Britischer Parlamentsbeschluss Drei Eltern dürfen ein Kind zeugen

Großbritannien wird womöglich das erste Land, in dem Babys von drei Eltern künstlich gezeugt werden dürfen. Das britische Parlament stimmte für das ethisch umstrittene Verfahren.

Mitochondrien: Zellkraftwerke mit eigenem kleinen Genom
Corbis

Mitochondrien: Zellkraftwerke mit eigenem kleinen Genom


Vater, Mutter, Mutter, Kind - in Großbritannien könnte das Szenario bald Realität werden. Die Abgeordneten im Unterhaus haben der Anwendung der umstrittenen Drei-Eltern-Methode zugestimmt. Die für den 23. Februar geplante Abstimmung im Oberhaus gilt als reine Formsache.

Das Verfahren soll eine Reihe von seltenen Erbkrankheiten vermeiden, die von der Mutter ans Kind weitergegeben werden. Bei Betroffenen ist das Erbgut der Zellkraftwerke, der sogenannten Mitochondrien, defekt. Dadurch verfügt der Organismus nicht über ausreichend Energie, was zu schweren degenerativen Krankheiten wie Diabetes oder Muskelschwäche führen kann.

Mitochondrien von einer fremden Frau

In Großbritannien werden jedes Jahr rund 125 Babys mit einer Mitochondriopathie geboren. Um die Weitergabe der Krankheit zu verhindern, können nun die Mitochondrien der erkrankten Frau vor der künstlichen Befruchtung durch die einer gesunden Spenderin ersetzt werden. Bislang wurde die Methode nur in Affenversuchen getestet.

Möglich ist das Verfahren, weil die Mitochondrien ihr eigenes kleines Genom tragen. Allerdings hat das Kind so drei biologische Eltern: Einen leiblichen Vater, eine Mutter, deren Erbgut es hauptsächlich trägt und eine zweite Mutter, von der die Mitochondrien-DNA stammt. Letztere bleibt anonym.

Ein Kind, zwei Mütter - die Methode im Einzelnen
Einer Frau, die unter einer mitochondrialen Krankheit leidet und ein Kind möchte, werden Eizellen entnommen. Im Labor wird aus einer Zelle das Kern-Erbgut isoliert.
  • Eine zweite, gesunde Frau, spendet ebenfalls Eizellen. Eine Zelle wird entkernt. Sie enthält also noch die Mitochondrien, aber nicht mehr das im Zellkern vorhandene Erbgut.
  • Der im ersten Schritt isolierte Zellkern wird in die Eizelle der Spenderin übertragen.
  • Die Eizelle wird mit einem Spermium des gewünschten Vaters befruchtet.
Der Embryo kann einer Frau eingepflanzt werden - wie bei jeder künstlichen Befruchtung.
Das so entstandene Kind wird die Charakteristika seiner Mutter und seines Vaters aufweisen, weil der von der fremden Frau stammende Anteil an den Erbanlagen gering ist: Die DNA einer Mitochondrie macht nur ein Prozent der gesamten DNA in einer menschlichen Zelle aus. Die Veränderung des Erbgutes wird aber von Generation zu Generation weitergegeben.

Nutzen für etwa ein Dutzend Frauen pro Jahr

Nach Schätzungen von Experten werden wahrscheinlich etwa ein Dutzend Frauen pro Jahr die Methode nutzen. "Viele dieser mitochondrialen Krankheiten sind so schwer, dass sie schon im Kindesalter zum Tod führen", sagte Alistair Kent von der Genetic Alliance U.K. 2013 in einer Mitteilung.

Bereits im Juni 2013 hatte sich die britische Regierung für die umstrittene Methode ausgesprochen. "Wissenschaftler haben eine bahnbrechende Technik entwickelt, die die Weitergabe dieser Krankheiten verhindert. Es ist nur richtig, dass wir versuchen, diese lebensrettende Methode so schnell wie möglich einzuführen", sagte damals Sally Davies, die als Chief Medical Officer die britische Regierung in medizinischen Fragen berät.

