Künstlicher Zeh aus dem alten Ägypten Diese Prothese ist 3000 Jahre alt

Sie gehörte wohl der Tochter eines Priesters - und war ein handwerkliches Meisterstück. Archäologen haben eine Zehenprothese aus einem Grab bei Luxor mit neuesten Methoden untersucht.

Etwa 3000 Jahre alte ägyptische Zehenprothese
DPA / Matjaz Kacicnik / Universität Basel

Etwa 3000 Jahre alte ägyptische Zehenprothese


Hier wurde die Elite zur letzten Ruhe gebettet: Am Friedhofshügel von Sheikh Abd el-Qurna westlich von Luxor, dem früheren Theben, gibt es eine ganze Reihe monumentaler Felsgräber. Eine kleine, dem ägyptischen Königshaus nahestehende Oberschicht wurde hier bestattet.

In den Felsboden einer lange Zeit ungenutzten Grabkapelle war dabei ein Schachtgrab geschlagen worden, das Archäologen - trotz zwischenzeitlicher Plünderung - mit einem verblüffenden Fund überrascht hat: eine Zehenprothese, sie gehört wohl zu den ältesten der Welt. Und deren handwerkliche Ausgestaltung beeindruckt Forscher nach neuen Analysen sehr.

Denn dass eine Prothese gut sitzen und Tragekomfort bieten sollte, wussten offenbar schon die alten Ägypter: Forscher der Universität Basel haben den fast 3000 Jahre alten Zeh aus Holz mit neuesten Methoden - Mikroskopie, Röntgentechnik und Computertomografie - untersucht und dem Kunsthandwerker Höchstnoten erteilt. "Der künstliche Zeh aus dem frühen ersten Jahrtausend v. Chr. zeugt vom Geschick eines Kunsthandwerkers, der mit der menschlichen Physiognomie bestens vertraut war", heißt es in einer Mitteilung der Universität.

Beeindruckende Beweglichkeit

An den Analysen waren auch Spezialisten der Universität Zürich und des Ägyptischen Museums in Kairo beteiligt. Der Holzzeh war demnach mit einem robusten Gurtband am Fuß der Tochter eines Priesters befestigt. Besonders die Beweglichkeit des Prothesenaufsatzes sei beeindruckend.

Die Besitzerin der Prothese müsse wohl viel Wert auf ein natürliches Aussehen, Ästhetik und Tragekomfort gelegt haben, folgern die Wissenschaftler um Andrea Loprieno-Gnirs und Susanne Bickel aus Basel. Der künstliche Zeh sei individuell angepasst und mehrmals überarbeitet worden. Ihre Trägerin habe sich dabei auf hoch qualifizierte Fachkräfte verlassen können.

Prothesen hatten auch die Römer angefertigt. Bekannt ist das sogenannte Capua-Bein aus Bronze. Es entstand etwa um 300 vor Christus, also Hunderte von Jahren nach dem Zeh aus dem Grab von Sheikh Abd el-Qurna.

Sehen Sie im Video: Moderne Prothetik im Selbstversuch

chs/dpa

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