereich des Atomkraftwerks bestanden. Eine Messung der Umweltschutzorganisation Greenpeace hat keine erhöhte Radioaktivität in der Umgebung ergeben.

Riesige schwarze Rauchwolken hüllten das Atomkraftwerk ein. Einem Mitarbeiter zufolge lag das daran, dass sich Öl und Isolationsmaterial entzündet hätten. Über die Trafostation wird der Atomstrom in das Netz eingespeist. Wann das Atomkraftwerk wieder ans Netz gehen kann, ist noch offen.

Das Atomkraftwerk wird von der Kernkraftwerk Krümmel GmbH betrieben, die jeweils zur Hälfte Vattenfall Europe und E.on Kernkraft gehört. E.on Kernkraft verwies gegenüber SPIEGEL ONLINE darauf, dass die "Betriebsführung" für das KKW Krümmel bei Vattenfall liege und wollte deshalb keine Angaben machen.

Krümmel an der Spitze der deutschen Pannen-Statistik

Das Kernkraftwerk Krümmel liegt etwa 30 Kilometer südöstlich von Hamburg an der Elbe im Ortsteil Krümmel der Stadt Geesthacht in Schleswig-Holstein. Nach knapp zehn Jahren Bauzeit erfolgte am 14. September 1983 die erste kontrollierte Kernspaltung. Der Siedewasserreaktor mit einer Nettoleistung von 1346 Megawatt produziert jährlich 10,5 Milliarden Kilowattstunden Strom und liefert damit laut Vattenfall etwa 30 Prozent der insgesamt in Schleswig-Holstein erzeugten Strommenge.

Nach dem Jahresbericht des Bundesumweltministeriums hat es im vergangenen Jahr 15 "meldepflichtige Ereignisse" im Kernkraftwerk Krümmel gegeben. Damit liegt Krümmel bundesweit an der Spitze. Meldepflichtig sind auch schon kleine Zwischenfälle wie der zeitweilige Ausfall von Pumpen oder Stromsystemen. Immer wieder wurde über einen möglichen Zusammenhang zwischen der Radioaktivität und der in der Umgebung von Geesthacht festgestellten Häufung von Leukämie-Erkrankungen diskutiert.

Bütikofer fordert "sofortige und umfassende Aufklärung"

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer forderte eine "sofortige und umfassende Aufklärung" des Brandes. "Der Vorfall darf nicht heruntergespielt werden", sagte er in Berlin und fügte hinzu: "Die Atomlobby erzählt uns jeden Tag, die Gefahr der Atomkraft habe sich erledigt. Die Tatsachen widerlegen diese Propaganda."

Die Sicherheit deutscher Atomkraftwerke war zuletzt im vergangenen Sommer kontrovers diskutiert worden. Vorausgegangen war ein schwerwiegender Störfall am 25. Juli im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark. Nach einem Blitzschlag in eine Hochspannungsleitung war es dort zu einem Kurzschluss gekommen, nur zwei der vier Notstromaggregate des Kraftwerks waren angesprungen. Die schwedische Atomaufsicht hatte den Vorfall als sehr ernst eingestuft.

Die deutschen AKW-Betreiber hatten daraufhin erklärt, ein Störfall wie in Forsmark sei hierzulande ausgeschlossen. Kernkraftgegner hatten dies jedoch in Frage gestellt. Der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, erklärte, die Betreiber leisteten ihrem eigenen Anliegen einen Bärendienst, wenn sie nach dem gravierenden Störfall reflexartig Entwarnung gäben.

mbe/AP/dpa

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Feuersbrunst: Alarm im Kernkraftwerk Krümmel

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