Umfragen in Großbritannien hatten gezeigt, dass ebenfalls eine Mehrheit der Bürger für die Befruchtungsmethode ist. Noch am Samstag hatten sich auch Interessengruppen in einem offenen Brief für die Legalisierung eingesetzt: Die Möglichkeit gebe Familien einen Hoffnungsschimmer, dass sie ein Kind bekommen könnten, das ohne Schmerzen und Leiden leben könne, hieß es.

Ethische Bedenken

Kritiker befürchten, dass die Erlaubnis der Erzeugung von Designer-Babys Tür und Tor öffnen könnte. "Wenn einmal diese ethische Grenze überschritten wird, wenn einmal festgelegt wird, dass es erlaubt ist, das menschliche Erbgut zu verändern, wird es schwierig, nicht die nächsten Schritte zu gehen und zu einer Welt zu kommen, in der Babys nach Maß produziert werden", warnte David King vom Verein "Human Genetics Alert". Dies sei "ein Szenario, das alle vermeiden wollen".

Das Christian Medical Fellowship teilte 2013 mit, dass die Suche nach Therapien, die es verhindern würden, dass eine kleine Zahl von behinderten Kindern mit Mitochondrien-Krankheiten zur Welt komme, es nicht rechtfertige, Hunderte oder Tausende embryonale menschliche Leben zu zerstören. Andere Kritiker argumentieren, dass es andere Wege gebe für Menschen mit Erbkrankheiten, gesunde Kinder zu bekommen - etwa durch Eizellspenden.

Strenge Regeln in Deutschland

Auch in den USA wird diskutiert, ob die "Drei-Eltern-IVF"-Methode zugelassen werden soll. Die amerikanische Gesundheitsbehörde ist allerdings vorsichtig. Viele Teilnehmer des Gremiums hätten das Gefühl, dass bisher nicht genug Daten aus Tierversuchen beisammen seien, um mit Versuchen am Menschen zu beginnen. Es müssten zuerst weitere Fragen beantwortet werden.

In Deutschland ist die Gesetzgebung strenger, unter anderem sind Eizellspenden verboten. Eine mögliche Einführung der Methode hierzulande wäre deutlich schwieriger durchzusetzen als in Großbritannien oder den USA.

jme/wbr/AP/Reuters/dpa/AFP

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insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
unzufriedener Bürger 03.02.2015
1. Lachen oder Weinen?
Was wird jetzt der Mensch? Ebenso ein Zuchtobjekt wie jedes Tier? Gut, wir sind ja auch Tiere also warum nicht, nicht wahr? Es gibt ja keine wichtigeren Themengebiete in welchen die Wissenschaft vorankommen sollte?! Dumm das mit etliche einfallen! Ich frag mich langsam ehrlich, ob ich noch auf der Erde lebe oder in einen überschlechten Sci-Fi Film katapultiert worden bin. Ich seh nur einmal um mich herum und seh abertausend wichtige ernste Weltprobleme, aber der Mensch beschäftigt sich lieber mit der Züchtung von Gen-manipulierter Nahrung, dem perfektem Menschen (oh wird es da Probleme geben in 20 Jahren), Waffenforschung etc pp, aber gut tut es, tut es, züchtet eure Haustierchen und Sklaven weiter, treibt die Zerstörung der Erde mehr voran indem ihr Euch eben auf so Sci-Fi Geburten konzentriert, bitte, ich hab verstanden das der IQ ebenso der EQ-Wert in dieser Welt keine Rolle mehr spielt...nein, ehrlich...es..AUA... das tut langsam wirklich weh mit anzusehen...was macht ihr nur aus dieser einst so schönen Welt...Herr wirf...obwohl nein, lass es, es bringt nichts, der Mensch lernt nicht und zerstört sich...ehrliche Meinungen werden ja meist unterdrückt so wie diese hier sicher auch schönen Tag
MarkusRiedhaus 03.02.2015
2. Nö,
"warnte David King vom Verein "Human Genetics Alert". Dies sei "ein Szenario, das alle vermeiden wollen"." Ich würde die Human Genetics Alert verbieten, Personen wie King ächten und Gegner dieser Dunstkreise massiv unterstützen. Denn niemand hat in meinem Namen solchen Unfug zu verzapfen.
Giraffe44-94 03.02.2015
3. kleiner Fehler
"Die DNA einer Mitochondrie (...). Die Veränderung des Erbgutes wird aber von Generation zu Generation weitergegeben." Das stimmt nicht ganz: Mitochondriale DNA wird ausschließlich maternal weitergegeben. D.h. die mitochondriale DNA wird nur von Generation zu Genration weitergeben, wenn es immer einen weiblichen Nachkommen gibt. Sind aber z.B. nur männliche Nachkommen vorhanden, kann die "fremde" mitochondriale DNA nicht vererbt werden.
hahtse 03.02.2015
4.
zu allen die diffuse Ängste schüren kann ich nur sagen: schämt euch. Ich würde meinen Nachkommen liebend gerne meine starke Sehschwäche ersparen. Und die ist - im Vergleich zu vielen anderen genetisch bedingten Nachteilen - nun wirklich noch harmlos. Was die Kritiker fordern ist nichts weiter, als das die Menschen auch in Zukunft so leiden sollen wie bisher. Pfui.
MarkusRiedhaus 03.02.2015
5. Nein es geht darum dass Individuen und...
Zitat von unzufriedener BürgerWas wird jetzt der Mensch? Ebenso ein Zuchtobjekt wie jedes Tier? Gut, wir sind ja auch Tiere also warum nicht, nicht wahr? Es gibt ja keine wichtigeren Themengebiete in welchen die Wissenschaft vorankommen sollte?! Dumm das mit etliche einfallen! Ich frag mich langsam ehrlich, ob ich noch auf der Erde lebe oder in einen überschlechten Sci-Fi Film katapultiert worden bin. Ich seh nur einmal um mich herum und seh abertausend wichtige ernste Weltprobleme, aber der Mensch beschäftigt sich lieber mit der Züchtung von Gen-manipulierter Nahrung, dem perfektem Menschen (oh wird es da Probleme geben in 20 Jahren), Waffenforschung etc pp, aber gut tut es, tut es, züchtet eure Haustierchen und Sklaven weiter, treibt die Zerstörung der Erde mehr voran indem ihr Euch eben auf so Sci-Fi Geburten konzentriert, bitte, ich hab verstanden das der IQ ebenso der EQ-Wert in dieser Welt keine Rolle mehr spielt...nein, ehrlich...es..AUA... das tut langsam wirklich weh mit anzusehen...was macht ihr nur aus dieser einst so schönen Welt...Herr wirf...obwohl nein, lass es, es bringt nichts, der Mensch lernt nicht und zerstört sich...ehrliche Meinungen werden ja meist unterdrückt so wie diese hier sicher auch schönen Tag
weder Staat noch die "Wissenschaft" noch irgendwelche Konzerne dem einzelnen jede erdenkbare Option ermöglichen ein freies Leben zu führen. 2 Schwule z.Bsp. die einen Sohn oder eine Tochter aus dem Erbgut von beiden bekommen können. Eine polygame Beziehung wo das Kind wahrhaft aus einer Dreiecksbeziehung entspringt. Dadurch wird die Gerechtigkeit in einer ungerechten Welt erst durch den Menschen hergestellt. Sie haben überhaupt keine Ahnung davon, dass die Welt so wie sie ist willkürlich erwachsen ist, mit Ressourcen die wenigen gehören, Tiere die sich gegenseitig fressen etc. und erst der Mensch durch Gesetzt zum Beispiel du sollst nicht Vergewaltigen künstlichere Gebilde erschafft um Gerechtigkeit herzustellen wenn Mord, Vergewaltigung und Kannibalismus Gang und Gäbe sind.
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